QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE L814-1849 SPIELLEUTE, UNTEROFFIZIERE UND OFFIZIERE her eher der als Schleifer gefürchtete Unteroffizier denn der geachtete Vorgesetzte. FRIEDRICH BLAUDEK, OBERLEUTNANT Die militärische und zivile Verwaltung Liechten- steins war daran interessiert, Offiziere aus eigenen Reihen heranzuziehen. 1839 meinte die Hofkanz- lei, man sollte versuchen herauszufinden, ob sich innerhalb der Konskriptionspflichtigen nicht zwei bis drei finden Hessen, deren Eltern bereit wären, diese im Alter von 15 bis 17 Jahren in eine Militär- bildungsanstalt zu schicken.145 Diese jungen Leute wären nach ihrer Ausbildung zu Unteroffizieren in das Kontingent eingetreten und später eventuell als Offiziere eingesetzt worden. Nach Auskunft des Oberamtes fand aber „dieser höhere Beruf wenig Anklang bei den Betroffenen, weil grösstenteils kei- ne Bereitschaft vorhanden sei, mehr als sechs Jah- re beim Kontingent zu dienen.146 Als einzige mögli- che Aspiranten wurden Sergeant Goldner, Korporal Ospelt, Reservemann Andreas Falk und Lehrer Beck genannt.147 Für den 27jährigen Goldner sah das Oberamt aber „bei ... seinem zum Lernen schon etwas vorge- rücktem Alter" keine grosse Möglichkeit mehr für eine Offizierslaufbahn.148 Andreas Falk von Schaan wurde als der Tauglichste des ganzen Kontingents bezeichnet. Er befand sich im Lehrer-Institut zu Disentis, wo er sich „vorzugs- weise der Mathematik" widmete.149 Lehrer Beck war ebenfalls in Disentis zur weiteren Ausbildung und empfahl sich für die Offizierslauf- bahn durch seinen „körperlichen Vorzug" und sei- ne ruhige Aufführung.150 Korporal Ospelt befand sich noch im Militärdienst und entsprach nach Meinung des Oberamtes durch „seinen militärischen Geist" den gestellten Anforde- rungen.151 Wie die weitere Entwicklung zeigt, ist keiner der Genannten in die Offizierslaufbahn eingestiegen, z.T. weil sie nicht mehr den Ansprüchen genügten, z.T. weil der Wille und die Absicht für diese Berufs- richtung nicht vorhanden waren. 
Auch in den folgenden Jahren fanden sich im Kon- tingent keine eigenen Leute, um die Offiziersstellen zu besetzen. Als wichtiger Grund wird angeführt, dass die Karriereaussichten im liechtensteinischen Kontingent gering waren. Da für die Ausbildung grössere Ausgaben entstanden wären, hätte man die betreffenden Leute „auf immer" verpflichten müssen. Beförderungen wären aber nur in Ausnah- mefällen möglich gewesen, so dass die meisten Un- teroffiziere geblieben wären, eine Charge, die „aber wenig Entschädigung" bot.152 So meldete die Hof- kanzlei 1840 mit „gehorsamstem Vortrag" an den Fürsten, dass die Gelegenheit für ein Übereinkom- men zur Unterbringung von Offiziersaspiranten noch ferne liege, weil nach durchgeführter Abklä- rung „kein einziges Individuum der Contingents- 134) Ebenda, B, o. N., OA an Schaffer, 18. Juni 1836. 135) Ebenda, o. N.. Infanterie-Regiment Lamotte an Bat.-Kommando (Abschrift). 22. Juli 1836. 136) Ebenda. 137) Siehe oben Anm. 126. 138) Ebenda, o. N., Schaffer an Bat.-Kommando Lamotte, 13. Juli 1836, 1391 Ebenda. 140) Ebenda, Nr. 454, Schaffcr an OA, 25. Sept. 1836. 141) Ebenda. 142) Ebenda. 143) LLA SE 33 „Ausweis über die im 1. Quartal 1840 in dem Rfarrbe- zirke Vaduz Gestorbenen". 144) LLA AS 8/114, Ausgabs-Conferenzbuch pro 1841, Folio 10. 145) LLA RC 27, C2, Nr. 2239. HKW an OA, 23. Febr. 1839. 146) Ebenda. A, ad 90. OA an Fürst. 28. Aug, 1839. 147) Ebenda. 148) Ebenda. 149) Ebenda. Andreas Falk, geb, 1817, 1837 konskribiert, Studien in Disentis und München, Mitglied des 1. Landrates 1849; 1856 Amts- schreiber, 1860 Grundbuchführer (siehe Geiger, S. 160, Anm. 14. und Vogt, Verwaltungsstruktur S.127). 150) Ebenda. 151) Ebenda. 152) LLA SE Militärakten 1832-1849, o. N.. Bericht Blaudeks, 27. Nov. 1840. 195
        

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