nicht wenigen Misskredit",35 berichtete Menzinger klagend nach Wien. Über diese finanziellen Verhältnissen wurde Nie- dermayr, der sich am 12. September 1848 für einen Tag nach Vaduz begeben hatte,36 durch Menzinger sicherlich instruiert. Dies würde erklären, warum Niedermayr in seinem Bericht über die zu treffen- den Massnahmen betonte, dass durch seine Vor- schläge über dreitausend Gulden eingespart und trotzdem die Bestimmungen des Reichskriegsmini- steriums befolgt werden könnten.37 Niedermayr ging davon aus, dass aufgrund der letz- ten Volkszählung von 1837 die Bevölkerungszahl Liechtensteins 7297 Seelen betrage, folglich nach dem vorgeschriebenen Ansatz von 2 % für das Kon- tingent 146 Mann zu stellen seien.38 Dies bedeutete gegenüber der bisherigen Verpflichtung eine zah- lenmässige Erhöhung um 54 Mann, also im Umfang der bisherigen Linientruppe. Nach § 5 der Vor- schriften waren für die 
Linie 1V2% und für die Reserve V2% der Ausgehobenen bestimmt.39 Dies bedeutete, dass 110 Mann Linientruppen und 36 Mann Reservetruppen das reorganisierte Kontin- gent hätten bilden müssen. Da von der 1848 beste- henden Truppe infolge des altersmässig bedingten Überganges zur Reserve nur noch 40 Mann in der Linie blieben, wären zur Ergänzung der aktiven Truppe 70 Mann neu auszuheben gewesen. Dies hätte eine empfindliche Mehrbelastung für die Be- völkerung und ausserdem ein Zurückgreifen auf frühere Jahrgänge bedeutet.40 Um den Forderungen einen Teil ihrer Schärfe wie- der zu nehmen und gleichzeitig die Ausgaben zu vermindern, sah Niedermayr vor, die Rekruten zur Ausbildung nicht mehr in die Kaserne nach Vaduz einzuberufen, sondern den elementaren Unterricht in den einzelnen Ortschaften durch Unteroffiziere erteilen zu lassen.41 Da das Kontingent nach der neuen Zusammensetzung sieben Unteroffiziere be- kommen sollte, schlug Niedermayr vor, das Land in sieben Exerzierrayons einzuteilen, die ihrerseits wieder in zwei Hauptrayons zusammengefasst würden.42 Die Einteilung war nach Niedermayrs Vorstellungen so vorzunehmen, dass dem Haupt- rayon I die Gemeinden Balzers, Triesenberg, 
Schaan und Vaduz zugeteilt worden wären.43 Die Gemeinden Eschen, Mauren, Gamprin oder Schel- lenberg hätten den Rayon II gebildet.44 In Vaduz und Eschen hätte eine sogenannte Hauptstation be- standen, wo sich die Offiziere aufgehalten hätten.45 Die Rekrutenausbildung wäre nach diesem Plan vom 2. Januar 1849 an so abgelaufen, dass die Rekruten täglich von 16 bis 18 Uhr sich in den bezeichneten Ortschaften zum Exerzieren einge- funden hätten.46 Im Winter wäre vorerst nur mit dem Elementarunterricht „stehenden Fusses" be- gonnen worden, wozu „im Hinblick der üblen Jah- reszeit ... eine grosse Stube [hätte] benüzt werden" können.47 An Sonn- und Feiertagen, so sah es Nie- dermayrs Plan vor, hätten sich die Unteroffiziere des Nachmittags mit ihren Abteilungen in die Hauptstationen begeben, um dort das Exerzieren in grösseren Abteilungen zu üben.48 Zusätzlich war für später und bei besserer Witterung vorgesehen, dass die Mannschaft in Vaduz „an ein paar Sonnta- gen im Ganzen exercirt [hätte], welches für die pri- mitive Ausbildung" genügt hätte.49 Im Frühjahr, z. B. im April und Mai, hätte die ge- samte junge Mannschaft für 10 Tage in die Kaserne einberufen werden müssen, um in den taktischen Fächern, dem Felddienst usw. ausgebildet zu wer- den. Die ältere Mannschaft, die bereits eine Ausbil- dung mitgemacht hatte, wäre nur die letzten drei Tage zu dieser Gesamtübung einberufen worden.50 Niedermayr sah in dieser Form der Ausbildung zwei Vorteile. Zum einen wären die „arbeitenden Hände dem heimathlichen Heerde nicht" entwen- det, zum andern die Kosten verringert worden, da nur den Offizieren und Unteroffizieren eine kleine Zulage hätte bezahlt werden müssen.51 Ausserdem hätte die Einschränkung der Kasernierung auf le- diglich zehn Tage ebenfalls wesentlich zur Kosten- verminderung beigetragen. Dieser kostensparende Vorschlag Niedermayrs, mit dem sich auch der Landesverweser „vollkommen einverstanden" erklärte,52 stiess beim Fürsten aber auf keine Gegenliebe. Alois - noch immer von ei- nem gewissen Misstrauen gegen die herrschende 220
        

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