QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 REVOLUTION UND REORGANISATION tige Kontingent vorher einzuberufen, damit die Mannschaft „in ihren militärischen Funktionen wieder einige Gewandtheit" erlange.140 Das Regierungsamt geriet durch die Ankündigung der Inspektion insofern in Verlegenheit, als es sich wegen der fehlenden Offiziere und Unteroffiziere nicht in der Lage sah, „die Abrichtung der Rekruten beginnen zu können".141 Es verlangte deshalb vom Bataillonskommando in Sigmaringen, dass unver- züglich ein Offizier und zwei Unteroffiziere nach Vaduz beordert würden, um diese Ausbildungsauf- gabe zu übernehmen. Die Rekrutierung war vom Regierungsamt auf den 26. März 1849 festgesetzt worden und es hoffte, dass „die Organisierung dann keinen weiteren Aufschüben mehr ausge- setzt" sein werde.142 Das Regierungsamt drängte auch deshalb, weil Fürst Alois II. befohlen hatte, das Nötige zu unternehmen, „um wenigstens nicht renitent, vielmehr die Folgegebung vorbereitend, zu erscheinen".143 Das Bataillonskommando reagierte auch prompt, und am 26. März 1849 trafen die beiden Sergean- ten Wiest und Maichle in Vaduz ein.144 Da Falken- hausen, den Menzinger überdies für eine solche Aufgabe nicht als den geeignetesten ansah, er- krankt war,145 wurde auch ein Offizier vom Batail- lon nach Vaduz beordert. Der dafür bestimmte Hauptmann Echter kam am 30. März 1849 in Va- duz an146 und leitete sogleich die Einberufung und „Abrichtung" der Mannschaft in die Wege.147 Es wurde aber durch fürstlichen Beschluss festgelegt, dass die Stärke der mobil zu machenden Truppe auf 55 Mann zu begrenzen sei und vorderhand „nur wegen dieser das dringendste zu veranlasst" wer- de.148 Die Ernsthaftigkeit der Mobilmachung wurde durch die Aufforderung des Reichskriegsministeriums an den liechtensteinischen Bundestagsgesandten be- tont. Diesem wurde bedeutet, dass das liechtenstei- nische Kontingent in volle Bereitschaft zu versetzen sei, um ohne Aufschub einer Aufforderung zum Ausmarsch Folge leisten zu können.149 Die Wahr- scheinlichkeit eines Ausmarsches war durch die Entwicklung der schleswig-holsteinischen Frage in-folge 
der Kündigung des Waffenstillstandes von Malmö durch Dänemark am 26. März 1849 ent- standen.150 Der am 3. April 1849 wieder entflamm- te deutsch-dänische Krieg führte zu einem Einsatz der deutschen Reichstruppen, was eben auch das Mobilmachungsaufgebot für das liechtensteinische Kontingent zur Folge hatte.151 124) Ebenda, F2, ad 669, RAV an Bat.-Kommando, 2. Febr. 1849. 125) Ebenda. 126) Ebenda. Siehe auch HKW S 307, Nr. 11724, v. Holzhausen an Fürst, 10. Nov. 1848: v. Holzhausen hatte den Fürsten bereits an diesem Datum darüber informiert, dass die Roichsversammlung in der 129. Sitzung beschlossen habe, diejenigen Staaten, deren Kontin- gent weniger als 6000 Mann stellten, mussten in bezug auf das Heer- wesen ihre Selbständigkeit aufgeben. Holzhausen sah den Anschluss an Österreich als das Nächstliegende an. 127) Ebenda, o. Nr., v. Hayn an RAV, 16. Febr. 1849. 128) Ebenda, ad 87, RAV an v. Hayn, 23. Febr. 1849. 129) Ebenda. 130) Ebenda, o. Nr., RAV an Ortsgerichte, 20. Febr. 1849. 131) Ebenda, Nr. 120, RAV an Fürst, 31. März 1849. 132) Ebenda. 133) Ebenda. 134) Ebenda. 135) Siehe oben S. 92. 136) Siehe oben Anm. 131. 137) LLA RC 27, F2, ad 120, RAV an Fürst, 31. März 1849. 138) Ebenda. 139) Ebenda, Nr. 114, v. Hayn an RAV, 9. März 1849. 140) Ebenda. 141) Ebenda, ad 114, RAV an Bat.-Kommando, 18. März 1849. 142) Ebenda. 143) Ebenda, Nr. 3103. HKW an RAV, Beschluss des Fürsten. 14. März 1849. 144) Siehe oben Anm. 137; siehe auch Menzinger, S. 44. 145) Siehe oben Anm. 137. 146) Ebenda. 147) Ebenda. 148) Ebenda, Nr. 4001, HKW an RAV, 31. März 1849. 149) Ebenda. 150) Siehe dazu Huber II, S. 904f; Geiger, S. 165 ff. 151) Siehe ebenda. 229
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.