QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS KONTINGENT IM ALLTAG gen 40 fl. mussten ihm am Ende der sechsjährigen Dienstzeit „ohne Zinsanspruch" bezahlt werden. Von den „Knaben"185 in Vaduz konnte Kaiser zu- sätzlich noch sechs Kreuztaler186 einziehen. Dieser Vertrag zeigt beispielhaft, wie sozial schwächer ge- stellte Personen derartige Abkommen abschlössen, um auf diesem Weg in den Genuss bestimmter poli- tischer Rechte zu kommen. Äusserungen aus dem Jahre 1831 bezeugen, dass z.T. auch auf andere, wie etwa Fremde, Druck ausgeübt wurde.187 Daneben gab es auch Verträge wie etwa zwischen Johann Georg Hasler und Franz Joseph Hasler, bei- de aus Gamprin. Johann Georg versprach dem Franz Joseph 100 Gulden, ein Paar neue Schuhe und ein Paar Gamaschen,188 wenn er für ihn als Kontingentsmann eintrete. Ab 1836 wurden solche Verträge auf vielfältige Art mit den verschiedensten Bedingungen abgeschlos- sen. Die Standesliste von 18 36189 zeigt, dass von den 55 Mann Linientruppen 24 einen Einstands- mann verpflichteten, was immerhin einem Anteil von 43% entsprach. Die bezahlten Einstandssum- men bewegten sich von 0 Gulden, einem Vertrag zwischen zwei Brüdern, bis auf 400 Gulden. Diese Summe bekam Josef Anton Hilti, Sergeant, geboren 1802, der acht Jahre in holländischen und zwei Jahre in neapolitanischen Diensten gestanden hatte, für sechs Jahre Einstandszeit bezahlt. In Mauren und Eschen verpflichtete sich je ein Ein- steher für die Gemeinde den Dienst zu leisten; dafür sagten ihnen diese Gemeinden die Aufnahme in das Bürgerrecht zu.190 Die in der Standesliste 1836 als deponiert angege- bene Summe belief sich insgesamt auf 4051 fl. und 42 kr., eine bei der bekannten Armut des Landes sehr hohe Summe. Als Vergleich zu den bezahlten Einstandsgeldern seien folgende Zahlen genannt: Das Jahresgehalt des Landvogtes betrug 1000 Gul- den, das des Schlossküfers 162 Gulden; der Tag- lohn eines Handlangers belief sich 1835 auf 36 Kreuzer, ein Pfund Butter kostete 17 Kreuzer.191 1837 übernahm ein Einsteher die volle Kapitulati- onszeit von sechs Jahren für die Summe von 340 Gulden192. Davon wurden 40 Gulden sofort als 
Handgeld ausbezahlt, der Rest war nach Bedarf in Raten zu bezahlen, wobei der Einsteller noch einen Zinssatz von 2 % bis 5 % zu leisten hatte. Sollte der Einsteher infolge eines Krieges einberufen werden, so hatte der Einsteller den Dienst selbst zu leisten, bezahlte dafür aber auch nur „pro rata temporis", d.h. für den wirklich geleisteten Ersatzdienst. Wur- de der Einstandsmann aus eigenem Verschulden dienstuntauglich, so hatte er die Einstandssumme verwirkt. Für den Einstandsbetrag in der Höhe von 300 Gulden bürgte der Vater des Einstellers mit Haus und Stall samt Garten, Acker, Weingarten, Streumahd, Gemeindeteil, was zusammen einen Gesamtwert von 1822 Gulden ausmachte; Haus und Stall alleine wurden auf 700 Gulden geschätzt.193 Eine andere Vertragsvariante war, dass ein Militär- pflichtiger, der in die Schweiz zur Arbeit ging, für den Fall seiner Einberufung ins Kontingent wäh- rend seiner Abwesenheit einen tauglichen Ersatz- mann stellte, dem er pro Tag geleisteten Dienst 175) LLA RC 27, B, Nr. 22, OA an Fürst, 24. Jan. 1836. 176) Ebenda. 177) Ebenda. 178) Ebenda. 179) Ebenda, Nr. 877, HKW an OA, 1. Febr. 1836. 180) Ebenda, Nr. 1682, HKW an OA, 26. Febr. 1836. 181) Siehe Huber I, S. 612. 182) Siehe S. 10 ff. und S. 26 ff. 183) LLA RC 27, H2. o. N„ Kontingentsliste von 1831. 184) Ebenda, o. N., 11. April 1831. 185) Ebenda. 186) 1 Kreuztaler entsprach 2 fl. und 42 Kr. R. W. 187) Siehe Quaderer. S. 78. Anm. 136. ebenfalls S. 94. 188) LLA RC 27, 112, o. N„ Gamprin, 15. Jan. 1832. 189) Ebenda, Standesliste 1836. 190) Ebenda. 191) Ospelt, Wirtschaftsgeschichte. Anhang, S. 266 f. 192) LLA RC 27, B, Einstellungsvertrag zwischen Franz Joseph Kie- ber, Einsteller, Mauren und Johann Beck, Einsteher, Vaduz, 5. Apr. 1837. 193) Ebenda. 119
        

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