QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS MILITÄRKONTINGENT 1814 UND 1815 Oberamt am Bestehen der Kriegsbegeisterung sei- ner Untertanen gewisse Zweifel hegte, zeigte sich auch an dem warnenden Hinweis an die Gemein- den, dass „den sich etwa flüchtig machenden oder nicht erscheinen wollenden im vornhinein zu be- deuten [sei], dass sie sich der grössten Verantwor- tung aussetzen, und dass ihr schon besitzendes oder noch etwa erhoffendes Vermögen konfisziert werden würde".55 Wahrlich keine Bedingungen, die eine zustimmende Begeisterung der Bevölkerung erwarten lassen. Die an den folgenden Tagen durchgeführten Aushe- bungsvorgänge zeigen, dass das Oberamt die Lage recht realistisch eingeschätzt hatte. Die Konskrip- tionen56 begannen in Balzers am Nachmittag des 10. Januar 1814.57 Nach Verlesung der fürstlichen Resolution durch den Herrn Pfarrer erklärte die versammelte Bürgerschaft, sie sei bereit, die ver- langten Truppen zu stellen, „wenn nur ihr gnädig- ster Landesfürst sie bey der alten und von dero hochseiligen Voreltern der Landschaft und Gemein- den garantierte Recht und Gerechtigkeit in zu Kunft belassen würde".58 Dieses Verhalten der Balzner zeigt, dass der sechs Jahre vorher erfolgte „Um- sturz von oben"59 noch nicht verwunden war und die liechtensteinische Bevölkerung jede Gelegenheit nutzte, ihre alten Rechte zurückzufordern. Als weiteren Einwand brachten die Balzner vor, die „Unterhaltung der Condigentz Mannschaft im Rhei- nischen buntt"60 habe sie in den verflossenen Jah- ren viel gekostet; sie gaben weiters der Befürchtung Ausdruck, die neu auszuhebende Mannschaft wer- de sie noch mehr kosten. Sie zeigten auch die Be- reitschaft zu zahlen, soviel ihre „äussersten Kräfte es erlauben",61 wenn nur der Landesfürst sie in Zukunft von den neuen Auflagen wie Sterbegeld, Heiratstaxen, Stempeltaxen, Konsumzoll und der- gleichen befreien würde.62 Man wollte also nicht nur die alten Rechte wieder einführen, sondern mö- glichst die unbeliebten, vor allem mit Abgaben ver- bundenen Neuerungen wieder aufheben. Nachdem in Balzers die Aushebung „wenn gleich mit Widersprüchen und Murren, doch ohne alle Wi-dersetzlichkeiten"63 
vorgegangen war, Lessen die Triesner Gemeindevertreter vier Tage später ver- lauten, dass sie und ihre „Knaben" gar nicht er- scheinen würden; das Oberamt musste den ganzen Vormittag vergebens auf sie warten.64 Auch der Befehl des Amtes an die Gemeinde, sogleich mit den Lospflichtigen zu erscheinen, hatte lediglich den Auftritt einiger Gemeindedeputierter in Vertre- tung der Militärpflichtigen zur Folge. Diese brach- ten vor, „dass die Buben nicht anders kommen wer- den als wenn man die Gemeinde bei alten Rechten und Gerechtigkeiten belasse und wenn man die le- digen Purschen bis zum 40. Jahre ins Loos neh- men" werde.65 Darüber hinaus verlangten sie noch 41) Ebenda, Art. 10. 42) Ebenda, Art. 12. 43) LLA RB, C2, o. N., 0A an Fürst, 13. Febr. 1814. 44) Ebenda. 45) Siehe oben Anra. 36. Art. 15. 46) LLA RB, C2, Kontingent 1814. o. N., OA-Protokoll vom 10. Jan. 1814. 47) Ebenda. 48) Ebenda. 49) Ebenda. 50) Ebenda. 51) Ebenda. 52) Ebenda. 53) Ebenda. 54) Ebenda. 55) Ebenda. 56) Aushebung zum Militärdienst. 57) LLA RC 27, H2, o. N. Balzner Ortsrichter an OA, 12. Jan. 1814. 58) Ebenda. 59) Malin, S. 30 ff. 60) Siehe oben Anm. 57. 61) Ebenda. 62) Ebenda. 63) LLA RB, C2, ad. 124 pol., OA an II KW, 17. Mai 1814. 64) Ebenda. 65) Ebenda. 11
        

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