QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS MILITÄRKONTINGENT 1814 UND 1815 Von Baden war inzwischen an das Oberamt die Forderung gerichtet worden, bis zum 15. April 1815 das Linien- und Landwehrkontingent aufzu- stellen.194 Das Oberamt war dadurch in nicht gerin- ge Verlegenheit gebracht: Aus Wien waren noch keine Anweisungen eingetroffen, und dem Volke konnte man unmöglich fremde Forderungen vorle- gen. Das Verlangen Badens wurde vom Oberamt schlichtweg als „an und für sich unausführbar"195 bezeichnet. Das Kontingent sei nach der letztjähri- gen Rückkehr „von allen ferneren Diensten losge- sprochen, und entlassen" worden.196 In der Zwi- schenzeit, so gab das Oberamt weiter zu bedenken, seien einige gestorben, andere hätten sich verheira- tet und Haushaltungen angetreten. Auch die 1814 mit eingerückten Ausländer stünden nicht mehr zur Verfügung; kurz, das Kontingent känne „nicht mehr zusammengebracht werden".197 Wenn es unum- gänglich sein sollte, ein Kontingent aufzustellen, so gebe es keinen anderen Ausweg, als durch Verlo- sung eine ganz neue Mannschaft auszuheben. Das Oberamt betonte dabei ausdrücklich, dass die be- reits im vorigen Jahr Einberufenen diesmal vom Losen befreit sein müssten.198 In einer resigniert- anklagenden, teilweise fast ängstlich anmutenden Schlussbemerkung äusserte Schuppler: „Allein ob es dem Unterzeichneten dermahl auch noch ohne Unruhen und Aufstand gelingen werde, die Mann- schaft aufzustellen, und woher die Kosten zu neh- men sind, dies sind schwierige Fragen. Von den Unterthanen kann einmal nichts eingetrieben wer- den, weil sie nichts haben; und das, was sie auf- bringen, zum Lebensbedarf aufwenden müs- sen".199 Es sollte nicht die letzte klagende Äusse- rung Schupplers in dieser Angelegenheit sein. Tatsächlich langte am 4. April 1815 Major Leich- senring, er hatte schon 1814 das liechtensteinische Kontingent nach Baden geführt, in Vaduz an und präsentierte eine Verordnung des grossherzogli- chen Kriegsministeriums vom 28. März 1815, nach welcher er beauftragt war, das liechtensteinische Kontingent an Linientruppen und Landwehr zu übernehmen und „es bei den betreffenden Komm- anden eintreffen zu machen".200 Das Oberamt - im-mer 
noch ohne Instruktionen aus Wien - stellte sich auf den Standpunkt, dass das Abkommen vom 10. Februar 1814201 abgelaufen sei und deshalb eine neue Mannschaftaufstellung nur aufgrund eines neuen Vertrages erfolgen könne.202 Ohne ausdrück- liche Anordnung aus Wien sehe das Oberamt sich ausserstande, „dem übrigens verehrlichsten Auf- trage des hohen grossherzoglichen baadischen Kriegsministeriums nachzuleben".203 Wie unangenehm, ja belastend den Verantwortli- chen des Oberamtes die neue Forderung nach ei- nem Jruppenaufgebot waren, zeigen Äusserungen zuhanden der fürstlichen Hofkanzlei in Wien.204 Man werde wohl nicht alles wie im vergangenen Jahr in Frieden schlichten können, weil neben der Truppenstellung „zweifelsohne auch eine Lieferung in Naturalien wird müssen geleistet werden",205 ohne Zwangsmittel werde man wohl das Nötige 185) LLA RB, C2, o. N.. Bericht des Balzner Ortsrichters an das OA. 21. Juli 1814. 186) LLA RB, C2. o. N., Bericht des OA, 23. Juli 1814. 187) Ebenda. 243 pol., Liquidations-Commission/Frankfurt an OA. 28. Sept. 1814. 188) Ebenda, verschiedene Korrespondenzen. 189) Gebhardt III, S. 91. 190) Siehe Rud. Friedrich. Bd. 4, S. 281 ff. 191) LLA RB, C2, Nr. 1423, HKW an OA, 3. Apr. 1815. 192) Ebenda. 193) Ebenda. 194) LLA RB, C4, ad 63 pol.. OA an HKW. 5. Apr. 1814. 195) Ebenda. 196) Ebenda. 197) Ebenda. 198) Ebenda. 199) Ebenda. 200) LLA RB, C4, ad 63 pol., Bericht des OA, 5. Apr. 1814. 201) Siehe oben Anm. 34. 202) Siehe oben Anm. 200. 203) Ebenda. 204) LLA RB, C4, 66 pol.. OA an HKW, 17. Apr. 1815. 205) Ebenda. 27
        

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