QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS MILITÄRKONTINGENT 1814 UND 1815 einer als unbrauchbar bezeichnet und einer aus unbekanntem Grund als untauglich angesehen.73 Nach vorgenommener Rekrutierung aller Waffenfä- higen und nach Feststellung der Tatsache, dass sich kaum Freiwillige gemeldet hatten, versammelte Schuppler am 23. Februar 1814 aus allen Gemein- den die militärpflichtigen ledigen Männer. Es galt nun, aus diesen durch Losen jene auszuwählen, die den Militärdienst zu leisten hatten. Bei dieser Gelegenheit hielt Schuppler eine längere Ansprache zur Begründung des bevorstehenden Auszuges.74 Nachdem der Landvogt anfänglich sei- ner Enttäuschung über die geringe Anzahl Freiwil- liger Ausdruck gegeben hatte, begründete er den dadurch notwendig gewordenen Losungsvorgang. Die Bemerkung, „dass es leicht einen oder den an- dern treffen [könne], der in ein oder der andern Rücksicht unentbehrlich für die Llaushaltung [sei]", sollte wohl ein letzter Versuch sein, eventuell Schwankende zum freiwilligen Dienst zu bewegen. Er habe seinen Wunsch nicht erreicht, bemerkte Schuppler leicht indigniert, also müsse er „es auf das Ungefähr ankommen lassen, wem [!] aus [ihnen] das Schicksal treffen [werde]".75 Um den Anwesenden „jeden etwa irrig beigebrach- ten Wahn zu benehmen",76 erklärte Schuppler in einer Ansprache die Notwendigkeit und den Zweck der Kontingentsaufstellung: Er begründete den Vor- gang mit dem seit mehr als 20 Jahren wütenden Krieg, durch den Deutschland „nach und nach im- mer unglücklicher"77 geworden, „von dem blühen- den Wohlstande in Armuth [gesunken sei]"7S und aufgehört habe „das zu seyn, was es vor durch Jahrhunderte [gewesen sei]".79 Er stellte Frank- reich als überheblichen Erobererstaat dar, der „in uns jeden Sinn für Freyheit zu ersticken"80 getrach- tet habe, um „dann mit uns gleichwie mit leblosen Werkzeugen den sich vorgesetzten Zweck der Al- leinherrschaft über unseren ganzen Welttheil durchzusetzen".81 Schuppler schilderte im weiteren drastisch die Folgen dieser französischen Politik und mahnte die Anwesenden sich zu erinnern, „welch ausserordentliche Abgaben unser kleines Land drückten, . . . wie oft eure Altern über den Drang der Zeit klagten, wie oft sie ihre Haushaltung 
durch Verkauf sonst nothwendiger Bedürfnisse in Schaden setzten, und sich noch obendrein verschul- den mussten, um den ausgeschriebenen Steuern entsprechen zu können".82 All diese Opfer, so be- tonte Schuppler, waren nicht für den Fürsten oder das eigene Land zu erbringen, sondern für den „übermüthigen Sieger",83 der damit unschuldige, mit ihm verbündete Völker unterjocht habe.84 Der Landvogt erwähnte die Militärverträge von 1806 und 1809, die Liechtenstein von Frankreich aufge- zwungen worden seien gegen einen Monarchen, „den wir alle liebten".S5 Schuppler tönte damit ge- schickt die Beziehung des Fürstenhauses zum österreichischen Kaiser und die gemeinsame Geg- nerschaft zu Napoleon an. „Laut murrten wir dage- gen"86 erinnerte er, die wohl eher seltene und vor allem von ihm behauptete Einmütigkeit von Obrig- keit und Untertanen betonend. Nun habe „Frank- 66) Ebenda. 67) Ebenda. 68) Ebenda. 69) LEA RB, C2, o. N., Protokoll der Kontingentsaufgebote der Gemein- den. 70) LLA RB, C2, o. N., Kontingentsaufgebot 1814, Protokoll vom 13. Jan. 1814 71) Siehe oben Anm. 69. 72) Ebenda. 73) Ebenda. 74) LLA RB. C2, o. N..o. D.; siehe auch Malin, S. 164. 75) Ebenda. 76) Ebenda. 77) Ebenda. 78) Ebenda. 79) Ebenda. 80) Ebenda. 81) Ebenda. 82) Ebenda. 83) Ebenda. 84) Ebenda. 85) Ebenda. 86) Ebenda. 13
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.