PROJEKTE ZUR GRÜNDUNG EINER HOCHSCHULE IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / GRAHAM MARTIN zahnärztliches Studium eingeführt werden; das Doktorat in diesen Fächern sollte man nach 5 bis 7 Semestern, das Diplom in einigen Fällen nach le- diglich drei Studiensemestern erwerben können. Insgesamt sind die vorgeschlagenen Studienbe- stimmungen verdächtig tolerant. Das Kuratorium wollte auch eine Maturitätsprüfung für das Land Liechtenstein an der geplanten Uni- versität abhalten, welche von Professoren der Uni- versität abgenommen werden sollte (S. 7 f.). Dem Expose zufolge wollte die Anstalt im Sommer- semester 1932 ihren Betrieb aufnehmen, aber man findet in den Akten keine weiteren Belege für dieses etwas nebulöse Projekt. EINE «FÜRSTLICH LIECHTENSTEINISCHE NATURWISSENSCHAFTLICH-MEDIZINISCHE AKADEMIE IN TRIESEN-TRIESENBERG» Projekt von Rechtsanwalt DDr. Kuntze und Berliner Medizinern Das nächste Projekt ist bei weitem das ausführlich- ste und ohne Zweifel das interessanteste derjeni- gen, die nicht zur Verwirklichung kamen. Es han- delt sich um eine geplante Lehr-, Forschungs- und Heilanstalt mit dem klangvollen Namen «Fürstlich liechtensteinische Naturwissenschaftlich-Medizini- sche Akademie in Triesen-Triesenberg». Nach den Aktenbelegen erstreckte sich die Hauptaktivität in dieser Angelegenheit von Juni 1933 bis Juli 1934. Innerhalb dieser relativ kurzen Zeitspanne entfalte- te sich eine sehr intensive Tätigkeit, welche durch 
ein dickes Aktenbündel im Landesarchiv bezeugt ist.10 Die Initiatoren waren eine Gruppe von Hochschul- lehrern auf dem Gebiet der Medizin, die in Berlin tätig waren und denen das Leben unter dem neuen Regime in Deutschland unerträglich geworden war. Sie sahen sich nach anderen Orten um, wo sie ihre berufliche Tätigkeit ungestört fortsetzen könnten. Wie die Verbindung mit Liechtenstein entstand, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Die Projektanten wurden von Anwälten der liechtensteinischen Pra- xis Dr. Wilhelm Beck und Dr. Alois Ritter, vor allem aber von einem in Liechtenstein niedergelassenen deutschen Rechtsanwalt, DDr. Heinrich Kuntze, vertreten. Dieser war die treibende Kraft in der ganzen Sache. Schon das erste Expose dieses Vorhabens (datiert vom 15. Juni 1933), das der liechtensteinischen Regierung vorgelegt wurde, wies ein fortgeschritte- nes Stadium der Planung auf.11 Es stellt die Füh- rungsgremien der Akademie (Fakultät, Senat sowie 7) Ebenda, Brief der Fürstlich liechtensteinischen Gesandtschaft in Bern an den Regierungschef in Vaduz, 16. Juli 1927. 8) LLA RF 134/418//3. Es scheint kein Zweifel zu bestehen, dass dieses Dokument versehentlich in den betreffenden Aktenstoss geriet. Eigentlich gehört diese Akte unter eine eigene Nummer. Sämtliche anderen Akten unter der Nummer 134/418 betreffen die geplante Akademie (s. unten). 9) Im Dokument steht «Der Vergert» - vermutlich ist «Dr. Vergert» gemeint. 10) Siehe LLA RF 134/418. 11) LLA RF 134/418/6. 307
        

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