Stützung des Oberhaupts der Anstalt, an der die Initiatoren tätig waren, wie ein Vorstellungsschrei- ben des damaligen Rektors (anschliessend Präsi- denten) der Universität Würzburg Prof. Theodor Berchem bezeugt.27 Die drei Professoren hatten im Juni 1976 einen ausführlichen «Hochschulentwurf für eine Univer- sität des Fürstentum^] Liechtenstein» (neun Seiten mit einem fünfseitigen Anhang) ausgearbeitet. In diesem Dokument wurden die prinzipiellen Erwä- gungen der geplanten Universität sowie die Struk- tur der ersten Abteilung, der Philosophischen Fa- kultät, dargelegt. Ein weiteres Dokument, «Erläute- rungen zum Entwurf eines Hochschulkonzepts für das Fürstentum Liechtenstein» (September 1976) bot weitere Einzelheiten an. Die Initiatoren wollten ausdrücklich eine elitäre Anstalt im Gegensatz zur typischen deutschen Massenuniversität ins Leben rufen, deren Studenten schon über einen normalen Studienabschluss verfügen würden und sich somit «graduate studies» widmen könnten. Die Gesamt- zahl der Studenten sollte 200-300 nicht überstei- gen; an anderer Stelle heisst es sogar: «[I]deal wäre eine Zahl von 50-60 Studierenden geistiger Ausle- se.» Um wirtschaftlich vorzugehen, beabsichtigten die Initiatoren, ausser sich selbst emeritierte Pro- fessoren anderer Hochschulen für die neugeschaf- fenen Lehrstühle zu berufen, solange die liechten- steinische Regierung mit den gewählten Personen einverstanden gewesen wäre. Die neue Hochschule sollte an die bestehenden Ein- richtungen des Landes Liechtenstein anknüpfen: Dem damaligen Rektor des Liechtensteinischen Gymnasiums Fürstl. Studienrat Frater Dr. Ingbert Ganss sollte der geplante Lehrstuhl für Klassische Philologie übertragen werden, dem Lehrkörper des Gymnasiums würde die Möglichkeit höherer Studi- en angeboten, dem Leiter der «Kunstsammlung des Landes» (gemeint sind wohl die Fürstlichen Samm- lungen, welche von weltweiter Bedeutung sind) sollte die Professur für Kunstwissenschaft angetra- gen werden, die Liechtensteinische Landesbiblio- thek sollte auch Hochschulbibliothek werden, und der bestehenden Musikschule sollte durch eine Ko- operation mit der Universität die Möglichkeit der 
Erweiterung zu einer Musikhochschule gegeben werden. Zu Anfang wollte die geplante Anstalt übri- gens Kurse in den Räumlichkeiten des Gymnasiums in Vaduz abhalten. Besonders interessant für Stu- dierende aus Liechtenstein sind die geplanten Be- dingungen für sie: «Landeskinder werden bei der Zulassung in jeder Hinsicht bevorzugt»; es werden keine Studienabschlüsse als Zulassungsvorausset- zung von ihnen verlangt; für sie entstehen auch keine Studiengebühren. Die Initiatoren betonten die europäische Natur des geistigen Hintergrunds der projektierten Hoch- schule, was sie in ihrer Hoffnung bestärkte, vom Europarat bzw. von dessen Rat für kulturelle Zu- sammenarbeit (dem CCC) Gründungsfinanzen zu erhalten. Dieser Wunsch erfüllte sich aber nicht.28 Die Betonung des Status des Faches Philosophie durch die Initiatoren als Fundament für die Grün- dung einer Hochschule weist schon auf die zehn Jahre später erfolgreich stattgefundene Eröffnung einer Akademie für Philosophie in Liechtenstein voraus. Trotz der gründlichen Vorbereitungen seitens der Initiatoren verwarfen die liechtensteinischen Be- hörden das Projekt. Mit ziemlich lapidaren Worten, ohne Begründungen zu liefern, teilte die Fürstliche Regierung im Oktober 1976 Prof. Berlinger mit, «dass eine Realisierung des Projektes im heutigen Zeitpunkt nicht möglich schein[e]».29 Die Verhand- lungen in dieser Sache zwischen den Initiatoren und den liechtensteinischen Behörden hatten von April bis Oktober 1976 gedauert. DIE GRÜNDUNG DER ERSTEN HOCHSCHULE IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN: DIE INTER- NATIONALE AKADEMIE FÜR PHILOSOPHIE 1986 Die nächste nennenswerte Entwicklung im Hoch- schulsektor im Fürstentum Liechtenstein war die 1986 erfolgte Gründung der Internationalen Akade- mie für Philosophie und die Aufnahme des Lehrbe- triebs in Schaan.30 Inzwischen war das liechtenstei- nische Schul- und Bildungswesen auf der Grundla- 314
        

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