QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 SPIELLEUTE, UNTEROFFIZIERE UND OFFIZIERE badischen Ausmarsch das Kommando über die liechtensteinische Truppe bei. v. Falkenhausen führte das liechtensteinische Kontingent aber am 11. September 1849 bei seiner Rückkehr in die Hei- mat wieder an.247 Wie eine Aussage Menzingers aus dem Jahr 1852 bestätigte, erfüllte v. Falkenhausen seine dienstli- chen Verpflichtungen zufriedenstellend und die „Abrichtung der Mannschaft [entspreche] dem re- gen Diensteifer".248 Der Landvogt war aufgrund dieses Verhaltens v. Falkenhausens der Ansicht, dieser verdiene die Beförderung in den Haupt- mannsrang.249 v. Falkenhausen, der die Wintermonate laut den vorliegenden Urlaubsgesuchen meistens in seiner Heimat in Wald verbrachte, geriet jedoch immer stärker in eine fatale Verschuldungskrise, die sich auf seine Beförderung nachteilig auswirkte. So kamen vom Sigmaringer Oberamt bedrohliche Meldungen wegen seiner Schulden. Es wurde die „criminelle Untersuchung gegen ihn wegen betrü- gerischen Schuldenmachen" angekündigt.250 Nicht zu Unrecht heisst es im Schreiben des Oberamtes aus Sigmaringen, dass eine solche Massnahme ei- nem „Herrn mit Portepe und Schärpe doch nicht so ganz einerley sein dürfte und für seine künftige Carrier etwas Nachtheiliges für ihn haben möch- te".251 Menzinger ermahnte den Kommandanten, seine Schulden zu begleichen, aber vergebens. Im Gegenteil, es traten weitere Forderungen auf, und 1854 musste Menzinger an die Hofkanzlei in Wien berichten, dass v. Falkenhausen „in der Wahl sei- ner Gesellschaft seine Stellung seit neuerer Zeit nicht gehörig [wahre], sich hie und da im Trünke etwas [versehe], nicht ungern Schulden contra- hier[e], und sich dann, wenn sie bezahlt werden sollten, bis zur Unempfindlichkeit mahnen" las- se.252 Menzinger relativierte jedoch seine Aussage gleich darauf mit dem Hinweis, dass v. Falkenhau- sen sich keineswegs „indecent aufführe und keines- wegs ein Trinker" sei. Das Sprichwort „honores mutant mores" (Ehren verändern die Sitten), so glaubte Menzinger, könnte bei der Ehrliebe v. Fal- kenhausens eine Beförderung zum Hauptmann als richtig erscheinen lassen.253 
Wie die weitere Entwicklung zeigte, waren die Ar- gumente Menzingers nicht so überzeugend, dass Fürst Alois die Beförderung v. Falkenhausens des- wegen vorgenommen hätte. Inzwischen hatte sich v. Falkenhausen während ei- nes verlängerten Urlaubes am 8. November 1854 mit Eva Barbara Heubek aus der Silbermühle bei Ansbach verheiratet.254 Es scheint allerdings, we- nigstens von Seiten des Bräutigams, keine Liebes- heirat gewesen zu sein, schrieb er doch anlässlich seines Gesuches um Urlaubsverlängerung wegen seiner Verheiratung an das Oberamt: allein meine Verehligungs-Angelegenheiten machen mir so viel zu rennen und zu laufen, dass wenn ich 230) Ebenda, Nr. 7972, Beschluss des Fürsten, 26. Juli 1847. 231) Ebenda, Fl, Nr. 7725, Marginalien, 14. Juli 1852. Zu den 1848er Ereignissen siehe unten S. 219 ff. 232) Ebenda, Fl, Diverse Schreiben Falkenhausens. 233) Ebenda, ad 359, RAV an Falkenhausen, 12. Sept. 1848. 234) Ebenda. 235) Siehe oben Anm. 231, Brief Falkenhausens aus Wald, 22. Sept. 1848. 236) Ebenda, Nr. 10830, HKW an RAV, 7. Dez. 1848. 2371 Siehe oben Anm. 231, Brief Falkenhausens an RAV, 1. Jan. 1849. 238) Ebenda. 239) Ebenda, Nr. 5756, Kanzlei Sigmaringen an RAV, 8. Nov. 1848. 240) Ebenda. Antwort OA an Sigmaringen, o. D. 241) Siehe oben Anm. 231. Brief Falkenhausens an RAV, 5. Aug. 1848. 242) Ebenda. 243) LLA RC 27, Dl. o. Nr., RAV an Bat.-Präsidium, 8. Febr. 1849. 244) Ebenda, Fl, Folio 11, HB Nr. 2, Rechnung vom 6. Febr. 1849. 245) Ebenda, Nr. 7725. HKW an RAV, 14. Juli 1852 (Marginalien). 246) Ebenda, F2, Nr. 4351. HKW an RAV, 12. April 1849. 247) Ebenda, ad 424, RAV an Fürst, 11. Sept. 1849. Siehe auch Menzinger, S. 44 ff. 248) Ebenda, Fl, Nr. 348, RAV an Fürst, 20. Aug. 1852. 249) Ebenda. 250) Ebenda, Nr. 2, Kanzlei Sigmaringen an RAV, 10. Febr. 1852. 251) Ebenda. 252) Ebenda, ad 348, RAV an HALW 23. Jan. 1854. 253) Ebenda. 254) Ebenda, o. Nr. Trauungsattest, 14. Nov. 1854. 205
        

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