Um den allgemeinen Zustand der Bundestruppen zu prüfen, wurden Inspektionen angeordnet. Das liechtensteinische Kontingent wurde wiederum von Oberst v. Hayn inspiziert, der vom 2. bis 5. April 1849 in Vaduz weilte.132 Der Inspektionsbericht v. Hayns kritisierte vor allem, dass sich der Mangel einer dauernden Prüfung und des Unterrichts „mehr als fühlbar" mache.153 Insgesamt wurde der Zustand der Waffen bemängelt und der Umstand, dass 
2/3 des aktiven Kontingents aus noch nicht einexerzierten Rekruten bestehe, gerügt.154 Solan- ge diese Missstände nicht beseitigt würden, sei das Kontingent nicht als marschfertig zu betrach- ten, lautete die zusammenfassende Aussage v. Hayns.155 Zwischen Menzinger und v. Hayn ent- stand ein Disput um die Frage, ob die ausdienenden 15 Mann des aktiven Korps in die Reserve übertre- ten dürften oder nicht. Menzinger, der befürchtete, ein weiteres Zurückhalten der Mannschaft, die ihre vorschriftsmässige Dienstzeit im aktiven Korps hin- ter sich gebracht hatte, würde „einen nicht kleinen Missmuth im allgemeinen erregen, was schon für sich betrachtet, wenn möglich vermieden werden sollte".156 v. Hayn seinerseits war der Ansicht, dass die Einbeziehung von 15 bereits ausgebildeten Schützen für das Kontingent insgesamt sehr vorteil- haft wäre. Er hielt dem Landesverweser vor, dass deren Einberufung „des erforderlichen Nachdruk- kes" ermangle.157 Allerdings gestand v. Hayn ein, dass ihre Einberufung bei „den eigenthümlichen Zuständen und Verhältnissen des Landes ... äus- serst schwierig und wie sich die Landesbehörde hierüber ausspricht, bei der dermaligen Volksstim- mung nicht rathsam" sei.158 Und überhaupt, äus- serte v. Hayn resigniert gegen sein eigenes Argu- mentieren, seien „die sogenannten geübten Leuthe nicht viel besser als die unexercirten Rekruten".159 Diese Feststellung bestätigte auch Menzinger, der dieses nicht sehr schmeichelhafte Resultat damit begründete, dass die ältere Mannschaft mehr als ein Jahr nicht mehr einberufen worden sei und deshalb „nicht sehr viel mehr vor Rekruten voraus- haben werde".160 v. Hayn aber, der sich gegenüber dem Reichskriegsministerium absichern wollte, 
verlangte von Menzinger eine schriftliche Erklä- rung, was seit Dezember 1848, also seit der letzten Inspektion, „in Betreff der Aufstellung, Ausrüstung etc. des auf 2 % zu erhöhenden Kontingents bis jetzt geschehen" sei.161 Der Oberst stellt sich dabei auf den offiziellen Standpunkt, dass das zum Aus- marsch bestimmte Kontingent, d.h. die 55 Mann, nur aus einer geübten Mannschaft bestehen dürfe. Nach dem Abmarsch desselben war nach seiner Auffassung sogleich mit der Ergänzung und Ausbil- dung der restlichen Mannschaft zu beginnen.162 Die noch am gleichen Tag erfolgte Antwort des Regie- rungsamtes bringt zum Ausdruck, dass Menzinger nicht gewillt war, in dieser Frage ohne weiteres nachzugeben.163 Es betonte einerseits den guten Willen des Landes und der Regierung, wenn er dar- auf hinwies, dass die verlangten 140 Mann durch das Los ausgehoben worden seien.164 Andererseits versuchte er Zeit zu gewinnen, indem er bemerkte, wegen der anzuschaffenden Gewehre habe der Fürst noch keinen Entscheid gefällt.165 Wegen der Forderung von Hayns, dass nur eingeübte Leute zum Kontingent gestellt werden dürften, meinte Menzinger, dass dies den Nachteil aufweise, dass dann sowohl das aktive Korps als auch die Reserve zu einem guten Teil aus Rekruten bestehen wür- de.166 Was, so Menzinger, „den Übelstand mehr zu vergrössern als zu mindern" scheine.167 Gegenüber dem Bundestagsgesandten v. Holzhau- sen wurde Menzinger etwas offener. Er wies darauf hin, dass das Mögliche getan werde, um die Mann- schaft von 55 Mann marschfertig zu machen.168 Der Landesverweser betonte jedoch, dass „auch bei dem besten Willen und Streben dasselbe vor zwey Monathen nicht dahin zu bringen seyn werde, dass man sagen könnte: das Corps stehe ganz schlagfer- tig da".169 Als Grund führte er die Ereignisse des Vorjahres und die fehlenden Führungsleute an. Die Information zuhanden des Bundestagsgesandten war von Seiten Menzingers wohl als Warnung ge- dacht vor eventuellen Fragen vom Kriegsministe- rium als Reaktion auf den Inspektionsbericht v. Hayns. Menzinger hatte die allgemeine Lage realistisch eingeschätzt, liess doch das Reichsministerium des 230
        

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