QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS MILITÄRKONTINGENT 1814 UND 1815 sehen Majors v. Leichsenring aus Vaduz ab.101 Der Marsch ging über Feldkirch - Bregenz - Überlingen - Stockach - Rottweil - Sulz am Neckar - Pforzheim nach Karlsruhe.102 Dies entspricht einer Marsch- route von etwa 320 km. (Siehe Karte S. 18) Am Ziel angekommen, wurde das liechtensteinische Kon- tingent den Regimentern des grossherzoglich-badi- schen Armeekorps zugeteilt. Unterwegs hatte Johann Anton Brunhart aus Bal- zers103 einen Unfall. Im württembergischen Sulz am Neckar fiel er unter die Räder eines Transport- wagens und brach sich einen Fuss. Brunhart muss- te in Sulz zurückgelassen werden, so dass nur 79 Mann in Karlsruhe anlangten.104 Einen weiteren Verlust erlitt das Kontingent durch den Tod von Alois Gassner aus Triesenberg,105 der laut Totenschein106 am 30. März 1814 im Militärla- zarett zu Ettlingen bei Karlsruhe an Nervenfieber starb. Zwei liechtensteinische Soldaten wurden in Karls- ruhe „mit Abschied" entlassen: Der Landwehrmann Johann Georg Lampert aus Triesenberg107 wurde bei der ärztlichen Untersuchung am 19. April 1814 wegen eines doppelten Hodenbruchs für untauglich befunden108 und Josef Beck aus Vaduz109 hatte beim Exerzieren einen „Leibschaden" erlitten.110 Somit betrug der Kontingentsstand noch 76 Mann. Wie sich die Liechtensteiner Soldaten in Karlsruhe fühlten, geht aus einem Brief hervor, den Franz Anton Boss111 am 20. März 1814 aus Karlsruhe nach Vaduz schrieb.112 Boss klagte über das sehr harte Leben und beschwerte sich, dass man sie „angeführt und betrogen"113 habe. Die Liechtenstei- ner Soldaten seien nun zusammengekommen, um sich über die schlechte Verpflegung zu beklagen. Da sie keine „Minasche" zu machen hätten, d.h. nicht die Möglichkeit geboten bekämen, sich selbst zu verpflegen, seien sie gezwungen, zur Verpflegung ins Wirtshaus zu gehen. Dafür reichten die sieben Kreuzer Sold täglich nicht aus und koste sie „dass Eigen Gelt alle Tage wan wir nicht den Geist aufge- ben wollen".114 Dazu würden sie „dennoch nur als Hund und verachtete Leute geheisen werden, die und diese Lichtensteiner".115 So erging nun die Bit-te 
an das Oberamt, es möge Hilfe gewähren „und uns nicht an den rücken Ligen lassen".116 Auch würden sie sich „sehr freuen, wan man uns halten thäte, was sie uns ihn der Kanzley versprochen haben".117 Im weiteren beschwerte sich Boss dar- über, man habe sie „nicht änderst als auf Acht Jahr wollen einschreiben",118 und er befürchtete auch, dass man sie nicht gehen lasse, wenn der Friede eintrete, wie sie „diesen ackord also getroffen" hät- ten.119 Der Brief schloss mit der Bitte: „So wün- schen wir, sie möchten uns dieses volziehen, was wir geschrieben haben .. . Nun Adye so Leben Wohl."120 Die Beschwerde wurde über den Gesandten Schmitz-Grollenburg an den badischen Kriegsmini- sterialdirektor weitergeleitet. Jedoch bemerkte Schmitz-Grollenburg, dass die Entlohnung von sie- ben Kreuzern täglich dem Friedenssold entspreche, die Leute sich also nicht darüber beschweren könn- 101) Ebenda. 102) Ebenda. 103) Siehe oben Anm. 100, Nr. 5 „Landwehr". 104) LLA RB, C2, o. N., OA an HKW, 5. Aug. 1814. 105) Siehe oben Anm. 100, Nr. 15, „Linientruppen". 106) LLA RB, C2, Militärkontingent 1814. 107) Siehe oben Anm. 100, Nr. 19, „Landwehr". 108) LLA RB, C2, o. N., OA an HKW, 5. Aug. 1814. 109) Siehe oben Anm. 100, Nr. 24, „Linientruppen". 110) Siehe oben Anm. 108. 111) Siehe oben Anm. 100, Nr. 14, „Linientruppen". 112) LLA RB, C2, o. N., 20. März 1814. 113) Ebenda. 114) Ebenda. 115) Ebenda. 116) Ebenda. 117) Ebenda. 118) Ebenda. 119) Ebenda. 120) Ebenda. 19
        

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