Verhalten des Sergeanten Walser wurde auch im Bericht Major Werners an das Generalkommando des Neckarkorps lobend erwähnt.84 Das Gefecht hatte im Bataillon keine Gefallenen ge- fordert, es wurden aber insgesamt sechs seiner Sol- daten verwundet, davon bekanntlich zwei Liechten- steiner.85 Die Freischaren Hessen 20 bis 30 Tote zurück, zum Teil waren diese im Kampf gefallen, zum Teil waren sie standrechtlich erschossen wor- den.86 Weder Menzinger noch Rheinberger schei- nen von diesen Vorgängen etwas mitbekommen zu haben, in ihren Berichten wenigstens ist davon nichts erwähnt. Dem Bataillon wurde in Zeitungs- berichten sogar vorgeworfen, seine Truppen hätten in Oos „marodiert"87, also geplündert, ja es soll sogar zur Ermordung des Bürgermeisters durch Angehörige des Bataillons gekommen sein.88 Diese Vorwürfe wurden aber von den Verantwortli- chen mit der Erklärung zurückgewiesen, dass die Truppen im Ort nur nach Gewehren und Geschüt- zen gesucht hätten, nicht aber als Plünderer aufge- treten seien.89 Das Verhalten der Truppe des Bataillons insgesamt wurde vom Kommandanten in einer abschliessen- den Beurteilung „als zum erstenmal im Feuer ste- hend ... im Allgemeinen als gut bezeichnet".90 Nie- dermayr bemerkte weiter, der Geist gewinne täg- lich durch die entschieden gute Haltung der ver- schiedenen Truppen.91 Das Regierungsamt meldete dem Fürsten sogar, dass dem Scharfschützenzug „als einer erst neu zusammengesetzten und noch nie vor dem Feind gestandenen Truppe, die sich überall musterhaft auszeichnete, die volle Ehre des Tages" gebühre.92 Peter Rheinberger beurteilte das Gefecht mit etwas weniger überschwenglichen Worten. Er bemerkte nüchtern, vor allem mit Blick auf die sorglos-leicht- sinnige Führung durch v. Mornhofen: „Wir hätten recht leicht sehr unglücklich werden können."93 Das hohenzollern-liechtensteinische Bataillon zeig- te allerdings auf dem späteren Rückmarsch von Oos nach Baden „starke Spuren einer durch Ermüdung und Trunkenheit gelockerten Disziplin".94 Rhein- berger stellte lediglich fest, dass sie sich „Abends 9 
Uhr ... sehr ermattet nach Baden" zurückzogen.95 Die weitere Verwendung des Bataillons lässt aller- dings den Schluss zu, dass man es aus dem Umfeld der übrigen Truppen entfernen wollte. Es erschien den Verantwortlichen ratsam, wegen der „sich ver- breitenden Missstimmung . .. ihre [der Bataillons- mannschaft] Zurückverlegung nach Carlsruhe, be- ziehungsweise Heidelberg" anzuordnen.96 Das Bataillon wurde so nach Heidelberg versetzt und versah dort neben preussischen Truppen Be- satzungsdienste vom 4. Juli bis 28. August 1849. Währenddem stiessen die preussische Armee und das Neckarkorps weiter nach Südbaden bis Frei- burg vor und zwangen die Freischaren zur bedin- gungslosen Kapitulation. Nach der Übergabe der Festung Rastatt am 23. Juli 1849 war das Ende der dritten badischen Revolution gekommen. Eine blu- tige Verfolgung der Führer des badischen Aufstan- des setzte ein. „Vor allem die preussischen Stand- gerichte fällten zahlreiche Todesurteile, denen die Vollstreckung in vielen Fällen folgte."97 Auch in Heidelberg wurden Offiziere und Mannschaft des liechtensteinischen Kontingents von den Kriegsge- richten beigezogen.98 Etwa 80000 Menschen, mehr als ein Zwanzigstel der Bevölkerung, verliessen ihre badische Heimat.99 Die Teilnahme an der Niederwerfung des badi- schen Aufstandes hatte zwar in Liechtenstein Wi- derspruch hervorgerufen, vorwiegend wohl wegen Befürchtungen, das Kontingent könnte in aufrühre- rische Kreise und Einflüsse geraten. Diese Beden- ken waren nicht unberechtigt, wie die Berichte über die Stimmung im Bataillon zeigen. Bei den Liech- tensteiner Soldaten war aber nicht Widerstand aus politisch motivierter Überzeugung das Problem. Die Beweggründe für Opposition und Unzufriedenheit lagen in der schlechten Besoldung oder im Faktum der nicht funktionstüchtigen Waffen. Weder bei Menzinger noch bei Rheinberger sind Aussagen oder auch nur Andeutungen über irgendwelche Zweifel an der politischen Zielsetzung des Unter- nehmens vorhanden. Auch in den Briefen des Ser- geanten Walch kommt die gleiche unpolitische Denkweise zum Ausdruck.100 Walch war von Sig- maringen an als Quartiermacher eingesetzt und be- 242
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.