QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS KONTINGENT IM ALLTAG die Stellung der Rekruten nicht ganz in Ordnung" sei.284 Das heisst, dass man zuerst mindestens ei- nen Teil der Rekruten ausgebildet und unter Kon- trolle haben wollte. Bei eventuellen Widersetzlich- keiten, so überlegte Fürst Johann L, „könnten die 25 Mann schon eine Hilfe sein".285 Man befürchtete in Wien, die Erhöhung der Salzpreise lasse „grosse Unzufriedenheit besorgen".286 Diese Erhöhung ei- nes so wichtigen Produktes um mehr als 50% stiess auch bei den meisten Gemeinden auf Ablehnung. Lediglich der Richter von Ruggell liess das Oberamt wissen: „Und es wird Warscheinlich diese Gemein- de, nicht bloss diese Verordnung Respektiren, son- dern sich fest daran halten."287 Die enorm gestiegenen finanziellen Forderungen für das Militär brachten einige Unannehmlichkei- ten für Volk und Verwaltung. Der Streit zwischen Kommandant Schaffer und Landvogt Menzinger um die Frage, wie hoch der Locostand des Kontin- gents sein müsse,288 ist von Seiten Menzingers vor allem auch aus finanziellen Erwägungen geführt worden. In den Bemerkungen zur Berechnung der Staatsausgaben für das Jahr 1837 stellte Menzinger fest, dass diese auf die „in Friedenszeiten noch nie erreichte Summe von 9917 Gulden 323A Kreuzer" geklettert seien.289 Der Anteil für das Bundeskon- tingent machte mit 4941 Gulden und 13 Kreuzern fast genau die Hälfte der Staatsausgaben aus. Die den Landständen 1837 als Postulat vorgelegte Summe belief sich auf 5213 Gulden und 27 Kreu- zer.290 Dem Oberamt wurde von Wien aus klar ge- macht, dass auf die Durchsetzung dieses Postulats „kräftig und entscheidend hinzuwirken" sei und „auf keinen Fall eine Verweigerung gestattet wer- den" dürfe.291 Die wichtigsten Ausgabeposten der Militärrech- nung pro 1837 setzten sich aus folgenden Beträgen zusammen:292 Verpflegung der Mannschaft inklusiv der Gage des Leutnants 
3963 
fl. 21 
kr. Gelieferte Ware 
602 fl. 59 
kr. Ärztliche Behandlung durch Dr. Grass 60 fl. 38 
kr. Arzneimittel durch Dr. Schädler 18 fl. 
Der Landvogt versuchte verständlicherweise die Auslagen vor allem durch Kürzung der grösseren Rechnungsposten zu verringern. Er konzentrierte sich dabei vorwiegend auf die grösste Summe, nämlich die Verpflegung der Mannschaft. Seine Be- rechnung der Kosten für die Löhnung und Verpfle- gung der einzelnen Chargen auf die Dauer eines Jahres kam auf folgende Zahlen:293 1 Sergeant 153 II 63 kr. 1 Korporal oder Trompeter 135 
fl. 21 kr. 1 Gefreiter oder Gemeiner 89 
II 40 
kr. Dies ergab, auf 30 Tage umgerechnet, eine monatli- che Ausgabe für das ganze Korps von 425 Gulden 2701 Siehe dazu Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 353 IT. 271) Hbenda, S. 354. 272) Hbenda. Anhang S. 233 ff.; siehe auch Vogt, Verwaltungsstruk- tur, S. 78 ff. 273) LLA RC 27, B, Nr. 89, OA an HKW. 29. Jan. 18.34. 274) Ebenda. 275) Ebenda, Nr. 72, OA an Rentamt, 12. Febr. 1836 und 2. Mai 1836. 276) Ebenda, Dl, ad 212, Verkommnis zwischen Anton Rheinberger und Oberamt. 11. Aug. 1836. 277) Ebenda, Punkt 2. 278) Ebenda, Punkt 4. 279) Ebenda, Kündigung, 15. März 1839. 280) Ebenda, B, ad 279, OA an Fürst, 17. Juni 1836. 281) Ebenda. 282) Siehe Quaderer, S. 72 f. 283) \.\A RC 27, B, Nr. 10254, HKW an OA, 18. Dez. 1836. 284) Ebenda, Nr. 877, HKW an OA, 1. Febr. 1836. 285) Ebenda, Beschluss des Fürsten. 286) Ebenda, Weisungen der HKW. 287) Hbenda, o. N„ Ruggeller Richter an OA, 12. Jan. 1837. 288) Siehe S. 106 ff. 289) LLA RC 27, A, ad 519, OA an Militärkommando, 24. Jan. 1838. 290) Ebenda, Nr. 9609, HKW an OA, 12. Dez. 1837. 291) Ebenda. 292) Ebenda, Nr. 519. OA an Fürst. 17. Febr. 1838. 293) Ebenda. 133
        

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