QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 REVOLUTION UND REORGANISATION dass anstatt der im Dezember 1848 geforderten 20 Unteroffiziere nur noch deren 11 zustellen seien.115 Somit blieb es für Liechtenstein wieder bei der Ver- pflichtung, 140 Mann ausheben zu müssen. Von spürbarer Ungeduld erfasst, schrieb Menzinger am 2. Februar 1849 an den Fürsten, er könne jetzt die nötigen Schritte unternehmen, da er nun endlich wisse, woran er sei.116 Die ganze Unzufriedenheit Menzingers über die er- höhte Forderung an Truppen kam aber in seiner kommentierenden Stellungnahme dazu zum Aus- druck.117 Er betonte, dass das Nachgeben der Na- tionalversammlung nicht als eine besondere Be- günstigung anzusehen sei, da für Liechtenstein die verlangte Stellung von 140 Mann immer noch eine überdimensionierte Forderung darstelle. Menzin- ger argumentierte, wenn man vom Land gleichviel fordere wie von anderen Staaten Deutschlands, so musste man Liechtenstein auch eine Gleichstellung in seinen übrigen Verhältnissen zu Deutschland zu- gestehen, was aber bisher „noch immer nicht in Erwägung gezogen" werde.118 Er spielte damit auf die wirtschaftliche Isolation Liechtensteins an, wo- durch das Land von allen Vorteilen ausgeschlossen sei, die „Deutschland durch seinen Verein" genies- se.119 Menzinger war sich dieser Aussage nach si- cher, dass ein Beitritt Liechtensteins zum „Deut- schen Zollverein", der seit 1833 unter der Führung Preussens die meisten deutschen Staaten mit Aus- nahme Österreichs zusammenschloss, seine wirt- schaftlichen Probleme grösstenteils beheben wür- de.120 In der jetzigen Lage aber, so äusserte Men- zinger, werde von Liechtenstein nur rücksichtslos gefordert, „als wäre es darauf abgesehen, das klei- ne Land zu erdrüken".121 Der Landesverweser war überzeugt, dass Liechtenstein in der gegebenen Lage „ebensowenig 140 Schützen als 200 Musketie- re erhalten" könne. Menzinger versprach zwar, das Möglichste zu tun, bat aber gleichzeitig den Fürsten um Unterstützung bei den vorgebrachten Einwän- den gegen die Forderung von Seiten der National- versammlung. Der Fürst, der „von jeher stets väter- lich für das Beste des Landes besorgt" gewesen sei, wurde um Hilfe gebeten, wenn das Volk „sich auch 
in den allgemeinen Wirren nicht so benommen [habe], wie es sich hätte benehmen sollen".122 „Zu- dem", so versicherte Menzinger, „ist es immer noch ein grosser Theil, dem die Treibereien zuwider wa- ren und noch sind."123 Trotz all der Einwände und trotz aller widerwärti- ger Umstände musste Menzinger wohl oder übel die Aushebung der 140 Mann ins Auge fassen. Da von 98) Hbenda. F2, o. Nr., Reichsministerium des Krieges an v. Hayn, 16. Dez. 1848. 99) Siehe oben S. 49 ff. 100) Siehe oben Anm. 98. 101) Ebenda, F2, Nr. 697, v. Hayn an RAV, 26. Dez. 1848. 102) Ebenda. 103) Ebenda. 104) Ebenda, ad 697, RAV an v. Hayn 17. Jan. 1849. 105) Ebenda. 106) Ebenda. 107) Ebenda. 108) Siehe Geiger, S. 142. 109) Siehe oben Anm. 70. 110) Ebenda, E2, o. Nr. Schädler an Menzinger, 2. Febr. 1849; siehe auch Geiger, S. 142. 111) Ebenda, Schädler an Menzinger. Holzhausen vertrat vom 8. Aug. 1848 bis Dezember 1849 als Bevollmächtigter bei der provisorischen Zentralgewalt neben Liechtenstein beide Hohenzollern, beide Reuss. Hessen-Homburg und kurzfristig Waldeck. Siehe Quaderer, S. 213, Anm. 101. 112) LLA RC 27, F2, Nr. 63, v. Hayn an RAV, 31. Jan 1849. 113) Ebenda, ad 63 / p. 849, Reichskriegsministerium an v. Hayn, 25. Jan. 1849. 114) Ebenda. 115) Siehe oben Anm. 112. 116) Siehe oben Anm. 70. 117) Ebenda; die folgende Argumentation Menzingers stammt aus diesem Bericht. 118) Ebenda. 119) Ebenda. 120) Siehe dazu Geiger, S. 187 ff. 121) Siehe oben Anm. 70. 122) Ebenda. 123) Ebenda. 227
        

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