Feldwebel Kudermann goss durch eine zusätzliche Meldung an Blaudek noch Öl ins Feuer.176 Kuder- mann berichtete, dass er „von dem beim Herrn Dr. Grass in Dienste stehenden Apotheker Franz Kirch- thaler"177 vernommen habe, Krämer Johann Rheinberger hätte geäussert, Blaudek sei „in der Absicht gekommen, seinen Gehilfen Alois Rhein- berger betäubt zu schlagen und dann seinen Laden auszurauben". Die Skandal- und Gerüchteküche hatte schon ihre Ergebnisse gebraut. Blaudek brachte auch diese Tatsache dem Oberamt zur An- zeige und doppelte nach, dass er beim Auftritt auch als Mörder und Räuber beschimpft worden sei. Er habe sie aber für Auswüchse der Wut und Roheit gehalten und ihnen deshalb kein besonderes Ge- wicht zukommen lassen. Unter den bestehenden Umständen aber sehe er sich bemüssigt, diese Äus- serungen nachträglich dem Oberamt zur Kenntnis zu bringen. Einen weiteren Bericht liess Blaudek am 2. Septem- ber 1846 dem Bataillonskommando zukommen.178 Blaudek macht in diesem Bericht über den Auftritt im Krämerladen des Johann Rheinberger darauf aufmerksam, „welche Stimmung im Lande gegen alle Beamteten, besonders den Offizier" herrsche. Die Drohung, aus dem Lande gejagt zu werden, werde besonders seit der im Sommer „stattgehab- ten Überschwemmung bei jeder Gelegenheit ausge- stossen". In Vaduz herrsche die schlechteste Mei- nung gegen Regierung, Beamte, das Militär und die Offiziere. Jeder Fremde werde beim Eintritt in das Fürstentum mit dem Namen „Spengler" belegt. In letzter Zeit höre man oft: „Die Herren haben jetzt auskommandiert, die Bauern wollen selber das Kommando führen."179 Vor allem der Offizier sei am meisten „ausser dem Volke gestellt" und haupt- sächlich die Zielscheibe von Angriffen jeglicher Art. Blaudek führte als Beweis für seine Aussagen an. dass schon sein Vorgänger Schaffer „abends ohne eine militärische Escorte nicht auszugehen sich ge- traute in folge des so genannten Gefolgtwerdens aus Schlupfwinkeln".180 Blaudek meinte weiter, die Stellung des Offiziers sei in Liechtenstein schwieriger als sonst irgendwo, da 
er von der Bevölkerung für alles verantwortlich ge- macht werde, was ihr vom Militär als Belastung aufgebürdet werde. Er erwähnte die Nachteile der Kleinheit des Landes, wodurch der einzelne keinen Schutz in der Gesamtheit finden könne. „Hier ist er biossgestellt bei feindseligen Berührungen die bei so gereizter Stimmung sehr leicht herbeigeführt werden," beklagte Blaudek seine Lage. Als er „en uniform" zum Landvogt zur Besprechung ging, habe ihn dieser sich die Nägel schneidend empfan- gen, diese Beschäftigung noch einige Zeit fortge- setzt und dann den Vortrag kaum der Aufmerksam- keit gewürdigt.181 Er fühlte sich vom Landvogt ver- lassen, der nichts unternehme und die „Äusserung des Krämers ein blos dummes Geschwätz nannte". Als solches könne er als Offizier des Fürsten dies aber nicht ansehen. Ausserdem sei er nicht der einzige, dem solches geschehe, nur würden die an- deren „sich entweder leidend verhalten oder eine sehr oberflächliche Satisfaktion erhalten". Blaudek meinte, und seine Aussagen wirken fast prophe- tisch, nur „Schlimmeres in Zukunft erwarten zu müssen". Abschliessend bat Blaudek den Batail- lonskommandanten, die Meldung über diese Vor- kommnisse an den Fürsten weiterzuleiten. Am 4. September 1846 meldete Blaudek dem Ober- amt Zeugen, die im Schankzimmer des Brauhauses anwesend gewesen waren, als Johann Rheinberger äusserte, Blaudek beabsichtige, das Land zu berau- ben.182 Die genannten Zeugen waren Schlossküfer Jakob Quaderer, Bierbrauer Baptist Quaderer, Tischler Lampert und Büchsenmacher Lorenz Feu- erstein.183 Es ist anzunehmen, dass dieser Auftritt bestimmt auch in der Öffentlichkeit Aufsehen erregte und mit grossem Interesse, der Begriff Schadenfreude käme der Wahrheit sicherlich näher, verfolgt wurde. Fürst Alois IL, der bereits am 11. September durch Niedermayr über die Ereignisse informiert worden war, reagierte rasch und entschlossen. Er instruier- te persönlich von Eisgrub aus den Bataillonskom- mandanten über seine Beschlüsse in dieser Angele- genheit und beauftragte Niedermayr mit deren Durchführung.184 198
        

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