PROJEKTE ZUR GRÜNDUNG EINER HOCHSCHULE IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / GRAHAM MARTIN DIE ZWEITE GESCHICHTLICHE PHASE: VON DEN SPÄTEN SECHZIGER JAHREN RIS ZU DEN ACHTZIGER JAHREN Es folgt jetzt eine grössere zeitliche Lücke, bis die nächsten Projekte zur Gründung einer Hochschule im Fürstentum Liechtenstein aufkommen. Wir ge- langen bereits in eine Zeit, die in die heutige ein- mündet, und die neueren Vorhaben, die uns be- kannt sind, werden hier etwas summarischer be- handelt. Hatten schon die Projekte der ersten Peri- ode eine europäische Dimension, so erweitert sich diese nunmehr in bestimmten Fällen zu einer welt- weiten. EINE KOOPERATIVE UNIVERSITÄT Projekt von Prof. Zaccano Im Jahre 1969 Hess Dr. Joseph Zaccano, Ge- schichtsprofessor am Elizabethtown College im Bundesstaat Pennsylvania, dem Regierungschef des Fürstentums seinen Plan für eine liechtensteinische Universität zukommen.20 Zaccano hatte ein ziemlich ambitiöses Projekt aus- gearbeitet, nach dem eine ganze Reihe von Studien- gebieten (z.B. Technik, Naturwissenschaften, Gei- steswissenschaften, Erziehungswissenschaft, Han- del) in Liechtenstein unterrichtet werden sollte. Die Hörer sollten vorzugsweise qualifizierte Liechten- steiner sein und in zweiter Linie entsprechend ge- eignete Bürger anderer Länder. Die Studentenzah- len sollten beschränkt bleiben (der Initiator schlug anfänglich 250 vor). Das Charakteristikum der Unterrichtsverwaltung sollte darin bestehen, dass der Lehrkörper aus ver- schiedenen mitteleuropäischen Hochschulen stam- men sollte, mit befristeten Lehraufträgen in Liech- tenstein. Der Initiator zitierte die positiven Erfah- rungen verschiedener Einrichtungen in Pennsylva- nia, die seit einigen Jahren auf einer solchen Basis funktionierten. Die Idee fand aber bei den liechten- steinischen Behörden keinen Anklang. 
EINE «FÜRSTLICH LIECHTENSTEINISCHE HOCH- SCHULE FÜR RECHT UND WIRTSCHAFT» Projekt von zwei Professoren der Würzburger Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät und Rechtsanwalt Walter Ein Jahr später kam ein weiteres Projekt auf, das unseres Erachtens ernstgenommen zu werden ver- dient. Es handelt sich um ein Vorhaben, eine inter- nationale wissenschaftliche Hochschule für wirt- schaftsjuristische Nachdiplomstudien in Liechten- stein zu gründen.21 Die Initiatoren kamen diesmal aus der Bundesrepublik Deutschland: zwei Profes- soren der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fa- kultät der Universität Würzburg, Prof. Dr. Günther Küchenhoff und Prof. Dr. Carl W. Meyer, und der Frankfurter Rechtsanwalt Alfred L. Walter als fe- derführendes Konsortiumsmitglied. Im Präsentati- onsschreiben vom 12. Juni 1970 betonte das Kon- sortium, so wie es viele seiner Vorgänger getan hatten, dass die geplante Anstalt grundsätzlich selbsttragend sein sollte und somit dem Fürstentum keinerlei Unkosten verursachen würde. Für liech- tensteinische Staatsangehörige sollte das Studium 17) LLA RF 134/418/77. Im Gegensatz zu den meisten einschlägigen Akten ist dies ein kurzes Dokument von nur anderthalb Seiten. 18) Eine weitere weltberühmte Persönlichkeit, die zwar nicht von den Initiatoren genannt wird, wohl aber durch persönliche Korrespon- denz mit dem liechtensteinischen Regierungschef ihr Interesse am Projekt bekundet hatte, war der deutsche Chirurg Ferdinand Sauer- bruch von der Universitätsklinik der Charite, Berlin (1875-1951, Pio- nier der Brustkorbchirurgie); siehe Briefwechsel August/September 1933. 19) Der Verfasser befragte im Jahr 1966 IUI. Kanonikus Anton From- melt, der zur Zeit des Projekts Schulkommissär des Landes Liechten- stein war, über diese Geschehnisse. Die letzten Angaben geben die Meinung des Herrn Kanonikus Frommelt wieder. Im Aktenbündel, das diese Angelegenheit direkt betrifft, werden Juden nirgends er- wähnt; in einem anderen aber (I.RA RF 137/347) befindet sich ein Schreiben des Bischofs von Chur vom 16. 12. 1933, in dem er seine Sorgen über das Projekt und seinen Zweifel, «ob eine kath. Schwe- sternkongregation ein jüdisches Krankenhaus übernimmt», aus- drückt. 20) Siehe Archiv des Schulamtes: «Hochschulprojekte». 21) Siehe LLA RF 267/738 (Kopien der Hauptakten auch im Schul- amtsarchiv). 311
        

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