PROJEKTE ZUR GRÜNDUNG EINER HOCHSCHULE IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / GRAHAM MARTIN ge des Schulgesetzes von 1971 (LGB1. 1972/7) stark ausgebaut worden. Nachdem 1980 eine «International Academy of Phi- losophy» in Dallas/Texas (USA) ins Leben gerufen worden war, verlegte die Anstalt auf Einladung von Prinz Nikolaus von Liechtenstein ihre Tätigkeit ins Fürstentum. Hier wurde 1986 eine kleine Hoch- schule mit dem Titel «Internationale Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein» (kurz: IAP) unter der Leitung des österreichischen Gelehr- ten Prof. Dr. Josef Seifert eröffnet. Bis zum Ende des Jahrzehnts verfügte sie über lediglich drei volle Lehrstühle (andere Dozenten wirkten mit befriste- ten Lehraufträgen an der Akademie), und die Stu- dentenzahlen betrugen nur ungefähr 35-40. Das Fächerangebot, wie die akademische Gemein- schaft, wurde bewusst in Grenzen gehalten. Dafür behielt die Akademie ihre ausgesprochen interna- tionale Natur durch die drei Professoren (einen Österreicher, einen Italiener und einen Engländer) nebst einem Amerikaner als Studiendirektor und Studenten aus circa zehn Ländern bei. In den er- sten Jahren ihres Daseins konnte die Akademie ei- gene akademische Grade (z.B. Magister und Dok- tor), einschliesslich des Ehrendoktorats, mit Aner- kennung nicht nur der liechtensteinischen sondern auch - aufgrund eines 1989 unterzeichneten Ab- kommens31 - der österreichischen Regierung ver- leihen. Neben dem ordentlichen Lehrbetrieb wur- den auch eine Reihe von Sonderveranstaltungen wie Sommerkurse und spezielle Symposien abge- halten. Mit dem Aufkommen dieser ersten Hochschule auf liechtensteinischem Boden fängt ein neues Kapitel im Hochschulwesen des Fürstentums an, welches wir hier nicht eingehend behandeln wollen. Seit der Gründung der IAP in Fürstentum waren die liech- tensteinischen Behörden in der Lage, in ihren Ant- worten auf Anfragen bezüglich eventueller Hoch- schulgründungen auf das Vorhandensein einer Hochschule in Liechtenstein zu verweisen.32 Immer noch hat Liechtenstein keine eigene allge- meine Universität, und aufgrund verschiedener Er- wägungen scheint es höchst unwahrscheinlich, 
dass es in einer absehbaren Zeit eine bekommen wird. Es ist allerdings erfreulich festzustellen, dass aus- ser der Gründung einer Hochschule in Liechten- stein seit einigen Jahren andere Aktivitäten auf Hochschulniveau stattfinden: die längst bewährten Internationalen Meisterkurse an der Liechtensteini- schen Musikschule (seit 1971), die Nachdiplomstu- dien an der Liechtensteinischen Ingenieurschule (seit 1986) sowie die wissenschaftlich hochrangi- gen Leistungen - in Lehre und Forschung - des Liechtenstein-Instituts (1987 in Bendern eröff- net).33 27) Ebenda Brief vom 2. April 1976. Prof. Berchem wurde 1983-87 Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz. 28) Das Fürstentum Liechtenstein hatte damals nur den Status eines Beobachters beim Europarat. Erst 1978 wurde es Vollmitglied. 29) LLA RF 317/147. Brief vom 5. Oktober 1976. 30) Dokumentation der IAP, dem Verfasser überlassen. 31) LGB1. 1990/6: Abkommen zwischen dem Fürstentum Liechten- stein und der Republik Österreich über die Gleichwertigkeit von Studi- en, Prüfungen und akademischen Graden. Abgeschlossen am 5. Sep- tember 1989; in Kraft getreten am 1. April 1990. 32) Vgl. verschiedene Briefe im Landesarchiv (z.B. 1987). 33) Das in diesem Artikel behandelte Projekt wurde zur weiteren Erforschung vom Historischen Verein für das Fürstentum Liechten- stein, vom Schulamt des Fürstentums Liechtenstein sowie vom Carne- gie Trust for the Universities of Scotland unterstützt. Der Verfasser möchte folgenden Personen für ihre besondere Hilfe danken: Dr. Alois Ospelt und lic. phil. Paul Vogt im Landesarchiv, Fürstl. Studienrat Dr. Josef Wolf und Silvia Holzer im Schulamt. Die Fürstliche Regierung erteilte dem Verfasser eine Spezialbewilligung zur Einsicht in die Akten, die der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich sind. Für eine Durchsicht des Manuskripts nebst wertvollen Vorschlägen ist der Ver- fasser Landesarchivar Dr. Alois Ospelt. Vaduz, Harald Wanger, Schaan, sowie lic. phil. Karin Schaedler, Lektorin für deutsche Spra- che an der Universität Strathclyde. Glasgow, sehr verbunden. 315
        

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