mandantenzulage auf 110 Gulden erhöht.110 Aller- dings musste Schaffer diese Zulage gleich dafür ver- wenden, einen erhaltenen Vorschuss von 200 Gul- den binnen zwei Jahren zu tilgen.111 Diese ständige Geldverlegenheit Schaffers und sein etwas barsches, besserwisserisch wirkendes We- sen, das wohl seine psychische Unsicherheit über- decken sollte, Hessen ihn als einen manchmal unge- hobelt wirkenden „Haudegen" erscheinen. Seine Art liess ihn oft anecken, und zwar sowohl bei Vor- gesetzten als auch bei Untergebenen, aber auch in der zivilen Umgebung seines Alltags. Schaffer beklagte sich über „von Seiten der Unter- thanen ihm zugefügte Unbilden . .. und überhaupt die ungünstige Stimmung der Unterthanen gegen das Militär".112 Er berichtete schon im Herbst 1836, dass er von Seiten der Bevölkerung Spöttereien ausgesetzt gewesen, ja sogar mit Steinwürfen ange- griffen worden sei. Dies geschah allerdings „nachts ungefähr um die Mitternachtsstunde als selber ohne mindesten Anlass aus dem Löwenschankhaus friedlich nach Hause ging".113 Er sei von hinten „durch zwey stimmen mit verschiedenen Krimas- sen" erschreckt und von Betrunkenen belästigt worden.114 Schaffers Aufforderung an das Ober- amt, die Betreffenden streng zu bestrafen, kann als Ausdruck der Hilflosigkeit gegenüber solchen Belä- stigungen gesehen werden. Weitere Zusammenstösse Schaffers mit Privatper- sonen und Mitgliedern der Verwaltung geben ein aufschlussreiches Bild seiner Persönlichkeit. Als Schaffer eines Nachmittags im Mai 1839 unter- wegs zum Exerzieren war, traf er zufällig, vermut- lich in der Nähe der Schlossgüter, den Küfer Quade- rer, der mit einem beladenen Mistwagen in den Strassengraben geraten war.115 Schaffer beschul- digte Quaderer sogleich, mutwillig in den Graben gefahren zu sein. Küfer Quaderer geriet darüber in Zorn und sagte zu Schaffer: „Sacerment das ist nicht wahr."116 Er machte nach Schaffers Schilde- rung sogar Miene zum Angriff und liess Schaffer wissen, „er fürchte ihn nicht".117 Der strenge Ver- weis, mit dem das Oberamt den Küfer bestrafte, und die Aufforderung, ein nachgiebiges Verhalten 
gegen den Leutnant zu zeigen,118 war wohl als obrigkeitliche Rückendeckung für den Komman- danten gedacht. Ob dadurch die Autorität Schaffers gestärkt wurde, kann bezweifelt werden. Eine ähnliche Episode hatte Schaffer mit dem Jä- gerknecht Christoph Hartmann, den Schaffer we- gen ungebührlichen und beleidigenden Verhaltens ihm gegenüber anzeigte.119 Schaffer hatte Hart- mann arretiert, der laut ärztlichem Zeugnis dabei Verletzungen erhalten hatte. Nach Aussage Hart- manns war Schaffer ein sehr jähzorniger Mensch, „in Zorn und Launen seiner nicht mächtig", und jeder Vaduzer müsse bestätigen, „welche Qual es [sei], in seiner Nähe zu seyn".120 Die Aussage des Korporals Nägele bestätigte Hart- manns Äusserung. Der Leutnant sei sehr aufge- bracht gewesen, bezeugte Nägele, und habe „mit den Füssen in des Hartmanns Waden und auch höher" gestossen.121 Es tue ihm zwar weh, gegen seinen Vorgesetzten das sagen zu müssen, fügte Nägele bei, aber er sei zur Angabe der Wahrheit aufgefordert worden.122 Dem Landvogt war die ganze Angelegenheit unan- genehm, ja peinlich. Hartmann war ein fürstlicher Diener und deshalb hätte Schaffer ihn gar nicht verhaften dürfen. Ausserdem lag die Vermutung nahe, dass Schaffers Handlung gegenüber dem Jä- gerknecht eine Revanche darstellte. Schaffer hatte nämlich im April des gleichen Jahres ohne Bewilli- gung Bäume gefällt, und Hartmann hatte ihn beim Oberamt deswegen angezeigt.123 Dem Militärkom- mandanten war damals vom Oberamt unmissver- ständlich klar gemacht worden, dass es verboten sei, ohne Vorherige Bewilligung Bäume zu fällen, was dem Leutnant „zur Wissenschaft und genauen Darnachrichtung" mitgeteilt wurde.124 Bei Schaf- fers Charakter kann leicht nachempfunden werden, dass er eine Gelegenheit suchte, Hartmann eins auszuwischen. Er hatte jedoch unüberlegt und überstürzt gehandelt und eher sich selbst gescha- det. Auf alle Fälle befahl Menzinger Schaffer, den Jägerburschen Hartmann noch am Tag seiner Ver- haftung wieder zu entlassen.125 Die Art seines Benehmens und die Grundzüge sei- nes Charakters belasteten auch Schaffers dienstli- 192
        

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