tionsordnung (nicht auffindbar) sollte über die von der Akademie verliehenen akademischen Grade bestimmen. Ebenfalls ausgearbeitet war der Entwurf für ein Akademiegesetz, das den Status der Akademie als juristische Person des öffentlichen Rechts bestim- men wollte.17 Diese autonome Anstalt sollte «zwecks Pflege der Wissenschaften und ihrer prak- tischen Ausübung insbesondere der Medizin und der anderen Zweige der Naturwissenschaften» (Art. 1) errichtet werden. Mehrere Unterlagen in den Akten weisen auf den wissenschaftlichen Personenkreis hin, der das Vor- haben unterstützte und wenigstens teilweise für den Lehrkörper vorgesehen war. Am Anfang waren es fast ausschliesslich Mediziner, dann gesellten sich immer mehr Vertreter anderer wissenschaftli- cher Disziplinen dazu. Es waren Namen von Welt- rang dabei, einschliesslich einer Reihe von deut- schen Nobelpreisträgern. Professor Dr. James Franck, Nobelpreisträger für Physik (1925), setzte sich sehr energisch für den Plan ein, unter anderem in London und New York, wo er sich um die Unter- stützung der Rockefeller-Stiftung bemühte. Der Bio- chemiker Prof. Dr. Otto Fritz Meyerhof, Nobelpreis- träger für Medizin (1922), drückte seine Bereit- schaft aus, an der Akademie mitzuwirken. Weitere Nobelpreisträger, die ihre Unterstützung zusagten, waren Prof. Dr. Richard Willstätter (Chemie, 1915) sowie Prof. Dr. Fritz Haber (auch Chemie, 1918). Viele andere prominente Mediziner und Naturwis- senschafter z.B. aus Berlin, Wien und Zürich mel- deten ihr Interesse am Vorhaben an, und manche waren bereit, nach Liechtenstein zu ziehen.18 Die Deutsche Notgemeinschaft in Zürich sollte ih- rerseits das Projekt unterstützen, und die Grün- dungskommission plante einen Verein der Freunde Brief Ferdinand Sauer- bruchs an den Liechten- steinischen Regierungschef 
und Förderer der Akademie, für den ein Statuten- entwurf vorliegt. Dieses Projekt war sicherlich vielversprechend und auch weit gediehen. Man kann natürlich nur mut- massen, was nach dem Ende des Krieges und des Dritten Reiches daraus geworden wäre. Die Frage drängt sich auf, ob diese international bedeutenden Kapazitäten auf dem Gebiet der Medizin und der Naturwissenschaften wirklich bereit gewesen wä- ren, im ländlichen Liechtenstein zu bleiben. Jeden- falls wurde der Plan nicht verwirklicht. Ärgerlicherweise finden sich keine Hinweise in den Akten darauf, infolge welcher Umstände das Vor- haben aufgegeben wurde. Ganz plötzlich hört die Korrespondenz auf. Es scheint, dass die meisten am Vorhaben Interessierten, von denen viele Juden waren, Probleme mit der Ausreise aus Deutschland hatten, so dass die Errichtung der geplanten Akade- mie einfach unpraktikabel wurde.19 CHIRURGISCHE UNIVERSITÄTSKLINIK DER CHARITE SCHUlLUrNSTRAgSB BO-81 BERLIN NW 7. DEN 8. 9. 33. Herrn Dr. K 0 o p Regierung des yürstentums Lichtenstein Vaduz. Sehr verehrter Herr Doktor ! Haben Sie vielen Dank für Ihre freundlichen Informationen. Ich würde grossen Wert darauf legen, wenn Sie Ihr liebenswürdiges Anerbieten, mioh auch weiterhin Uber den Lauf der Angelegenheit in der nateugründenden Akademie zu un- terrichten, ausführen wollten. Ich würde Sie nur bitten, Ihre Briefe dann an mich direkt zu richten und nicht nur an die Chirurgische Klinik der Anarite", wo sie dann bereits eröff- net in meine Hände kommen. ¥it den besten Bmpfehlungen bin loh Ihr sehr ergebener Professor Sausrbruoh fhlrurgische Klinik der iharite Berlin IM 310
        

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