QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 SPIELLEUTE, UNTEROFFIZIERE UND OFFIZIERE Niedermayr erhielt den Auftrag, sich so schnell als nur möglich nach Vaduz zu begeben. Dort habe er sich mit dem Landvogt ins Einvernehmen zu set- zen, damit beide gemeinsam in voller Kenntnis der ganzen Angelegenheit entscheiden könnten. Fürst Alois erteilte Niedermayr die Vollmacht, das „im dringenden Falle" Notwendige auszuführen. Men- zinger wurde vom Fürsten als ein Mann von Ehre und redlichem Willen bezeichnet, der als ehemali- ger Militärauditor auch die notwendigen Fach- kenntnisse besitze. Fürst Alois überliess es dem „klugen Takt" der beiden Beauftragten, die richti- gen Massnahmen zu treffen und wenn nötig Blau- dek Satisfaktion und Rheinberger Strafe zukommen zu lassen. Aus den Zeilen ist jedoch auch eine Mah- nung für ein vorsichtiges und kluges Verhalten her- auszuhören, wenn Fürst Alois schreibt, dass der Präsenzstand des Militärs gering sei und eventuell „Reibungen" zu erwarten seien wegen der „Nach- wehen des vom Lande erlittenen Unglücks". Alois gab auch zu erkennen, wer im Zweifelsfalle die Entscheidung zu fällen habe, wenn er Niedermayr wissen lässt, dass der Landvogt „als mein Reprä- sentant im Lande" anzusehen sei. Was seine Meinung Blaudek gegenüber anbelangte, so liess Fürst Alois einige Ansätze einer kritischen Haltung erkennen. Wenn Alois sagte, die Ehre eines Offiziers müsse in seiner Handlungsweise begrün- det sein, und wenn diese erschüttert sei, könne das Gebäude kaum von fremder Hand gestützt werden, so deutete er damit sicher Zweifel am richtigen, d.h. offiziersgemässen Verhalten Blaudeks an. Fürst Alois gab zwar der Hoffnung Ausdruck, dass es sich nicht so verhalte, aber seine weitere Bemer- kung dazu liess seine Zweifel daran erkennen. Er meinte, Blaudeks Auftreten im Krämerladen Rhein- bergers andeutend, dass es immer bedauerlich sei, wenn der Offizier eine andere Waffe als das Schwert in der Faust gebrauchen müsse. Fürst Alois führt einerseits an, - kann man dies als eine Andeutung einer Kritik an Menzinger verste- hen? - er habe vom Landvogt nie andere Äusserun- gen als jene des Lobes über Blaudek vernommen. Andererseits erwähnte er, Blaudek habe durch Übertretung eines Urlaubes nach Sigmaringen be-wiesen, 
dass er ein „feindseliges Einschreiten" des Landvogtes nicht fürchten müsse; sollte dies als Mahnung an den Landvogt gedeutet werden, seine ihm Untergebenen etwas härter an die Kandare zu nehmen? Dem Fürsten war auch bekannt, dass „dieser fähige Offizier" nicht die Gabe zu besitzen schien, „mit seinen Vermögensmitteln so gut hauszuhalten, als es vielleicht wünschenswert wäre, um Böswilligkeit nicht einen erwünschten Anlass zu übler Nachrede zu geben". Die Äusserungen Rheinbergers taxierte Fürst Alois als „den unverschämten Ausdruck gewissenloser leidenschaftlicher Gehässigkeiten". Als Massnahmen, die eventuell ergriffen werden mussten, sah Alois je nach gegebener Situation eine Reihe verschiedenster Massnahmen. So erwog er z.B. die Möglichkeit einer „augenblicklichen" Erhöhung des Präsenzstandes des Militärs, „um den Übelgesinnten zu imponieren". Blaudek, des- sen Benehmen zwar als unüberlegt kritisiert wur- de, sollte doch „jene Satisfaktion" bekommen, „ohne welche er das dem Localkommandanten nö- thige Ansehen nicht behaupten" könne. Wenn aber infolge des unglücklichen Verhaltens Blaudeks ihm keine Hilfe mehr gegeben werden könne, so werde es dem vereinten Beschlüsse Niedermayrs und Menzingers freigestellt, jene Massnahme „der Sus- pension, des Arrestes, oder der Wegcommandi- 176) LLA SF Militärakten 1832-1849, Nr. 25, Blaudek an OA, 1. Sept. 1846. Folgende Angaben aus dieser Meldung. 177) Franz Anton Kirchthaler, Apotheker und Industrieller, Mitglied des ersten Landrates 1849-1852 und Abgeordneter im ersten Land- tag 1862 ff. (Siehe Geiger. S. 315, Anm. 124.) 178) Siehe oben Anm. 176. Nr. 26, Blaudek an Bat.-Kommando, 2. Sept. 1846; folgende Angaben aus diesem Bericht. 179) Siehe oben Anm. 175. 180) Siehe oben Anm. 178. 181) Siehe oben Anm. 175. 182) Ebenda, Nr. 28, Blaudek an OA, 4. Sept. 1846. 183) Ebenda. 184) LLA RC 27, D2, Fürst an Niedermayr, 15. Sept. 1846; folgende Angaben aus diesen Weisungen an Niedermayr. 199
        

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