gen sein, dass Rangeleien um die Stellung inner- halb des Kontingents den gruppendynamischen Hintergrund bildeten. Laut Bericht des Oberamtes hatte Schaffer den bayerischen Unteroffizieren wiederholt vor der Mannschaft Verweise erteilt.134 Benedikt Kuder- mann seinerseits beschwerte sich deswegen beim Oberamt und übte gleichzeitig Kritik an der Amts- führung Schaffers wegen reglementswidrigen Ma- növern und wegen Aussagen Schaffers im theoreti- schen Unterricht. So habe der Leutnant ausdrück- lich befohlen, dass den Soldaten nur gesagt werden solle, dass sie zu gehorchen hätten. Sie bräuchten nicht zu wissen, dass sie sich, wenn sie glaubten, ihnen geschehe ein Unrecht, höheren Orts über ei- nen Vorgesetzten beschweren könnten.135 Kuder- mann glaubte, dass Schaffer ihm seine Bemerkun- gen übel genommen habe und ihn deswegen vor der Mannschaft durch Kritik schwächen wolle. Der Feldwebel ging aber in seinen Vorwürfen noch wei- ter. Er sagte aus, Schaffer habe Untergebene öfters nicht nur mit Worten, sondern auch mit Stössen und Schlägen misshandelt. Sogar den Hornisten Huber habe er heftig beschimpft. Als Huber sich beschwert habe, sei er von Schaffer in Arrest ge- setzt worden. Der Kommandant habe ihn „einen Lumpen" genannt und Kudermann verboten, das Bataillonskommando davon in Kenntnis zu set- zen.136 Dem Oberamt war auch diese Auseinandersetzung eher peinlich, vor allem, weil die Unteroffiziere aus Bayern sehr tätig seien und ihre „Anhersendung . . . eine Gefälligkeit von Bayern" gewesen sei.137 Schaffer verteidigte sich damit, dass er ein erfahre- ner Offizier sei und die Vorwürfe wegen der Be- handlung der Mannschaft seien nicht zutreffend. Er schrieb auch an den Bataillonskommandanten Ku- dermanns und beschwerte sich seinerseits über dessen unmilitärisches und ungestümes Beneh- men, das ihn „gänzlich ungeeignet zum Komman- diren mache".138 Ausserdem, so Schaffer, habe Ku- dermann den militärischen Stand ganz vergessen und „durch Schleichwege zwischen dem Oberamt und [ihm] Uneinigkeiten zu stiften versucht".139 
Sein Verhalten dem Hornisten Huber gegenüber sei dadurch begründet, so meinte Schaffer gegenüber dem Oberamt, dass dieser trotz Verweisen sich mehrmals betrunken habe. Sogar beim Frühexer- zieren, so berichtete Schaffer, konnten weder der „zimlich angestochen gewesene Huber, noch die ungeübten Schüllers den Ordinairenmarsch finden, ich liess deswegen öfters halten und wieder antret- ten, jedoch umsonst; über dieses unordentliche blassen in Zorn gerathen sagte ich im allgemeinen ihr Eselsköpfe könt ihr heute keinen thon aus euren Instrumenten herausbringen."140 Schaffer zog aber weitere Satisfaktionen zurück. Das Oberamt äusserte gegenüber dem Bataillons- kommando die Meinung, man könne den Gegen- stand auf sich beruhen lassen, da die ganze Angele- genheit z.T. auf Missverständnissen beruhe.141 Ausserdem erwähnte das Oberamt den Bericht Graf Isenburgs, der nicht nur „dem Leutnant sondern auch den Abrichtern zur Ehre" gereiche.142 Das Bestreben des Oberamtes, die in seinen Augen unerfreuliche Angelegenheit ohne grosses Aufse- hen zu erledigen, war bedingt durch das Bestreben, die bayerischen „ausgeliehenen" Unteroffiziere nicht in ein Disziplinarverfahren zu verwickeln. Desgleichen wäre wohl auch die Hofkanzlei in Wien über eine solche Entwicklung nicht erfreut gewe- sen. Ausserdem löste sich die ganze Problematik auch durch die baldige Abreise der bayerischen Helfer von selbst. Matthias Schaffers Wirken in Liechtenstein wurde abrupt beendet durch seinen Tod am 4. Januar 1840. In den Ausweisen über die Verstorbenen in Vaduz steht unter der Rubrik der Todesursachen: „erstickt".143 Im Ausgabenbuch des Kontingents ist vermerkt, dass zur Auslösung der Leutnantsuniform Schaffers gemäss fürstlichem Reskript 49 fl. 28 Kr. zu bezah- len seien.144 Die Hinweise auf seine Geldnöte ver- folgten Schaffer noch über seinen Tod hinaus. Schaffer war ein Mensch und Vorgesetzter, der durch seine ihm eigene Art, die vielfach sicher als eigenartig empfunden wurde, in seinem sozialen Umfeld Kritik auslöste. Er war von seinem Wesen 194
        

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