ten.121 Die Soldaten könnten lediglich darauf beste- hen, dass die Menage ihnen gestattet werden müs- se.122 Der Beschwerdebrief des Franz Boss weist auf ver- schiedene subjektive Gefühlszustände der Liechten- steiner Soldaten hin: Erstens fühlten sie sich offen- sichtlich benachteiligt in der Frage der Verpfle- gung. Zweitens befürchteten sie, länger im Militär- dienst gehalten zu werden, als man ihnen verspro- chen hatte. Sie fühlten sich auch vom Oberamt in Vaduz insofern hintergangen, als dieses sich nicht an gegebene Abmachungen halte. Die von Schupp- ler in seiner Ansprache so rosig gemalten Zustände erwiesen sich in der Realität nun wohl doch als schwieriger und bedrückender denn erwartet. Zu einem direkten Kriegseinsatz des liechtensteini- schen Kontingents während des 1814er Feldzuges kam es nicht. Aus verschiedenen Bemerkungen in Briefen und Berichten kann erschlossen werden, dass dem Kontingent der blutige Kampf erspart blieb.123 So schrieb Fürst Johann I. am 27. April 1814 an Schmitz-Grollenburg: „Wenn ich nebstdem erwäge, dass mein Kontingent gar nicht vor den Feind gekommen",124 so könnte von den Aufstel- lungskösten wenigstens der Betrag von 644 Gulden für die nicht verwendete Munition wegfallen. Am 19. Mai 1814 übermittelte Schmitz-Grollenburg an den Kriegsrat und Oberkriegskommissar in Karls- ruhe125 den Wunsch des Fürsten, man hoffe, dass Baden die Waffen zurücknehmen werde, da das liechtensteinische Kontingent „die Residenz in Karlsruhe nicht verlassen habe".126 Ein Blick auf den Verlauf des Feldzuges von 1813/ 1814 zeigt, dass das achte deutsche Armeekorps seine Aufgabe in der zweiten Linie, das heisst im Hinterland, zugewiesen bekommen hatte (siehe Karte S. 21). Die Hauptarmee unter Fürst Schwar- zenberg war schon im Dezember 1813 durch die Schweiz nach Frankreich marschiert.127 Blücher hatte am 1. Januar 1814 den Rhein überschritten, im Februar und März 1814 hatten die Truppen der Alliierten und Napoleons sich mehrere Schlachten in Frankreich geliefert, am 30. März 1814 begann der Angriff auf Paris, einen Tag später zogen die 
Alliierten in Paris ein. Napoleon dankte am 6. April 1814 ab und am 30. Mai 1814 wurde der erste Pariser Friede geschlossen.128 Da das liechtensteinische Kontingent erst am 25. Februar 1814 ausrückte und bis zum 20. März 1814 nachweislich in Karlsruhe stationiert war, ist ein Einsatz nach der am gleichen Datum stattfin- denden entscheidenden Niederlage Napoleons bei Arcis-sur-Aube nicht mehr wahrscheinlich und auch aus den Akten nicht eruierbar. Von Vaduz und Wien aus bemühte man sich trotz- dem, die Truppen möglichst bald wieder in die Hei- mat zurückzubringen. Die Gründe dafür sind, dass dadurch einerseits bei der betroffenen Bevölkerung stimmungsmässig Erfolge zu erzielen waren; ande- rerseits entstanden wegen der durch längere Abwe- senheit wachsenden Kosten bei den Verantwortli- chen Sorgen, wie diese Auslagen beglichen werden könnten. So gab man bereits am 19. Mai 1814 der Hoffnung Ausdruck, dass wenigstens das Landwehrkontin- gent nach Hause entlassen werde.129 Allerdings musste Schmitz-Grollenburg berichten, „ohne den Befehl Sr. königlichen Hoheit des Grossherzogs [von Baden] könnte von der im Felde stehenden Landwehr ... kein Mann weder beurlaubt noch ent- lassen werden".130 Als Begründung wurde ange- 121) LLA RB, C2, 112 pol., Schmitz-Grollenburg an Landvogt, 15. Apr. 1814. 122) Ebenda. 123) Siehe Malin, S. 165. 124) LLA RB, C2, o. N., Wien, 27. Apr. 1814. 125) Ebenda, Heidelberg, 19. Mai 1814. 126) Ebenda. 127) Siehe dazu P. Kasser. An diesem Durchmarsch nahmen auch die beiden Feldmarschall-Leutnants Moritz (1775-1819) und Aloys (1780-1833) von Liechtenstein als Heerführer teil. Siehe Falke, Bd. 3, S. 354 ff.; Rud. Friedrich, 3. Bd., S. 18; P. Kasser, S. 38 ff. mit Kartenbeilage Nr. 1. 128) Siehe dazu Rud. Friedrich, Befreiungskriege, 3. Bd. 129) LLA RB, C2, o. N., Schmitz-Grollenburg an den Kriegsrat in Karlsruhe, Heidelberg, 19. Mai 1814. 130) Ebenda, Kriegsrat an Schmitz-Grollenburg, Karlsruhe, 28. Mai 1814. 20
        

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