QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 ANHANG II. ABSCHNITT VON DER LOOSUNG § 43 Nachdom der Loosungspfliehtige Stand erhoben ist, werden alle auf- gerufenen Jünglinge ohne Unterschied vor dem Rekruttirungs-Rathe versammelt und ihre Namen nach Ordnung der Liste abgelesen, um sich zu überzeugen, ob alle zur Loosung Gehörigen anwesend seyon. Es ist ihnen sofort Ruhe. Ordnung u. geziemender Anstand zu empfeh- len, u. ihnen jene gesetzlichen ReStimmungen, welche auf die bevor- stehende LIandlung Bezug nehmen, so wie jene Vorschriften, deren allgemeine Kenntniss den loosungspflichtigen Jünglingen von beson- derer Wichtigkeit ist, vorzutragen u. zu erklären. Dahin gehören ins- besondere die Erfordernisse zur Einstellung, zum Stimmentausche, die Bemerkung dass die folgenden Loosnummern für Abwesende, Zweifelhafte. Rekruten u. dgl. zu haften haben, die Entlassung des Nachmanns, wenn der Vormann gestellt würde, u.s.f. Hieraufist dann sämmtlich Aufgerufenen die Rekruttirungsliste vor- zulesen und wenn sich eine Irrung entdecken sollte, sie zu verbessern; sonstigen etwaigen Einwendungen aber gegen den gesetzlichen An- spruch des Rekruttirungsrathes oder gegen den Befund der Ärzte darf durchaus nicht Statt gegeben werden. Gleich nach geschehener Able- sung der Liste sind die gesetzlich Befreiten abtretten zu machen, die Loosungspflichtigen nochmals zu verlesen und mit ihnen die Loosung vorzunehmen. § 44 Die Loosung. welche in der grössten Ordnung, Würde und aller der Wichtigkeit des Geschäftes angemessenen Förmlichkeit und Unpar- teilichkeit in einem hiezu geeigneten Lokale vorzunehmen ist. muss auf folgende Art geschehen. Der Rekruttirungsrath lässt auf einem Tisch, welcher so gestellt sein muss, dass jeder Anwesende ohne besondere Mühe sehen kann, was auf selbem geschieht, und an wel- chem zunächst der Rekruttierungs-Rath Platz zu nehmen hat, zwei gläserne Urnen stellen. In die eine derselben werden sämtliche Namen der Loosenden in gleich grossen, gleichfarbigen, und ganz gleichförmig zusammen gerollten Zetteln. - in die andere auf gleiche Art eben so viele unterstrichene deutliche Namen, nachdem vorerst Namen u. Nummer laut abgelesen sind, einlegen. So wie fünf Zettel in die Urne gelegt sind, werden solche durcheinander gerüttelt. Sind auf solche Weise alle Namen u. Nummern in den Urnen, so zieht der Militär-Commandant aus der die Namen der Loosenden enthal- tenden Urne einen Zettel nach dem andern heraus, liest den Namen laut und deutlich ab, und sogleich nach jedem Zuge, und in der sich dadurch ergebenden Ordnung ziehen die auf den ihnen zu übergeben- den Zettel geschriebenen Loospflichtigen, ihre Eltern oder gesetzli- chen Vertretter aus der Urne die Loosnummer. Wie beim Einlegen, so hat auch bei dem Herausnehmen der Zettel das öftere Durcheinanderrütteln derselben Statt [zufindenj. § 45 Jeder Loosende oder dessen Slellvertretter darf die von ihm gezogene Zahl selbst lesen, überliefert sonach den Zettel dem Landvogte, wel- cher die Zahl laut abzulesen, die Nummer dem Aktuar zur sogleichen Eintragung in die betreffende Kolumne der Rekruttirungsliste zu über- geben hat; und gleich daraufliest dieser nachmals aus der Liste den eingetragenen Namen und Nummer des Gezogenen laut ab, und be- händiget ihm sodann die Nummer zurück. 
§ 46 Wenn gegen Erwarten von einem Loosenden zwei Zettel herausge- nommen würden, wesshalb vor dem Eröffnen jedes Zettels genau nachzusehen ist, so müssen beide Zettel sogleich wieder in das Glas gelegt werden, nach dessen Rüttlung sodann der Loosende einen neuen Zettel zu ziehen hat. § 47 Nach gezogenen sämmtlichen Loosen und gänzlicher Beendung des Loosungsgescbäfles ist die jedem Züger zugefallene Nummer aus der Rekruttirungsliste laut und deutlich vorzulesen, u. dass dieses gesche- hen, am Schlüsse der Liste ausdrücklich zu bemerken. Über den ganzen Loosungsakt ist von dem Landvogte oder in dessen Beisein von dem Aktuar ein Protokoll zu führen, worin jede bei der Loosung vorgehende Handlung, somit auch jeder bei der Loosung allenfalls sich ergebende Verstoss, und die Art, wie er verbessert wurde, getreu und umständlich aufzuführen ist. Dieses Protokoll so wie die Rekruttirungs-Liste hat der Rekruttirungsrath zu fertigen. § 48 Sind zwei oder mehrere Altersklassen zur Loosung zugezogen wor- den, so geschieht mit Hinweisung auf den § 6 die Ausscheidung des Kontingents der Art. dass in die nächsthöhere Altersklasse nur dann abgegangen werden darf, wenn aus der aufgerufenen jüngsten Klasse der Bedarf an Mannschaft nicht gedeckt würde. Wäre der Bedarf aus der jüngeren Klasse zu erhalten, so ist die höhere von der Aushebung enthoben, selbst wenn aus ihr sonst Jünglinge nach der gezogenen Loosnummer einzureihen wären. Diese werden bei Zureichung der frühern Altersklasse übergangen. § 49 Wäre ein loosungspflichtiger Jüngling aus was für einer Ursache in die Hauptloosung nicht eingezogen und nachträglich entdockt worden, so ist darum der I lauptloosungsakt nicht ungültig, sondern mit dem Übergangenen allein eine Nachloosung vorzunehmen. Die Nachloo- sung ist übrigens unter den nämlichen Förmlichkeiten und Vorschrif- ten, welche in der Hauptloosung angewendet worden, der Art vorzu- nehmen, dass die gleichen Namen u. gleiche Nummernzahl der Hauptloosung mit Zuschlag des Namens u. der weitern Nummer des Nachloosers in die Urnen kommen. Dieser hat nach jedem Namens- rufe die Nummer zu ziehen, bis sein Name selbst gezogen wird. Zieht er nun unmittelbar eine solche Nummer.welche ihn bei der Hauptloo- sung eingereiht hätte, so erhält hiedurch joner Mann seine Befreiung vom Militärdienste, welcher mit der höchsten Nummer assentirt wurde, u. nicht eingereiht worden wäre, wenn der in Folge der Nach- loosung dienstpflichtig gewordene Mann.bei der Hauptloosung ge- genwärtig gewesen wäre. Zieht der Nachlooser gleiche Nummer seines Kameraden, der die höchste Einreihungs-Nummer hatte, so loosen beide unter sich, wel- cher aus ihnen einzureihen sei. Das gezogene Nachloos wird dann gleicher Nummer-in der Loosungs- liste mit dem Buchstaben a vorgesetzt. 273
        

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