QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 AUSRÜSTUNG UND AUSBILDUNG ses Vaduz, das vom Oberamt als kostengünstige Kaserne betrachtet wurde, ergab allerdings, dass dieses sich in einem sehr schlechten Zustande be- fand. Die Kosten für die Instandstellung einiger Zimmer würden etwa zwei Drittel der Ausgaben für einen Neubau ausmachen, schätzte das Oberamt. Die zweckmässigste Lösung sah man deshalb in der Errichtung eines eigenen Gebäudes für die Unter- bringung der Mannschaft und des Offiziers. Das Oberamt erstellte in seinem Vorschlag einen Raum- plan187, der für den Offizier zwei Zimmer, eine Schlafkammer, eine kleine Küche und einen ange- messenen Keller vorsah. Für die Mannschaft, auf 83 Mann inklusive Reserve berechnet, wurde fol- gender Raumbedarf errechnet: drei Zimmer, eine Küche, ein Gemach für den Oberjäger, eine Wach- stube, ein Kanzleizimmer, ein Spitalzimmer, ein Arrestlokal, ein Holzmagazin, ein Montursmagazin, ein Brunnen beim Gebäude. Leutnant Schaffer be- antragte sogar, dass dieser Neubau für die doppelte Zahl, also für zwei Offiziere und 166 Soldaten er- stellt werden sollte. Diese Forderung erschien aller- dings dem Oberamt zu hoch und eine „diesfällige gesetzliche Bestimmung" sei ihm nicht bekannt.188 Die Grosszügigkeit, mit der Leutnant Schaffer die Militärunterkünfte plante, kann wohl nur seiner Unerfahrenheit mit den liechtensteinischen Ver- hältnissen zugeschrieben werden. Der unterbreite- te Vorschlag eines Kasernenneubaues wurde in der Entscheidung aus Wien gar nicht mehr erwähnt. Der offizielle Beschluss lautete, dass vorderhand lediglich für eine „Quasikaserne" für 55 Mann zu sorgen sei, in der auch zwei Unteroffiziere wohnen sollten.189 Für den Leutnant war die Unterkunft ebenfalls im Schloss oder in der Nähe vorgesehen. Als Sofortmassnahme wurde von der Llofkanzlei die Weisung herausgegeben, für 25 Mann ein be- heizbares Zimmer im Schloss Vaduz herzurich- ten.190 Es war beabsichtigt, vorerst lediglich 25 Mann einzuberufen, damit der Leutnant sich nicht plötzlich, nur von zwei bis drei Unteroffizieren un- terstützt, gegenüber 50 oder gar 80 „an gar keine Ordnung gewöhnte Rekruten" befinde.191 Schaffer, der mit der Einrichtung einer geeigneten Lokalität beauftragt wurde, meldete, dass die Arbeiten bis 
Ende April dauern würden. Nach der Beschreibung Schaffers herrschten im Innern des Schlosses aller- dings bedenkliche Zustände: „[Und] Endlich müsste das Schloss auch bei zeiten von dem ungeheuren Unrathe welcher sich innerhalb der Mauer ange- häuft befindet, entweder durch die jetzigen nach- lässigen Bewohner desselben oder aber durch Tag- löhner gereinigt werden, damit es nicht auch in die Zukunft mehr einem zerstreuten Missthaufen ... als einer menschlichen Behausung gleich sehe."192 Gleichzeitig beantragte Schaffer für die Unterbrin- gung der Gewehre einen Raum zur Verfügung zu stellen, der „nicht feicht, [und] von Mäussen und Ratzen ganz frey" sei.193 Im weiteren ersuchte Schaffer das Oberamt, für eine Wachstube zur Si- cherheit der Kaserne, einen Gewehrschrank für un- gefähr 12 Stutzen sowie „für einen Magenent- lehr[!]ungsort" zu sorgen.194 Er schlug auch vor, nach Abschluss der Arbeit an der Einrichtung des einen Zimmers, das zweite Zimmer über dem er- sten als Unterkunft herzurichten.195 Bis 1837 wurden drei Mannschaftszimmer im Schloss eingerichtet, was nach Meinung Menzin- gers genügend Raum bot. Dies war, wie Menzinger sarkastisch beifügte, allerdings nur unter der Vor- aussetzung möglich, dass „die Bettstätten zweck- mässig gestellt, und die Soldaten nicht vom Com- mandanten als Cavaliere angesehen werden wol- len".196 185) LLA RC 27, B, Nr. 8853, UKW an OA, 17. Dez. 1835. 186) Ebenda, Nr. 22. OA an Fürst, 24. Jan. 1836. 187) Ebenda. 188) Ebenda. 189) Ebenda, Nr. 877, HKW an OA, 1. Febr. 1836. 190) Ebenda. 191) Ebenda. 192) Ebenda. Nr. 98. Schaffer an OA, 2. März 1836. 193) Ebenda. 194) Ebenda. 195) Ebenda. 196) Ebenda, A, Nr. 468, OA an Fürst, 9. Nov. 1837. 163
        

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