QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 AUSRÜSTUNG UND AUSBILDUNG die eigentliche Schuldfrage in der Dornstutzenaffai- re des Badener Ausmarsches ungeklärt, sie wird wohl auf mehrere Schultern verteilt werden müs- sen. Diese Ansicht wurde auch von Amtsvorsteher, Kommandant und Offizieren als Resultat der Unter- suchung der wieder nach Vaduz gelangten Stutzen festgehalten. Als Ergebnis wurde dem Fürsten nach Wien der Befund mitgeteilt, dass diese Gewehre „teils durch übereilte und unzweckmässige Herstel- lung vor dem Ausmarsche .. . und teils durch ihren Gebrauch im Felde allerdings sehr reparaturbe- dürftig" geworden seien.142 Ein „geschickter Büchsenmacher" nahm die Repa- ratur der „sonst sehr guten Waffen" nach österrei- chischen Tarifen vor.143 Die Waffen wurden laut Bericht des Regierungsamtes wieder vollkommen brauchbar.144 Der Kommandant hielt die alten Ge- wehre für ein leichtes Schützenkorps sogar für bes- ser geeignet als die neuen, aber schweren „Wild'schen Büchsen".145 Nach dieser aufregenden Episode ruhte die Waffen- frage für die nächsten Jahre. Das Jahr 1859 brach- te, wie schon bei der Neuuniformierung, wieder Bewegung in die Szene. Da „bei den gegenwärtigen Verhältnissen eine Kriegsbereitschaft in Aussicht" stehe, müsse auf eine „Vervollständigung der Schusswaffen" geachtet werden,146 meinte Menzin- ger im April 1859. Als erste Massnahme wurde wieder eine Umände- rung von im Gebrauch stehenden Gewehren ins Auge gefasst. Diesmal wurden die 1849 erworbe- nen 50 „Wild'schen Büchsen" in der württembergi- schen Waffenfabrik in Oberndorf nach dem Minie- system umgeändert. Das Minie-Geschoss, benannt nach seinem Erfinder, einem französischen Offi- zier, war ein Vorderladergeschosstyp. Wie beim Dornstutzen sollte diese Weiterentwicklung der Perkussionszündung das hinderliche Kugelpflaster umgehen. Im Gegensatz zum Dornsystem wurde nicht mehr ein Stahlstift im Lauf eingesetzt, son- dern das Geschoss selbst verändert. Dazu wurde die Geschossbasis „derart stark ausgehöhlt, dass durch Zusammenwirken von Gasdruck und Ge- schossträgheit das Geschoss an seinem hinteren Teil eine starke Ausweitung und damit Führung" 
erfuhr.147 Das Resultat dieser Konstruktion war eine Verbesserung der Reichweite und der Treffsi- cherheit. Ein weiterer Vorteil dieses Typs war, dass „die Ladung fast drei Mal so schnell ging als bei den Wildischen Läufen".148 Der Nachteil lag nach An- sicht des Regierungsamtes darin, dass sie „sehr viel Sorgfalt beim Laden" brauchten, und „für den Mann im Feld nicht sehr praktisch" waren.149 Nach einer Zusammenstellung, die Kommandant Rheinberger dem Regierungsamt vorlegte, bestand die Bewaffnung des Kontingents Ende 1859 aus folgenden verschiedenen Gewehren:150 126) UA RC 27, F2, ad 176, RAV an Fürst. 12. April 1849. 127) Ebenda, Nr. 318, RAV an Fürst. 19. Juli 1849. 128) Ebenda, Dl, ad 528, RAV an Fürst. 28. Nov. 1849. 129) Ebenda. 130) Ebenda. F2. Nr. 75. Bat.-Commando an RAV. 27. Juni 1849. 131) Ebenda, ad 289/318, RAV an Bat.-Commando, 6. Juli 1849. 132) Ebenda. 133) Ebenda. 134) Ebenda, ad 273, RAV an Bat.-Commando, 31. Mai 1849. 135) Ebenda, königl. würtemberg. Gewehrfabrik an Bat.-Commando, 18. Juli 1849. L36) Ebenda. 137) Ebenda. 1.38) Ebenda, o. N., Kont.-Commando an Bat.-Commando, 27. Aug. 1845. 139) Ebenda. 140) Ebenda, o. N., Bat.-Commando an RAV, 28. Aug. 1849. 141) Ebenda, ad 289/318. RAV an Bat.-Commando, 6. Aug. 1849. 142) Ebenda, Dl ad 256, RAV an Fürst, 5. Juli 1850. 143) Ebenda. 144) Ebenda. 145) Ebenda. 146) Ebenda, Nr. 432. RAV an Hauptzollamt Feldkirch, 4. April 1859. 147) Lampel/Mahrholdt, S. 257. 148) LLA RC 27, Fl, ad 298, RAV an Fürst, 8. März 1859. 149) Ebenda. 150) LLA AS 34/2, Correspondenz-Geschäftstagebuch, Nr. 11. 19. März 1860. 157
        

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