reichs Hochmuth und der Ehrgeiz seines Beherr- schers endlich die Straffe für seinen Frevel"87 emp- fangen, leitete Schuppler zur Gegenwart über. Er erwähnte das Bündnis aller „grossen Mächte Euro- pas"88 gegen Napoleon und führt psychologisch klug an: „Schon sind die Franzosen in mehreren mörderischen Schlachten geschlagen, schon in ihr eigenes Land zurückgetrieben worden."89 In dieser Situation habe der Landesfürst die Verpflichtung übernommen, an der „Erzwingung eines dauerhaf- ten Friedens mitzuwirken".90 Euphorisch ver- sprach Schuppler, dass die Schlachten vorbei seien und er meinte: „Ich kann es euch fast verbürgen, dass jene, die aus unseren Landeskindern zu Felde ziehen, mit keinem Feinde mehr handgemein, ja dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal einen Franzosen sehen werden."91 In der Teilnah- me an diesem nach Schuppler nur noch den Cha- rakter eines „Aufräumungskommandos" aufwei- senden Feldzuge sah er zwei Vorteile: Einmal sei es für die jungen Leute eine erwünschte Gelegenheit, „ausser der Verpflegung ihres Hauses zu kommen, und somit den Altern den bei dem fürgewesten Missjahre ohnehin schweren Unterhalt zu erleich- tern".92 Andererseits würden die Betreffenden „sich Unterschrift Josef Schup- plers, Landvogt von 1808 bis 1827 
um ihr Vaterland ein unvergessliches Verdienst ... gründen".93 Im weiteren verbürgte sich Schuppler „im allerhöchsten Namen" dafür, dass die Liechten- steiner lediglich für ihr Land ins Feld ziehen müss- ten. Nach beendigtem Kriege würden sie „ohne von einem andern Monarchen angesprochen oder unter seine Truppen gestekt werden zu können, ohne An- stand nach Hause . . . entlassen und von jedem künftigen Felddienste für frey erklärt werden".94 In rhetorischer Überschwenglichkeit schloss Schupp- ler die Rede mit einem pathetischen „letzten Ap- pell" an die Anwesenden, ihre Liebe zum österrei- chischen Kaiser und ihren christlichen Glauben nicht zu vergessen: „Weket also in euch den schon im Jahre 1809 rege gewordenen Sinn für eure und euerer Brüder Freiheit, trettet unter die Fahnen des allgeliebten Kaisers von Österreich, des besten Va- ters Deutschlands und des besonderen Schützers des Fürstenthumes . .. bleibet nicht zurück hinter den andren deutschen Völkern, die Leben, Guth und Bluth opfern, um eine bessere Zukunft zu grün- den, und sich auch um das Kristenthum verdient zu machen, denn auch dieses gebietet uns an dem allgemeinen Kriege Antheil zu nehmen, weil das Oberhaupt unserer Kirche vom französischen Kai- ser gefangen gehalten wird, und dem allgemeinen Frieden sehnsuchtsvoll entgegensieht ... Gottes Schutzengel wird euch in eueren Vornehmen unter- stützen, und das Land wird mit Sehnsucht der Stun- de entgegensehen, die euch wieder frisch und ge- sund in unsere Mitte zurückbringen wird."95 Diese Ansprache Schupplers ist beredtes Zeugnis dafür, dass in der liechtensteinischen Bevölkerung keine Begeisterung für einen Kriegseinsatz in der grossen europäischen Auseinandersetzung vorhan- den war, ja dass sogar mit Widerspenstigkeit zu rechnen war. Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme im Lande selbst waren schon schlimm genug, die zusätzliche Belastung durch den gefor- derten Kriegsdienst wurde als äusserst bedrückend empfunden. Die verharmlosende Darstellung der Kriegssituation durch Schuppler, seine Verspre- chungen und Prophezeiungen beweisen, dass der Landvogt glaubte, alle rhetorischen Mittel einsetzen 14
        

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