PROJEKTE ZUR GRÜNDUNG EINER HOCHSCHULE IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / GRAHAM MARTIN hen sich der Landesschulrat und die Fürstliche Re- gierung ausserstande, das Vorhaben gutzuheissen. Die Korrespondenz und die Verhandlungen zwi- schen den Initiatoren und den liechtensteinischen Behörden in dieser Sache hatten sich lediglich vom Juni bis zum Oktober 1970 erstreckt, wurden aber während dieser Zeitspanne rege betrieben. EINE «UNIVERSITÄT IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN» Projekt von Wiener Hochschullehrern Zwei Jahre später (1972) kam eine Gruppe von Hochschullehrern aus Wien nach Vaduz, um mit Vertretern der liechtensteinischen Behörden die Möglichkeit der Gründung einer «Universität im Fürstentum Liechtenstein» zu besprechen.23 Die Gruppe wurde von den Herren Prof. DDr. Felix Ro- manik und Mag. Dr. Eckhard Tichatschek geführt, und der Vaduzer Rechtsanwalt Fürstl. Justizrat Dr. Alois Vogt (ehemaliger Regierungschef-Stell- vertreter des Fürstentums) gehörte ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern. Anscheinend waren die Initiatoren mit der Hochschulpolitik der damaligen SPÖ-Regierung in Österreich nicht einverstanden. Diese Anstalt sollte Kurse in verschiedenen Studi- enrichtungen anbieten, bei denen an den bestehen- den Hochschulen Platzprobleme herrschten. Die Initiatoren arbeiteten den Entwurf von Statuten ei- ner «Gründungsgesellschaft für eine Universität im Fürstentum Liechtenstein» aus, aber die Fürstliche Regierung nahm Anstoss an der Titelbezeichnung «im Fürstentum Liechtenstein», so dass der Verein unter diesem Titel nicht im Vereinsregister einge- tragen werden konnte. Alles in allem führten die Gespräche zu keinem positiven Ergebnis. 
EINE «UNIVERSITÄT DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN» Projekt dreier Professoren der Würzburger Philoso- phischen Fakultät Das nächste ernstzunehmende Projekt für die Grün- dung einer Hochschule in Liechtenstein fällt ins Jahr 1976. Die Initiatoren verhandelten direkt mit der Fürstlichen Regierung (Regierungschef-Stell- vertreter LIans Brunhart, der das Ressort Bildungs- wesen leitete).24 Das Projekt war das geistige Kind des Philosophie- Professors Dr. Rudolph Berlinger, der zusammen mit seinen Kollegen Dr. Otto Meyer (Professor für Mittlere Geschichte) und Dr. Wiebke Schräder (ebenfalls Professorin für Philosophie) - alle Lehr- stuhlinhaber an der Universität Würzburg25 - aktiv wurde. Die Verhandlungen in Liechtenstein gingen von einer Audienz auf Schloss Vaduz im Juni 1976 aus, an der die drei Würzburger Professoren, der Rektor des Liechtensteinischen Gymnasiums und der Vizeregierungschef des Fürstentums das Pro- jekt mit Fürst Franz Josef II. besprachen. Der Lan- desfürst zeigte ein «lebhaftes Interesse an dem Plan», wie Prof. Berlinger sich in einem Brief aus- drückte.26 Im Gegensatz zu den meisten solchen Projekten genoss dieses den Segen und die Unter- 22) Ebenda «Satzung der Fürstlich Liechtensteinischen Hochschule für Recht und Wirtschaft». § 2.1. 23) Nur spärliche Belege finden sich in den Archiven: siehe LLA RF 309/175. Diese Dokumente beziehen sich alle auf die «Gründergesell- schaft für eine Universität im Fürstentum Liechtenstein. e.V.» Weitere Angaben basieren auf Gesprächen mit dem Vorstand des Schulamtes Fürstl. Studienrat Dr. Josef Wolf. 24) Siehe LLA RF 317/147. Zur Zeit der Abhaltung des Vortrags durch den Verfasser (s. Anm. 1) standen diese Dokumente nicht zur Verfügung, und dieses wichtige Projekt wurde dabei nicht behandelt. Die betreffenden Akten finden sich nämlich nur im Landes-, nicht im Schulamtsarchiv. 25) Die Unterlagen enthalten keinerlei Verweise auf das Projekt, das nur sechs Jahre früher aufkam und ebenfalls von Professoren der Universität Würzburg stammte. Es ist anzunehmen, dass die beiden Projekte ganz unabhängig voneinander entstanden und dass die Ini- tiatoren in beiden Fällen rein zufällig Würzburger Professoren waren. 26) LLA RF 317/147. Brief vom 13. September 1976. 313
        

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