te" der Unteroffiziere zu machen vermöge.3s Die Hofkanzlei unterstützte Blaudeks Vorschlag, „eine Feldwebelstelle zu creiren"36 weil sie der Ansicht war, auf diese Weise könnte dem Lande die Auslage für die kostspielige Ausbildung eines Offiziers in auswärtigen Militärschulen erspart bleiben.37 Fürst Alois schloss sich dieser Meinung an und beauftrag- te den Landvogt zusammen mit dem Kommandan- ten, bis Ende April 1841 einen Vorschlag für einen Feldwebel einzureichen.38 Gleichzeitig erhielt Blau- dek die Erlaubnis, die Unteroffiziere für sechs Wo- chen einzuberufen, um sie sowohl besser kennen zu lernen als auch besser auszubilden.39 Gemäss diesem Auftrag schlug das Oberamt im Mai 1841 zur Besetzung der Feldwebelstelle den bayeri- schen Sergeanten Benedikt Kudermann vor.40 Blaudek, dem Kudermann bereits bekannt war, rei- ste nach Lindau, um ein persönliches Gespräch mit ihm zu führen und weitere Erkundigungen einzu- holen. Blaudek erhielt nur die besten Auskünfte über Kudermann.41 Kudermann war 1805 als Sohn eines Bauern gebo- ren, stammte aus Wiedenhofen in Bayern, war le- dig und „ohne Profession".42 Seit 1826 diente er im bayerischen Militär, war 1828 zum Korporal beför- dert worden und hatte von 1832 bis 1834 als sol- cher „die Expedition nach Griechenland" mitge- macht.43 1835 war Kudermann zum Sergeanten be- fördert worden. Da Kudermann in Bayern aber noch für zwei Jahre und acht Monate dienstpflichtig war, hatte er für diese Zeit einen Ersatzmann zu stellen, wofür er 250 Gulden zu bezahlen hatte.44 Er selbst war be- reit, 150 fl. zu bezahlen, der Rest, so hoffte das Oberamt, werde mit Hilfe des Fürsten bezahlt wer- den können. Als monatlicher Verdienst wurden Ku- dermann 15 fl. bezahlt, wozu noch 2 fl. 21 kr. als Entschädigung für Holz, Stroh, Licht und Brot kam.45 Kudermann erhielt am 19. August 1841 sei- nen Abschied in der bayerischen Armee und traf am 21. August 1841 in Vaduz ein, wo er sofort als Feldwebel „in Stand und Gebühr" genommen wur- de.46 Ende 1842 ersuchte Kudermann das Ober- amt, sich bei der kommenden Rekrutierung „von einem Eingeborenen" einstellen lassen zu dürfen.47 
Er war bereit, dafür auf die ihm zustehenden 50 Gulden Gratifikation für je fünf vollendete Dienst- jahre zu verzichten. Das Oberamt unterstützte die- ses Anliegen, weil dadurch dem Land ein Vorteil erwachse und Kudermann „von 6 zu 6 Jahren we- nigstens 300 fl. bekäme".48 Fürst Alois aber lehnte das Gesuch ab, weil Kudermann für die bereits er- haltenen 125 Gulden erst vier Jahre Dienst tun müsse.49 Kudermann wurde aber insgesamt als tüchtiger Feldwebel anerkannt und „zur lohnenden Aufmun- terung" erhielt er ab 1. August 1847 eine tägliche Zulage von sechs Kreuzern;50 ausserdem wurde ihm am 6. Oktober des gleichen Jahres die liechten- steinische Dienstauszeichnung I. Klasse verlie- hen.51 Kudermann war auch bei den jährlichen Schiessübungen regelmässig unter den besten Schützen zu finden, wofür er mit dem silbernen Patrouillepfeifchen ausgezeichnet wurde.52 Der Abschied Kudermanns aus dem liechtensteini- schen Militär war getrübt infolge der Ereignisse von 1848. Er musste im April 1848 das Land gezwunge- nermassen verlassen, da gegen ihn und den Kom- mandanten tätliche Angriffe aus der Bevölkerung geplant waren.53 Er begab sich nach Lindau, wo er vorerst den weiteren Verlauf der Ereignisse in Liechtenstein abwartete. Der Landvogt hatte ihm zwar das Gehalt für drei Monate ausbezahlt, trotz- dem geriet Kudermann bald in Geldverlegenheit, da das Leben in den Wirtshäusern sehr teuer sei, wie er nach Vaduz berichtete.54 Zweimal bat Kuder- mann den Landvogt „man möge ihn seiner ohnehin fast unterträglichen Existenz entheben" da er schon seine Kleider versetzen müsse.55 Menzinger ge- währte widerwillig eine Unterstützung und liess Kudermann 35 Gulden „auf Abrechnung" zukom- men.56 Der Landvogt war auf Kudermann nicht gut zu sprechen, da dieser gegenüber der 1848er Be- wegung Sympathien gezeigt und sich sogar öffent- lich für sie ausgesprochen hatte. Das Militär sei zum Schutz, und nicht zum Sturz des Bestehenden berufen, hielt Menzinger dem Feldwebel vor Au- gen.57 Gleichzeitig bekam Kudermann vom Land- vogt den Rat, sich so bald wie möglich in andere Militärdienste zu begeben, das sein „Bestand im 186
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.