Summe konnte das Regierungsamt „noch zum Glück aufbringen".199 Nach Zahlung dieser weiteren Summe war das Land allerdings in einer finanziell trostlosen Lage. Menzinger versuchte, dies dem Fürsten in Wien klar zu machen. Er bat dringend um einen Geldvor- schuss, da es sich doch um „die im Felde stehende Mannschaft und die Ehre der Sache" handle.200 Die rettende Massnahme war aber seit dem 1. Au- gust bereits von Wien her unterwegs in der Form zweier Wechsel im Betrag von 3137 fl. 30 kr., die am 7. August in Vaduz anlangten.201 Dem Regie- rungsamt wurde bewilligt, die weitere Summe von 1362 fl. als Kredit aufzunehmen.202 Diese Notwen- digkeit war aber allem Anschein nach nicht mehr gegeben. Es ist denkbar, dass das restliche Geld vom Lande selbst mit erhobenen Steuern und Abga- ben eingebracht werden konnte.203 Wenn Menzinger glaubte, damit seien die uner- quicklichen und aufwendigen Auseinandersetzun- gen um die Geldfrage im Zusammenhang mit dem Ausmarsch nach Baden abgeschlossen, so hatte er sich gründlich getäuscht. Wie bei früheren gemein- samen militärischen Aktionen mit anderen Staaten ergaben sich auch diesmal langwierige Streitigkei- ten über die Frage, wer wieviel von den allgemei- nen Unkosten zu bezahlen, beziehungsweise an Forderungen zu stellen habe. Der eine „Kasus" ergab sich für Liechtenstein mit Preussen, an welches die beiden hohenzollerschen Fürstentümer am 7. Dezember 1849 durch Staats- vertrag übergegangen waren.204 Mit dem 15. De- zember 1849 begann eine sich über mehrere Jahre hinziehende Korrespondenz zwischen der könig- lich-preussischen Landesregierung zu Sigmaringen und dem Regierungsamt in Vaduz.205 Korrespon- denzthematik war die „Liquidation der Ansprüche an Liechtenstein aus den Ausmarschkosten nach Baden a 1849 etc."206 Das liechtensteinische Regierungsamt beschwerte sich darüber, dass die Landesregierung Sigmarin- gen aus der liechtensteinischen Kontingentskasse 600 fl. für die gemeinschaftlich gemachten Ausga- ben für das Bataillon verwendet habe.207 Die Regie-rung 
Sigmaringen habe dies beschlossen, ohne beim Regierungsamt in Vaduz nachzufragen. Des- halb verlangte Liechtenstein eine detaillierte Rech- nungslegung. Damit war der Grundstock für eine langdauernde und ausführliche Korrespondenz ge- legt. Nach liechtensteinischer Auffassung waren die berechneten Ausgaben zu hoch und z.T. für Char- gen verwendet worden, die unnötig oder für Liech- tenstein ohne Bedeutung waren. Preussen hingegen verteidigte seine Position und stellte Liechtenstein sogar noch eine Nachforderung von 135 Gulden für die Zeit von Mai bis Juli 1850.208 Dies wäre nach preussischer Version zusätzlich zur Summe der Ab- rechnung vom 30. April 1850 zu bezahlen gewesen, deren Forderung an Liechtenstein 463 fl. 17 kr. betrug.209 Zu verschiedenen Bemerkungen des Regierungs- amtes Vaduz nahm für die preussische Regierung ein Leutnant a. D. Stellung und belegte Ende 1853 die preussische Sichtweise mit einem 25seitigen Dokument.210 Der Vertreter Preussens konnte sich die spitze Bemerkung nicht verkneifen, dass das liechtensteinische Regierungsamt nicht unrecht habe, wenn es meine, dass Fehler vorlägen, nur liege „das Versehen auf seiner Seite".211 Das Regierungsamt Vaduz konnte zwar die Nach- forderung noch um 29 fl. 7 kr. verringern, der Rest aber musste bezahlt werden. Nach insgesamt sechsjährigem „Kampf der Buchhalter" wurde Ende 1856 versprochen, dass der Betrag „sogleich flüssig gemacht" werde.212 Die zweite Nachforde- rung Preussens aber wurde nicht akzeptiert, weil man in Vaduz der Ansicht war, dass der Zeitpunkt der Auflösung des hohenzollern-liechtensteinischen Bataillons nicht offiziell nachgewiesen sei.213 Der preussische Finanzminister - wahrscheinlich er- leichtert darüber, den grösseren Teil der Forderun- gen bezahlt zu bekommen - verzichtete am 29. Au- gust 1857214 auf weitere Ansprüche, womit „diese Angelegenheit nunmehr abgethan" war.215 Eine zweite „Front" in Sachen Geldentschädigung hatte Liechtenstein gegenüber dem Deutschen Bund eröffnet. Der frühere Bundestagsgesandte 252
        

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