QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS KONTINGENT IM ALLTAG Als weiterer typischer Vorfall sei der Rekurs von Joseph Müssner aus Gamprin erwähnt. Er erhob 1851 Einspruch gegen die Einberufung seiner bei- den Söhne. Müssner fragte, „auf welche Rechts- grundlage hin die zwei einzigen Söhne eines Vat- ters im gleichen Jahr zur Losung gezogen werden" könnten.162 Müssner konnte auch nicht verstehen, dass für seinen ersten Sohn, der seiner Auffassung nach untauglich war, der zweite als Ersatzmann eintreten musste. Als weitere Begründung erwähn- te er die schwierige familiäre und wirtschaftliche Situation. Müssner bezeichnete sich als einen ar- men Mann, „dessen Frau schon for mehreren Jah- ren gestorben" sei.163 Der ältere Sohn, der an Epi- lepsie leide, sei auch keine Stütze für ihn und wenn ihm der zweite Sohn auch noch entzogen werde, so sei seine Existenz „bereits mehr unmöglich".164 Müssner berief sich ebenfalls auf das liechtensteini- sche Rekrutierungsgesetz, welches er „durchaus nicht als zurückgerufen"165 betrachtete. Auch über den Ausgang dieses Rekurses ist keine Aussage in den Quellen zu finden. Die zeitliche Befreiung vom Militärdienst war ein ständiges Problem für die Betroffenen, und zwar sowohl für das Amt als auch für die Gesuchsteller. Das Amt hatte einerseits die Pflicht, dafür zu sor- gen, dass genügend Militärpflichtige im Land anwe- send waren, andererseits war in diesem Lande die Verdienstmöglichkeit nicht für alle gegeben. Es wurden aber Ausweg aus diesem Dilemma gesucht und gefunden. So beschloss das Oberamt z. B., dass ein Militärpflichtiger einen Pass ins Ausland be- kommen konnte, wenn er die finanziellen Garanti- en zu bieten vermochte, dass im Bedarfsfalle für ihn ein Ersatzmann gestellt werden konnte. So be- kam Johann Franz Eberle 1842 die Erlaubnis, in Stuttgart eine Arbeit anzunehmen. Als Bedingung wurde aber verlangt, dass sein Vater 400 Gulden sicherstellte. Diese Summe war im Grundbuch zu intabulieren und wäre dann zur Bezahlung eines Ersatzmannes verwendet worden, wenn Eberle beim Losen verloren hätte und nicht angetreten wäre.166 Einen anderen Aspekt des Militärdienstes zeigt die Entlassung des Scharfschützen Ferdinand Willam 
aus Vaduz. Willam wurde wegen chronischer Lun- genentzündung als invalid erkannt und 1842 aus dem Militär entlassen.167 Er bat nun darum, beim Kontingent bleiben zu dürfen, „bis sich sein Zu- stand so weit gebessert haben würde, dass er seine Existenz selbst fristen könnte".168 Vier Wochen später entschied das Oberamt, dass Willam endgül- tig zu entlassen sei, da er nach Aussagen des Arztes „soweit hergestellt, dass keine weitere Besserung mehr zu erwarten" sei.169 Willam wurde vom Amt 142) Siehe Büchel, S. 3S3. 143) LLA RC 27. A. Nr. 198. OA an Fürst. 18. Mai 1839. 144) Ebenda. 145) Ebenda. 146) Ebenda. 147) Ebenda. 148) LLA SF Militärakten 1832-1849, Nr. 6477, HKW an OA, 27. Juni 1839. 149) Ebenda. 150) Ebenda. 151) Ebenda. 152) Ebenda. 153) LLA RC 27, A, ad 427. OA an Ortsgericht Ruggell, 4. März 1840. 154) Siehe oben S. 93. 155) Siehe oben Anm. 153. 156) LLA RC 27, Dl, Nr. 164, F. J. Öhri an RAV, 10. Apr. 1849. 157) Ebenda. 158) Ebenda. 159) Ebenda. 160) Ebenda. 161) Siehe Geiger, S. 120 ff. 162) LLA RC 27, Dl, Nr. 115, Jos. Müssner an OA, 23. März 1851. 163) Ebenda. 164) Ebenda. 165) Ebenda. 166) LLA RC 27, Cl, o. N„ 21. Jan. 1842. Bewilligung des OA für Joh. Franz Eberle, Balzers. 167) LLA RC 27, C2, o. N„ Kont.-Kommando an OA, 24. Mai 1842. 168) Ebenda. 169) Ebenda. 115
        

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