Einen weiteren Anlass zu Meinungsverschiedenhei- ten zwischen Menzinger und Schaffer ergab die Klage des Leutnants über das im Schloss unterge- brachte Schankzimmer und die Küferei, die nach Ansicht des Kommandanten störend für den Kaser- nenbetrieb wirkten. Menzinger, der solche Anträge Schaffers „nur seiner Verfolgungssucht"197 zu- schreiben konnte, wies dessen Klage zurück, da es wegen des Schankzimmers „höchstens an Sonn- und Feyertagen" unruhig hergehe, „bis etwa Ab- ends 7 bis 8 Uhr".198 Diese Schankwirtschaft wurde von drei Söhnen des ehemaligen Schlosswartes Karl Dürrmayer geführt, die noch weitere Schloss- güter in Pacht hatten.199 Der Landvogt verteidigte den bestehenden Ausschank mit dem Hinweis, das Schloss sei keineswegs nur ein Militärgebäude und das Mannschaftszimmer sei nur als eine „Quasika- serne" anzusehen.200 Überdies würden die Pächter zusätzlich den Mesmerdienst in der Schlosskapelle versehen und hätten das Morgen-, Mittag- und Abendgebet zu läuten und seien „ruhige, grundehr- liche Naturmenschen".201 „Es wäre sehr zu wün- schen", so berichtete Menzinger gereizt nach Wien, „dass der Lieutnant überhaupt weniger anmassend wäre."202 In Wien wurde die Frage des Schankzimmers im Schloss allerdings anders gewertet, als der Land- vogt dies getan hatte. Fürst Alois II. war der An- sicht, „ein Jedermann offenes Wirthshaus in einem Kasernen Locale [sei] ein Übelstand"203 und die Kü- ferei, die mit dem Ausschänke verbunden war, sei aus dem Schlosse zu entfernen, da sie „weder an- ständig noch der Moralitas des Militärs zusagend" sei.204 Was den noch erforderlichen Ausbau des Raumbe- darfs der Mannschaft anbelangte, so bewilligte der Fürst sowohl ein Spital- als auch ein Magazinzim- mer, die mit „möglichster Kostenschonung" herzu- richten seien.205 Um Platz zu sparen waren die Schlafstellen so einzurichten, dass „bei gewöhnli- chem Stand jeder einzeln schläft, und die Better nur, wenn die ganze Mannschaft einberufen ist, doppelt belegt sind".206 Eine nicht erfüllte Forderung der nächsten Jahre stellten die fehlende „Armatur- und Rüstkammer, 
sowie ein von der gesunden Mannschaft abgeson- dertes Local zum Militär-Spital" dar.207 Schloss Vaduz bildete als Quasikaserne ein „perma- nentes Provisorium" und blieb Unterkunft für das liechtensteinische Kontingent bis zu seiner Auflö- sung 1868. In den Musterungsberichten des Jahres 1842 und der folgenden Zeit wurde den Lokalitäten durchwegs ein gutes Zeugnis ausgestellt und „die gute Ordnung und Reinlichkeit nirgends ver- misst".208 1 84 7 wurde nach einer Visitation den Kasernen-Localitäten sogar eine „musterhafte Ord- nung und Reinlichkeit" bezeugt.209 Der Entscheid, Schloss Vaduz als Kaserne zu benut- zen, bot sich sozusagen von selbst an und stellte bei dem ausgeprägten Sparwillen aller Beteiligten eine willkommene Lösung dar. Ausserdem hatte das Schloss schon früher den aufgebotenen Soldaten als Unterkunft gedient, so dass 1836 nur eine schon vorher geübte Tradition weitergeführt worden ist.210 SCHWIMMSCHULE Schwimmunterricht gehörte zum Ausbildungspro- gramm des Jägerkorps. Da eine sogenannte Schwimmschule, d.h. ein Schwimmlehrbecken, in Liechtenstein nicht vorhanden war, beantragte das Oberamt schon 1837 „die Errichtung eines Bade- platzes ... v. a. zur Abrichtung der Mannschaft zum schwimmen".211 Als möglicher Standort dieses Ob- jekts wurde vom Oberamt der „Ausfluss des St. Ka- tharinenbaches in den Rhein" oberhalb Triesens vorgeschlagen.212 Dies schien dem Oberamt der ge- eignetere Platz zu sein als der ebenfalls erwähnte „leere Teich im langen Akker",213 der südlich des Schlosses Vaduz gelegen war. Dieser Standort wur- de vom Oberamt wegen der Gefahr eines bestehen- den Wasserdurchbruchs abgelehnt. Die Schwimm- schule wurde von Blaudek 1840 erneut in Erinne- rung gerufen.214 Nach ihm war für die Ausbildung des Soldaten, vor allem aber des Jägers, Schwimm- unterricht unumgänglich notwendig. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz hatte man auch den Rhein als möglichen Standort für eine Schwimm- 164
        

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