QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 SPIELLEUTE, UNTEROFFIZIERE UND OFFIZIERE Schaffer mietete ein möbliertes Zimmer im Hause des Adlerwirts Johann Rheinberger im Oberdorf Vaduz für acht Kreuzer pro Tag. Das Mittagessen und sporadisch auch das Nachtessen nahm er ebenfalls im Adler ein. Für ein Mittagessen inklusi- ve Wein und Kaffee bezahlte er 42 Kreuzer, für ein Nachtessen 18 Kreuzer. Adlerwirt Rheinberger be- tonte in seiner Aussage vor dem Oberamt über die- se Kosten, dass „Herr Leutnant sich mit einfacher Hausmannskost nicht" begnüge." Die Gage Schaffers war im Verhältnis zu den tägli- chen Lebenskosten seiner Ansicht nach zu gering, weshalb er um ein möbliertes Zimmer im Schloss nachsuchte und kurz darauf auch um eine Gagener- höhung an das Oberamt gelangte.100 Fürst Alois wollte allerdings über eine Gagenerhö- hung erst entscheiden, wenn ein Bericht über eine Inspektion vorliege.101 Ein solcher Bericht lag zwar vor, doch wollte man die Stellungnahme dazu von Seiten der Bundesversammlung noch abwarten.102 Die Tätigkeit Schaffers wurde in diesem Bericht lobend erwähnt, da er „im Tirailliren und geschlos- senen Exerciren bereits sehr viel geleistet" habe.103 Nach dem Bericht war dies um so mehr anzuerken- nen, als Schaffer die Mannschaft gänzlich unvorbe- reitet übernommen hatte und ihr „jeglicher militäri- scher Sinn" gefehlt habe.104 Diese Aussage scheint ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, denn Schaffer suchte im Juni 1837 um Vorauszahlung der ihm bewilligten Kommandantenzulage von jährlich 72 Gulden an;105 dies wurde für 1837 bewilligt, für die Zukunft aber war nach Anordnung der Hofkanzlei die Zulage monatlich in Raten auszubezahlen.106 Die Kommandantengage blieb eine ständige Ursa- che für Unzufriedenheiten, nicht nur bei Schaffer, sondern auch bei seinen Nachfolgern. Geldsorgen gehörten zum tagtäglichen Problem des Leutnants. Als der Landvogt erfuhr, dass Schaffer von Korpo- ral Nägele 140 Gulden gegen 5% Zins ausgeliehen hatte, warnte er den Leutnant, sich „ja nicht von der Mannschaft etwa abhängig machen oder auf irgend eine Weise von ihr Geld beziehen zu wol- len".107 Menzinger, der seine Äusserung als „freundschaftlichen Wink aus guter Hand" bezeich-nete,108 
war sich der nicht allzu rosigen finanziellen Lage Schaffers bewusst und wollte ihn vor gefährli- chen Schritten in die finanzielle Abhängigkeit von Untergebenen warnen. Schaffer seinerseits konter- te, er habe das Geld nur in Verwahrung genommen, was nicht verboten, sondern für ihn als Komman- danten sogar eine Verpflichtung sei. Er benutzte aber die Gelegenheit, um darauf aufmerksam zu machen, dass seine Gage zu klein sei, alle bedeu- tenden Auslagen zu bestreiten, und er auf eine Er- höhung der Besoldung hoffe.109 Es ist anzunehmen, dass Menzinger sich bei der Hofkanzlei für Schaffer eingesetzt hat, nicht zuletzt wahrscheinlich wegen der Gefährdung Schaffers durch Geldnöte. Im März 1838 wurde auf Beschluss des Fürsten die Kom- 89) Siehe oben Anm. 85. 90) Ebenda. 91) HALW H 1808, Nr. 5494. HKW an OA, 26. Juli 1833. 92) LLA RC 27, B, ad 8S53, Anstellungsdekret, 16. Dez. 1835. 93) HALW 11 1808, ad 8853. HKW an OA, 16. Dez. 1835. 94) Ebenda. 95) Ebenda, 8853, HKW an OA, 17. Dez. 1835. 96) Ebenda. Nr. 877, Schaffer an HALW 24. Jan. 1836. 97) LLA RC 27, H2, Standesliste 1837; In der Standesliste von 1836 wird Schaflers Geburtstag mit dem 24. Febr. 1792 angegeben. 98) Ebenda. Standesliste 1837. 99) LLA RC 27, A, ad 585. Protokoll des Oberamtes über die Einver- nahme Rheinbergers. 100) Ebenda, Gesuch Schaffers um Gagenzulage; ebenda, Nr. 555, Schaffer an OA, Gesuch um Möblierung seines Quartiers, 3. Dez. 1836. 101) Ebenda. Nr. 1165, HKW an OA, 6. Febr. 1837. 102) Ebenda, siehe RC 27, B. Nr. 43, Musterungsbericht Graf Isen- burgs. 17. Jan. 1837. 103) Ebenda. Bericht Isenburgs. 104) Ebenda. 105) Ebenda, A, ad 198, OA an Fürst, 10. Juni 1837. 106) Ebenda, Nr. 5123, HKW an OA, 30. Juni 1837. 107) Ebenda, o. N„ OA an Schaffer, 28. Jan. 1838. 108) Ebenda. 109) Ebenda, Antwort Schaffers, 29. Jan. 1838. 191
        

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