QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 REVOLUTION UND REORGANISATION Ruhe erfasst - meinte, der Unterricht ausserhalb der Kaserne könnte leicht zu Störungen Anlass ge- ben und „von den noch immer auf Gelegenheiten wartenden Feinden der Ordnung bei der gefährli- chen geographischen Lage des Landes leicht be- nützt werden".53 Wozu die „Feinde der Ordnung" die Gelegenheit eventuell zu benützen trachteten, sagte Alois II. nicht. Es ist aber zu bedenken, dass zu dieser Zeit in der Frankfurter Nationalversamm- lung die Mediatisierung der Kleinstaaten ernsthaft erwogen und auch die Verwirklichung der republi- kanischen Vorstellungen gefordert wurde.54 Fürst Alois II. sah deshalb die Ausbildung für die 70 neu Einberufenen so organisiert, dass jeweils 14 Rekruten gruppenweise für je zwei Wochen in die Kaserne nach Vaduz einberufen und dort wie bis- her üblich einexerziert würden.55 Bei diesem Vor- gang hätte nach 10 Wochen jeder der 70 Rekruten einen 14tägigen Ausbildungsgang mitgemacht. Wenn im Januar 1849 damit begonnen worden wäre, so hätte anfangs April mit einer Einberufung des ganzen Kontingents für 8 bis 10 Tage die Ge- samtausbildung abgeschlossen werden können. Diese Variante verursachte zwar mehr Kosten als die von Niedermayr vorgeschlagene, Fürst Alois II. sah jedoch in seinem Vorschlag den entscheiden- den Vorteil, dass bei den gegebenen Umständen die Truppen in der Kaserne konzentriert zusammenge- fasst werden konnten. Die zahlenmässige Erhöhung der Truppen brachte aber nicht nur organisatorische Probleme, sondern zog auch eine neue Einteilung des Kontingentes in- nerhalb des Bataillons nach sich. Durch das An- wachsen auf 110 Mann Linientruppen bildete das Kontingent nun anstatt einer halben eine ganze Scharfschützenkompagnie, die auch ein erweitertes Kader verlangte. Die Chargen dieser Kompagnie hätten gemäss der Vorstellung Niedermayrs aus drei Offizieren, nämlich einem Hauptmann, einem Oberleutnant und einem Leutnant sowie 13 Unter- offizieren bestehen müssen.56 Niedermayr wusste, dass seine Vorstellungen kaum Gehör finden wür- den, weshalb er auch beantragte, vorläufig nur zwei Offiziere einzustellen, dafür aber Kadetten zur 
Ausbildung nach Sigmaringen zu beordern.57 Nie- dermayr waren bei dieser Gelegenheit die Kadetten Menzinger und Rheinberger vorgestellt worden, „die sich ihm sehr vorteilhaft präsentierten".58 Die Antwort Fürst Alois II. zeigte, dass Niedermayr die Situation richtig eingeschätzt hatte. Für das liechtensteinische Kontingent wurden zwei Offizie- re bewilligt, von denen der eine aber nur während der elf Wochen der Einberufung als Unterleutnant in Vaduz eingesetzt worden wäre.59 Die restliche Zeit wäre er als Stabsoffizier beim Bataillon in Sig- maringen eingesetzt gewesen. Für die Ausbildung der Kadetten hingegen zeigte Fürst Alois II. Ver- 35) Ebenda. 36) Ebenda, Nr. 549, Landesverweser an Fürst, 30. Okt. 1848. 37) Ebenda, F2, Nr. 922, Niedermayr an HKW, 17. Okt. 1848. 38) Ebenda. 39) Ebenda. 40) Ebenda. 41) Ebenda. 42) Ebenda. 43) Ebenda. 44) Ebenda. 45) Ebenda. 46) Ebenda. 47) Ebenda. 48) Ebenda. 49) Ebenda. 50) Ebenda. 51) Ebenda. 52) Ebenda. Fl, Nr. 549, Landesverweser an Fürst, 30. Okt. 1848. 53) Ebenda, F2, Nr. 922, Marginalien Alois' II. zum Bericht Nieder- mayrs (siehe oben Anm. 37). 54) Siehe Geiger, S. 128 ff. 55) Siehe oben Anm. 53. 56) Siehe oben Anm. 37. 57) Ebenda. 58) Ebenda. 59) Ebenda. 221
        

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