QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS MILITÄRKONTINGENT 1814 UND 1815 Das liechtensteinische Militärkontingent während der Befreiungskriege von 1814 und 1815 DIE ALLGEMEINE MILITÄRPOLITISCHE ENTWICKLUNG NACH 1813 Nach dem militärischen Fiasko Napoleons als Folge seines Russlandfeldzuges, in dem auch die Kontin- gente der Rheinbundstaaten grösstenteils in den Schneefeldern Russlands zugrunde gegangen wa- ren, formierte sich der Widerstand gegen ihn immer deutlicher.1 Seit der Erhebung Preussens durch die Konvention von Tauroggen vom 30. De- zember 1812 wuchs die gegen Napoleon gerichtete Allianz ständig an und fand ihren ersten Höhepunkt in der Auflösung der österreichischen Allianz mit Napoleon am 11. April 1813. Trotz vorübergehen- der militärischer Erfolge Napoleons schwenkte Österreich unter der politischen Führung Metter- nichs in die Front gegen Frankreich ein, setzte sich an die Spitze der Koalition und erklärte am 11. August 1813 Frankreich den Krieg.2 Die Verträge von Teplitz vom 9. September 1813 hatten die Auf- lösung des Rheinbundes und die Garantie der Un- abhängigkeit der süddeutschen Staaten zum Ziel.3 Mit dem Vertrag von Ried vom 8. Oktober 1813 zwischen Österreich und Bayern wurde der Hebel zur Auflösung des Rheinbundes angesetzt. Die süd- deutschen Staaten beeilten sich, mit Österreich Ver- träge nach bayerischem Muster abzuschliessen, um ihre staatliche Existenz zu sichern. Die Völker- schlacht von Leipzig im Oktober 1813 leitete die endgültige Wende ein: Der Rheinbund zerfiel, nicht zuletzt auch als Folge der diplomatischen Tätigkeit Metternichs. Die Weigerung Napoleons, das Ange- bot Metternichs anzunehmen, einen Frieden auf der Grundlage der natürlichen Grenzen zu schlies- sen, bedeutete die Fortführung des Krieges. In ei- nem drei Monate dauernden Feldzug wurde Napo- leon militärisch niedergerungen und nach dem am 31. März 1814 erfolgten Einmarsch der Alliierten in Paris zur Abdankung gezwungen.4 Der Friede von Paris vom 30. Mai 1814 schloss die erste Episode der Befreiungskriege ab.5 Wie wirkte sich dieser Kampf der Grossmächte um die Vorherrschaft in Europa auf Liechtenstein aus? Welches waren insbesondere die Konsequenzen, die sich in bezug auf die militärischen Forderungen 
der Alliierten an Liechtenstein ergaben? Welchen Preis hatte Liechtenstein für seinen Übertritt vom Rheinbund in das Lager der Alliierten zu bezahlen? Die Antworten auf diese Fragen sollen im folgenden gesucht werden. Bereits als Mitglied des Rheinbundes hatte Liech- tenstein die Verpflichtung auferlegt bekommen, ein Truppenkontingent von 40 Mann zu stellen.6 Gegen die Bezahlung einer Pauschalsumme hatte das Her- zogtum Nassau sich verpflichtet, für Liechtenstein die Truppenstellung zu übernehmen. In zwei Mili- tärverträgen7 von 1806 und 1809 wurden die Ein- zelbestimmungen geregelt. Für Liechtenstein be- gannen damit „Jahre schwerster finanzieller Op- fer".8 Am 10. November 1813 wurden liechtenstei- nischerseits die Zahlungen für das Kontingent ein- gestellt, der Bruch mit dem Rheinbund war damit faktisch vollzogen.9 Offiziell wurde dies nachgeholt mit dem Vertrag vom 7. Dezember 1813 zwischen dem Kaiser von Österreich und Fürst Johann L: Dieser entsagte dem Rheinbund und „versprach, die gemäss einem separaten Vertrag zu stellenden Truppen aufzubieten".10 Als Gegenleistung bekam Liechtenstein die Garantie seiner Souveränität zu- gesichert. In den deutschen Staaten hatte sich inzwischen nach dem Schock der Niederlagen in den Kämpfen gegen die Heere Napoleons nach anfänglichem Zö- gern der Gedanke der LIeeresreform durchgesetzt. In Österreich war es vor allem Erzherzog Karl, in Preussen war es Scharnhorst, die gegen z.T. hart- näckige Widerstände und Befürchtungen ihre Auf- fassung vom reformierten LIeer durchsetzen konn- 1) Gebhardt III, S. 74. 2) Ebenda, S. 78. 3) Ebenda. S. 80. 4) Ebenda. S. 83. 5) Literatur dazu siehe Malin. Gebhardt etc. 6) Malin, S. 149. 7) Ebenda, S. 155. 8) Ebenda. 9) Ebenda, S. 159. 10) Ebenda, S. 161.
        

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