DER WIRKLICHE VERFASSER DER CHRONIK: JOHANN GEORG HELRERT Familienforschung, Eschner Zähigkeit und krimi- nalistischer Schriftenvergleich im Urkundenlabor der Polizei haben im Zusammenwirken den echten Autor der berühmten liechtensteinischen Heibert- Chronik schliesslich 1990 zutage gefördert: Der Verfasser hiess nicht, wie seit Peter Kaiser bis heu- te irrig angenommen, Jakob Heibert. Der echte Ver- fasser der Chronik war vielmehr Johann Georg Hei- bert, Bürger und Einwohner von Eschen, geboren am 24. März 1759 (im gleichen Jahr wie Schiller). Er starb am 20. März 1813, im 54. Lebensjahr; Na- poleon war eben erst aus Moskau zurück, der 19jährige Peter Kaiser weilte zum Studium in Wien. Johann Georg Heibert fertigte während 35 Jahren von 1778 bis 1813, das heisst sein ganzes Erwach- senenleben hindurch, Aufzeichnungen an, die zu- sammen die «Helbert-Chronik» ergaben. Sie um- fasst 290 von seiner Hand fein mit Tinte und Feder beschriebene Seiten und ist heute im Besitz der Gemeinde Eschen, welche die Chronik 1981 von den Nachfahren Heiberts erwerben konnte.1 Ver- wahrt wird sie derzeit im Archiv des Liechtensteini- schen Landesmuseums. DIE QUELLE DER VERWECHSLUNG Im Jahr 1813 schrieb Johann Georg Heibert noch die letzten 13 Zeilen in seine Chronik und starb dann schon am 20. März. Der Sohn Jakob, beim Tod des Vaters gerade 10 Jahre alt, setzte später einmal unter jene letzten Zeilen in seines Vaters Chronik zwei abschliessende Zierschleifen und dar- unter seinen Namenszug: «Jacob Hellberth». Die Abbildung auf Seite 325 zeigt den Chronikschluss. Diesen vom Sohn als Besitzer der väterlichen Chro- nik beigefügten Namen verstand Peter Kaiser, der noch zu Lebzeiten Jakobs für seine «Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein» (1847) ausführlich aus der Helbert-Chronik schöpfte, freilich als Auto- rennamen, was durchaus einleuchtend erschien.2 
Von daher rührt aber die Verwechslung, dass fort- an und bis heute irrigerweise Jakob als Autor ge- nannt wurde.3 DIE FOLGE DES IRRTUMS Der Irrtum aber hatte wiederum zur Folge, dass man über den Verfasser der Chronik nicht viel her- ausfand. Peter Kaiser hatte in seinem Geschichts- werk nur berichtet, dass Heibert in Eschen «auf Schönenbül» als «ein schlichter Landmann» gelebt hatte.4 Johann Baptist Büchel, aus dessen Nachlass 1929 umfangreiche Auszüge aus der Helbert-Chro- nik veröffentlicht wurden,5 klagt, dass über den Chronisten fast nichts bekannt und insbesondere weder Geburts- noch Tödesdatum in den Pfarrbü- chem zu eruieren sei.6 Kein Wunder, denn Prälat Büchel suchte innerhalb eines zu frühen Zeitraums, eben der Chronik-Abfassung, nach Geburt und Tod des vermeintlichen Chronisten «Jakob» Heibert. FAMILIENFORSCHUNG: DATEN UND ERSTE HYPOTHESE Dann aber fand der Eschner Stammbaumforscher Adolf Meier, der seit den 1980er Jahren für das Familienbuch der Gemeinde Eschen minutiös das Material sammelt, Jakob Heibert durchaus im Eschner Pfarrbuch, eben im eine Generation später liegenden Zeitabschnitt, in welchem Prälat Büchel nicht gesucht hatte: Jakob wurde 1803 geboren und starb 1858. Er war der Sohn von Johann Georg Heibert, dessen eingangs genannte Lebensdaten (1759-1813) der Familienforscher ebenfalls exakt eruierte. Jetzt erst lenkte sich die Aufmerksamkeit auf den Vater Johann Georg, da der bei den letzten Eintra- gungen in die Chronik 1813 erst knapp zehn Jahre zählende Sohn Jakob unmöglich der Verfasser der Chronik sein konnte. Die Eschner Lokalhistoriker Erich Allgäuer und Adolf Meier vermuteten nun, dass der Vater Johann Georg Heibert der Autor der Chronik sein könnte. Aber wie sollte man dessen 320
        

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