chen Mittel anzuwenden, um solche aufzufinden, in welchen Fällen sie unter sicherer Eskord zum Ba- taillon wieder geführt werden sollen".156 Knapp vier Wochen später lässt Schuppler Major Günther wissen, dass keiner der gesuchten Deser- teure „im Lande befindlich" sei und es habe „aller Mühe ungeachtet keiner erforscht werden" kön- nen.157 Gleichzeitig teilte Schuppler mit, dass auch bei einer eventuellen Verhaftung eines liechtenstei- nischen Deserteurs keine Auslieferung stattfinden würde. Als Begründung führt Schuppler an, dass erstens mit Frankreich Friede geschlossen worden und infolgedessen das Kontingent aus badischen Diensten zu entlassen sei; und zweitens seien ge- mäss Vertrag grössere Strafen für das Kontingent von Seiten Liechtensteins selbst zu vollziehen. Er bat deshalb darum, die festgesetzte Strafe bekannt- zugeben, um sie bei gegebener Zeit in Vollzug brin- gen zu können.158 Bemerkenswert an dieser Angelegenheit ist vor al- lem das Verhalten Landvogt Schupplers. Er hatte nämlich bereits am 1. Juni 1814 - also fast drei Wochen vor obigem Schreiben an das Bataillons- kommando - zwei der Deserteure in Vaduz verhört! Das heisst, Schuppler hatte amtlich die Unwahrheit nach Baden berichtet. Was mochte ihn dazu veran- lasst haben? Die Verhörprotokolle bringen bereits einige Hinweise. Franz Joseph Marxer aus Eschen gab an,159 dass er am Abend des 18. Mai 1814 mit dem Schellenberger Andreas Öhri und einem badi- schen Landwehrmann „diserteurt" sei.160 Als Grün- de für diese LIandlung gibt Marxer an, dass bereits am Tag vor ihm 300(!) badische und drei liechten- steinische Landwehrmänner entwichen seien.161 Es sei auch das Gerücht ausgesprengt worden, „dass man [sie] nicht entlassen wolle, sondern dass [sie] werden nach Rusland (!) ziehen müssen".162 Eben- falls habe er seit Palmsonntag keine Löhnung mehr erhalten: „Ich hatte von nichts zu leben, um meine Bedürfnisse zu bestreiten."163 Auch hätten die Bau- ern den Truppen nichts gegeben; diese hätten be- hauptet, sie seien ihnen „nichts schuldig als Feuer und Licht".164 „All das bestimmte mich", gab Mar- xer zu Protokoll, „auch davon zu laufen; ich ging Tag und Nacht, ohne wo aufgehalten zu werden, 
nur zwei Stunden vor Oberkirch im Baadenschen wurden wir von einem Polizeysoldaten gefragt, wo wir hin wollten, ich sagte, dass ich zu Hause gehe, worauf er uns gehen Hess, ohne uns weiter aufzu- halten."165 Am Schluss bat Marxer, der das Proto- koll anstatt mit seinem Namen mit einem Kreuz signierte, „um eine gelinde Straffe".166 Ähnliche Gründe wie Marxer gab Alois Hilti aus Schaan für sein unerlaubtes Entfernen von der Truppe an.167 Er hatte zusammen mit Lorenz We- naweser den Rückweg durch die Schweiz genom- men. In Zürich wurden sie auf die Militärhauptwa- che geführt und nach ihren Pässen gefragt. Als sie angaben, nach Maria Einsiedeln zu wallfahren, liess man sie wieder gehen, weil „Wahlfahrtsleute keine Pässe brauchen".168 Alois LIilti gab weiter zu Protokoll, wirklich in Einsiedeln gewesen zu sein. Unterwegs habe er vom „Heischen bey Bauersleu- ten"169 gelebt, welches aber „nur gegen Abend und selten beim Tag geschah".170 Marxer und Hilti ga- ben beide an, dass sie ihre Gewehre samt Patronen- taschen mit Patronen und Pulver im Quartier zu- rückgelassen hätten. Der Entscheid des Oberamtes fiel recht milde aus: Beide wurden mit der Aufforderung, das Land nicht zu verlassen „einstweilen nach Hause entlas- sen".171 Gegen die straffällig Gewordenen scheint auch später kein Urteil mehr ausgesprochen wor- den zu sein - man liess die Sache wohl auf sich beruhen. Die in Baden vorgesehenen Strafen für „Desertion im Feld"172 bestand je nach Schwere des Vergehens in einer Körperstrafe von „60-70 spannische Röhr- lein ad posteriora" [d.h. auf das Gesäss] und einer 12tätigen Arreststrafe.173 In schwereren Fällen war ein Strafmass von zweimal 40 solcher „Röhrlein" und ein 14tägiger schwerer Arrest vorgesehen.174 Die nach den Kriegsartikeln vorgesehene 2-4jähri- ge Zuchthausstrafe wurde durch die Körperstrafe und den kurzen Arrest ersetzt.175 Wie lässt sich die doch erstaunliche milde Behand- lung der Deserteure durch das Oberamt erklären? Warum liess sich Schuppler sogar dazu her, „amt- lich" die Unwahrheit zu äussern? Es ist anzuneh- men, dass Schuppler einerseits die schon recht kri- 24
        

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