QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 SPIELLEUTE, UNTEROFFIZIERE UND OFFIZIERE schwierigen Umstände, unter denen er als Kontin- gentskommandant seine Aufgabe wahrnehmen musste. Er scheiterte - wenn man sein Abtreten von der liechtensteinischen Szene so nennen will - nicht wegen Unvermögen in fachlicher Hinsicht, sondern wegen persönlichen Schwächen, die er nicht zu meistern wusste. Seine ständigen Geldsorgen machten ihn der Umwelt, in der er lebte, verdäch- tig, wobei Misstrauen und ein Neidgefühl gegen den Ausländer und das Fremde mitgespielt haben mögen. Ihm selbst war auch eine gewisse Überheb- lichkeit zu eigen, mit der vielleicht nur innere Unsi- cherheit verdeckt wurde, die aber den bestehenden Unwillen ihm gegenüber mit hervorgerufen haben mag. Dazu kam, dass er mit 25 Jahren als ehemali- ger „gelernter" Feldwebel doch recht jung einen verantwortungsvollen Posten übernehmen musste. Dabei liess ihn seine aufbrausende und arrogant wirkende Art das nötige diplomatische Verhalten im Umgang mit seiner Umgebung manchmal ver- gessen. Diese Seite seines Verhaltens ist aber eher „aus jugendlichem, nicht aus unverbesserlichem Leichtsinn" zu erklären.221 LUDWIG VON FALKENHAUSEN, OBERLEUTNANT „Über den Bericht der Militärkommission in der 27. Sitzung der Bundesversammlung vom 31. Juli 1845 geruhten Seine Durchlaucht zu entschliessen", die unverzügliche Aufstellung eines zweiten Offiziers mitzuteilen.222 Mit dieser trockenen amtsdeutschen Bekanntmachung wurde die wichtige Entscheidung über die Anstellung des zweiten Offiziers dem Ober- amt in Vaduz bekannt gemacht und gleichzeitig be- gründet. Mit Ludwig v. Falkenhausen wurde wieder ein Ba- yer eingestellt. Er war geboren am 9. September 1816 in Wald (Mittelfranken) als Sohn von Ritter- gutsbesitzern; er war ohne Gewerbe oder Studium, ledig und Protestant.223 Von 1834 bis 1842 hatte er in zwei bayerischen Kavallerie-Regimentern als Ka- dett und Korporal gedient und dann seinen Ab-schied 
genommen, ohne Feldzüge mitgemacht zu haben.224 v. Falkenhausen wurde als Unterleutnant für 450 Gulden Jahresgehalt, das nach einem Jahr auf 500 erhöht werden sollte, eingestellt und ver- pflichtet, die liechtensteinische Uniform zu tra- gen.225 Die erste Zeit nach seiner Anstellung hielt sich v. Falkenhausen grösstenteils beim Bataillons- stab in Sigmaringen auf, wohin auch die Gehalts- zahlungen von Vaduz aus gingen.226 Bis zum Antritt der Nachfolge Blaudeks weilte v. Falkenhausen also nur temporär in Vaduz, wo er gegen „billige Vergü- tung auf Staatskosten" einquartiert wurde.227 Eine der ersten Aktionen v. Falkenhausens nach seiner Ankunft in Vaduz war es - Geld zu verlan- gen, und zwar bat er um einen Vorschuss von 300 Gulden.228 Er begründete seine Anliegen mit der „hierlands ... ungewöhnlichen J'heuerung des Le- bensunterhalts in jeder Beziehung".229 Die Bitte 209) Ebenda. 210) Ebenda. 2111 Ebenda. 212) Ebenda. 213) Ebenda. 214) Ebenda, o. Nr., OA an HALW 14. März 1848. 215) STAS NVA II. 7115. RAV an Bat.-Kommando 17. Mai 1848 216) Ebenda. 217) LLA RB. C. o. Nr., Blaudek an OA, 28. Mai 1848. 218) Ebenda. 219) Ebenda. 220) LLA RC 27, 1)2, Nr. 417, HKW an RAV, 30. Juni 1848. 221) Ebenda, o. Nr.. Alois IL, 5. März 1848. 222) LLA RC 27, C2. Nr. 6277, HKW an OA, 27. Juni 1846. 223) LLA SF Militärakten 1832-1849, o. Nr.. Mannes-Grundliste 1846. 22. Juni 1846. 224) Ebenda. 225) HALW S 305, Nr. 6857, HKW an OA, 6. Juli 1846. 226) LLA SF Militärakten 1832-1849, Nr. 847, Bat.-Kommando an Kont.-Kommando. 11. Sept. 1846. 227) LLA RC 27, Fl, Nr. 147. HKW an OA, 14. März 1848. 228) Ebenda, ad Nr. 2, OA an Fürst, 6. Juli 1847. 229) Ebenda. 203
        

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