QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 AUSRÜSTUNG UND AUSBILDUNG schehen" hätten.7" Das Regierungsamt doppelte nach und meldete nach Wien, man könne zwar die Mannschaft im Lande noch aufstellen und einüben, so miserabel die Uniformen auch seien. Allein an ein Ausrücken ohne neue Uniformen sei nicht zu denken.71 Das Regierungsamt versuchte auch, dem Fürsten die Entscheidung dadurch schmackhafter zu machen, dass es ihn daraufhinwies, er sei nicht verpflichtet, auf Gleichheit der Uniformen zu sehen, da die liechtensteinischen Jäger ein „abgeschlosse- nes Ganzes" bildeten und nun als solche „bald die- sem, bald jenem grösseren Corps zugeteilt zu wer- den die Bestimmung" hätten.72 Nach § 36 der Kriegsverfassung des Bundes genügte es, bemerkte das Regierungsamt zu Recht, ein gemeinsames Er- kennungszeichen zu haben.73 Die Zahl der für das Kontingent noch verwendba- ren Uniformen nahm ständig ab. An die ältere Mannschaft konnten ab 1855 anstelle der Unifor- men nur noch die vorhandenen Gradelröcke ausge- liehen werden, welche einen Einsatz nur nach Ein- tritt der wärmeren Witterung erlaubten. An eine vollständige Ausbildung mit Ausmärschen, Para- den, Biwakieren und dergleichen war mit der be- stehenden Bekleidung nicht zu denken.74 1 8 56 be- merkte ein Bericht des Regierungsamtes resigniert, „dass sich noch ein einziger tragbarer Uniform vor- finde, und daher eine höchste Bestimmung, wie das fürstliche Contingent uniformirt werden solle, drin- genst nöthig wäre".75 Wegen fehlenden Uniformen war nach Aussage des Regierungsamtes ein Einsatz des Kontingentes ab 1856 nicht mehr möglich, was sich „sehr herabdrükend für den militärischen Geist des Corps, welches sich so ganz unbeachtet sehen" müsse, auswirke.76 Die Möglichkeit eines militärischen Einsatzes des liechtensteinischen Kontingents zeichnete sich in den 50ern Jahren des 19. Jahrhunderts zweimal ab. Beide Male blieb es aber bei der Erwägung eines Einsatzes. Der eine Anlass einer Einberufung der Truppen war wegen des sogenannten „Neuen- burger Handels" zwischen Preussen und der Schweiz gegeben.77 Eine eventuelle Grenzsperre gegenüber der Schweiz wurde vom Bund aus erwo-gen. 
Das Regierungsamt wies darauf hin, dass das Kontingent nicht in der Lage sei, „einer etwa erge- henden militärischen Anforderung entsprechen zu können".78 Gleichzeitig gab dieser Anlass dem Re- gierungsamt Gelegenheit zu belegen, dass eine Uni- formierung auch deswegen unerlässlich sei, weil das Kontingent nicht selten auch „zu Executionen, zu Feierlichkeiten u.d.g." gebraucht werde, die dann unterbleiben müssten. Überhaupt könne das Kontingent zu inneren Diensten nicht verwendet werden, was auf das Ganze einen „widrigen Ein- druck" mache und nicht nur das militärische Insti- tut lächerlich hinstelle, sondern auch allen „militä- rischen Geist erdrücke".79 Diese Schilderung des Zustandes der Truppen wird bestätigt durch die Musterungsberichte des Bundes aus den Jahren 1853 und 1858. Liechtenstein hatte 1853 beantragt, der Bund möge auf eine Inspizie- 58) Ebenda. 59) Oberst v. Hayn, Kommandant des königl. Württembergischen 2. Infanterie Regimentes. 60) LLA RC 27, F2, Nr. 290. Bat.-Commando an RAV, 21. März 1849. 61) Ebenda, Fl, Nr. 120, RAV an Fürst, 31. März 1849. 62) Siehe oben S. 78 f. 63) Siehe oben Anm. 61. 64) Ebenda. 65) Ebenda. 66) Ebenda. 67) Ebenda. 68) Ebenda. Nr. 3821, HKW an RAV, 14. Juli 1852. 69) Ebenda, Nr. 288, Kont.-Kommandant an RAV, 28. April 1854. 70) Ebenda, Nr. 72, Kont.-Kommandant an RAV, 3. Febr. 1855. 71) Ebenda, ad 230, RAV an Fürst, 12. März 1855. 72) Ebenda. 73) Ebenda. 74) Ebenda, ad 279, RAV an Fürst, 27. März 1855. 75) Ebenda, Nr. 90, RAV an Fürst, 15. Jan. 1856. 76) Ebenda, Nr. 255, RAV an Fürst, 26. Febr. 1856. 77) Zum Neuenburger Handel siehe P. Dürrenmatt, S. 536 ff. 78) LLA RC 27, Fl, ad 1149, RAV an Fürst. 28. Dez. 1856. 79) Ebenda. 147
        

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