rung" zu treffen", welche „[ihnen] mit gebührender Schonung Blaudeks dienstförderlichst scheinen" sollte. Abschliessend gab Alois der Hoffnung Ausdruck, dass es nicht zu solchen Massnahmen gegen Blau- dek kommen werde. Er ordnete aber für den Fall, dass eine solche Lösung getroffen werden müsste, doch an, dass entweder der neue liechtensteinische Unterleutnant v. Falkenhausen oder ein anderer Offizier des Bataillons sogleich das lokale Komman- do in Vaduz übernehmen müsse. Über den ganzen Komplex der Anweisungen verordnete Alois Ge- heimhaltung mit der Ausnahme, dass Blaudek eventuell mündlich informiert werden könne. Diese ganze Affaire, die auch nur als eine an sich unbedeutende Auseinandersetzung zwischen Blau- dek und Johann Rheinberger gesehen werden könnte, gibt doch einige wichtige Hintergrundinfor- mationen preis.185 Es ist die angespannte Lage im Lande innerhalb der Bevölkerung zu erkennen, ver- anlasst durch die 1846 eingetretene wirtschaftliche Krisensituation, verursacht sicher durch andere, tiefer gehende und schon länger schwelende Herde der Unzufriedenheit, wie z.B. die fehlende politi- sche Mitbestimmung. Die Haltung gegenüber der Obrigkeit insgesamt ist als emotionsgeladene Ab- lehnung spürbar, vor allem gegen die „ausländi- schen Beamten". Zudem war den Gemeinden im August 1846 die Anstellung eines zweiten Offiziers eröffnet worden,186 was auch eine Erhöhung der Ausgaben für das Kontingent erwarten liess. Stand die Bevölkerung den Militärausgaben durchwegs ablehnend gegenüber, so traf die Mitteilung über diese Entscheidung in einem psychologisch beson- ders schlechten Zeitpunkt ein. Die mahnenden Zei- chen an der Wand waren vorhanden, die richtige Deutung fehlte noch. Die unerfreuliche Angelegenheit wurde von den Verantwortlichen auf die stille Art geregelt, was unter den gegebenen Zeitumständen verständlich erscheint. Blaudek blieb in seinem Amt, wenn auch, wie sich 1848 zeigte, in seiner Autorität aus verschiedenen Gründen angeschlagen. Im Bericht Lesuires, erstellt im Auftrag der Bundesversamm- lung und datiert vom Dezember 1846, lautete die 
Aussage über Blaudek: „Der Herr Contingents- Commandant ist - vom dienstlichen Standpunkt aus betrachtet - als ein eifriger und wohl befähigter Offizier erschienen."18' Auch diese an sich sehr po- sitiv klingende Aussage kann in ihrer Begrenzung auf den rein dienstlichen Standpunkt als Kritik an Blaudeks ausserdienstlichem Verhalten gedeutet werden. Obwohl Niedermayr im Sommer 1847 über den Kommandanten die „vollste Zufriedenheit" für sei- ne Anstrengungen bei der Ausbildung des Kontin- gents bekundete und versprach, „höchsten Orts" darüber seine Anerkennung auszusprechen,188 wa- ren Blaudeks Tage als Offizier in Liechtenstein ge- zählt. Fürst Alois teilte im Januar 1848, also vor Ausbruch der Revolution in Liechtenstein, dem Ba- taillonskommandanten mit, dass „Blaudeks Entfer- nung" wünschenswert sei.189 Aus den nur andeu- tungsweise erwähnten Gründen für seine „Entfer- nung" ist zu entnehmen, dass Blaudek mit Waldbe- reiter Gross190 einen Zusammenstoss hatte und Geldschulden nicht begleichen konnte. Für Fürst Alois war nicht mehr entscheidend, welchen Schuldanteil Blaudek treffe. Es genügte, dass ein längeres Verbleiben Blaudeks in Vaduz „von übler Wirkung" gewesen wäre.191 Fürst Alois erinnerte, dass er schon nach der „Rheinbergerschen Ge- schichte" Blaudeks „totale Entfernung" beabsichtigt habe und nur durch Menzingers Fürsprache eine temporäre Abwesenheit des Kommandanten ange- ordnet worden sei.192 Für diesmal sah aber der Fürst keine andere Lösung, als Blaudek baldmög- lichst zum Bataillon einberufen zu lassen, wodurch dieser vorerst aus dem für ihn unerträglich gewor- denen Konfliktfeld genommen werden konnte. Als Ersatz für ihn wurde der zweite Offizier, Ludwig v. Falkenhausen, nach Vaduz beordert. Eine endgülti- ge Lösung für Blaudek behielt sich Fürst Alois für später vor. Für den Moment war es ihm lediglich wichtig, dass die „Ehre des liechtensteinischen Commandanten unangetastet bleibe",193 was bei ei- nem Verbleiben Blaudeks in Liechtenstein wahr- scheinlich kaum durchsetzbar gewesen wäre. Es ist auch ein Bedauern des Fürsten darüber zu verspü- ren, einen tüchtigen Offizier zu verlieren, da sich 200
        

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