QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 SPIELLEUTE, UNTEROFFIZIERE UND OFFIZIERE Oberamt schilderte die finanzielle Lage Blaudeks als eher prekär, da seine Vermögensverhältnisse nicht so gesichert seien, dass er „[im] Nichtauskom- mensfalle mit seiner Gage zu seinen Privatmitteln hätte Zuflucht nehmen können".171 Dazu kam nach Aussage des Oberamtes eine „hierländige enorme Theuerung", wodurch Blaudek bei jeder grösseren finanziellen Auslage, der er als Offizier nicht wohl ausweichen könne, „in Verlegenheit gerathen und zu Anleihen schreiten" müsse.172 Blaudeks Schul- den erwiesen sich auch deshalb als lästig, weil sie schon mehrmals eingefordert worden waren. Diese Argumentationshilfe des Oberamtes für Blaudek überzeugte Fürst Alois II. und er willigte ein, Blau- deks Adjustierungsschuld zu übernehmen. Er ver- ordnete allerdings, dass Blaudek 100 Gulden in Mo- natsraten zurückzubezahlen hatte.173 Das Jahr 1846, infolge der zweimaligen Rheinüber- schwemmung ein Katastrophenjahr für Liechten- stein, brachte auch für Blaudek eine gespannte Si- tuation im Land, die sich in einem Ereignis entlud, das auf eindrückliche Weise auf 1848 hindeutet. Gleichzeitig beleuchtet die aufgrund dieses Ereig- nisses erfolgte Schilderung des Umfeldes Blaudeks durch ihn selbst die unterschwellig vorhandene ge- spannte Lage. Blaudek berichtete,174 dass er am 29. August 1846 Briefe in die vom Krämer Johann Rheinberger be- treute Briefablage in Vaduz habe bringen lassen. Da der Empfangsschein vom Gehilfen Alois Rhein- berger mangelhaft ausgestellt worden war, begab sich Blaudek anderntags, also am 30. August, per- sönlich zur Briefablage, um „dem expedierenden Gehilfen seine Fahrlässigkeit zu verweisen", beson- ders weil Blaudek schon wiederholt Nachlässigkei- ten festgestellt hatte. Der Gehilfe - er war 17 Jahre alt - wurde jedoch „frech durch Worte und Gebär- den" und wollte Blaudek wegweisen. Dieser liess sich aber ein solches Verhalten nicht gefallen und trat drohend an Rheinberger heran, welcher „gleich nach dem Ellenstabe griff, worauf ihm Blaudek einen „Backenstreich" versetzte.175 Inzwischen war auch Krämer Johann Rheinberger erschienen und es begann ein massloses Schimpfen. Nach Blaudeks Aussagen nannten die beiden Rheinberger ihn ei-nen 
„hergelaufenen Blutsauger" und riefen: „Euch Blutsauger alle werden wir schon zum Land hin- ausjagen." Blaudek präzisierte sprachbewusst, dass der Name Blutsauger ihm allein gegolten habe, und zwar weil er Offizier sei, während „unter dem Vielfachen nur die anderen Beamten gemeint sein konnten". Blaudek betonte, er könne nicht dul- den, dass ihm „seine Charge zum Schimpf ge- macht und ihm gedroht werde wegen der Dienste, die er bisher für den Fürsten geleistet habe. Eine Untersuchung der Vorfälle durch das Oberamt war nach Blaudek unerlässlich. 153) Ebenda. 154) HALW S. 306, Nr. 10890, 31. Aug. 1840. 155) LLA RC 27, G1, Standesliste 1840. 156) LLA SF Militärakten 1832-1849. Blaudek an Fürst, 27. Nov. 1840. 157) Ebenda, o. N,, Bericht über den Zustand der Btmdeskontingent- truppe, 27. Nov. 1840. 158) Ebenda, Nr. 945, Bemerkungen Niedermayrs zur Inspektion 1841, 8. Aug. 1841. 159) Ebenda. 160) Ebenda. 161) Bayer. HStA, Abt. IV. Kriegsarchiv, A XXI, 160, Bericht Graf Isenburgs, 1841. 162) Ebenda. 163) LLA SF Militärakten 1832-1849. o. N., Blaudek an Fürst, 19. Dez. 1S40. 164) Ebenda. 165) Ebenda. 166) Ebenda. 167) Ebenda. 168) LLA RC 27, C.2. ad 469. OA an Ortsgerichte, 19. Aug. 1841. 169) Ebenda, ad 1. OA an Fürst. 26. .Jan. 1843. 170) Ebenda, C2, Nr. 2, OA an Fürst, 24. Febr. 1S46. 171) Ebenda. 172) Ebenda. 173) Ebenda. Nr. 3515, HKW an OA, 7. April 1846 (irrtümlich auf 1847 datiert). 174) LLA SE Militärakten 1832-1849. Nr. 24, Blaudek an OA, 31. Aug. 1846; folgende Angaben aus diesem Bericht. 175) HALW, S 305, Nr. 12563. Blaudek an Fürst, 4. Sept. 1846. 197
        

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