waren Familienverhältnisse, meist verbunden mit wirtschaftlichen Notlagen sowie Ausübung eines Berufes, der zur Befreiung vom Militärdienst be- rechtigte. Vier typische Beispiele mögen die Proble- matik erläutern: Im Jahre 1839 suchte Franz Wolfinger142 aus Bal- zers, geboren 1820, einziger Sohn des Postmeisters Ferdinand Wolfinger, um Befreiung an. Er begrün- dete sein Gesuch damit, dass er erstens einziger Sohn sei und zweitens als k.k. Postexpeditor bei seinem Vater angestellt sei, welcher wirklicher k.k. österreichischer Postmeister sei.143 Die Konskrip- tionskommission bemerkte zwar, dass Ferdinand Wolfinger ausser dem Postdienst auch einen Wirt- schaftsbetrieb mit ziemlicher Ausdehnung betreibe, so dass der Sohn „zum besseren Gedeihen seiner Haus- und Feldwirtschaft wirklich nothwendig seye".144 Der „strenge Geist des Gesetzes"145 erlau- be aber eine Befreiung nicht. Andererseits war Fer- dinand Wolfinger ein nicht unbedeutender Mann, „in den besten Jahren, der bisher sein ganzes Ge- schäft mit bekannt gutem Erfolge allein versehen konnte"146 und ausserdem in österreichischem Dienst stand. Als nun Franz Wolfinger bei der Losung die Num- mer 1 zog, entschied das Oberamt salomonisch, dass er „also bis auf höchste Entscheidung dem Corps nominativ zugetheilt" werde.147 Der Entscheid des Fürsten lehnte das Befreiungsge- such aus Konsequenzgründen ab, da „Ärmere sich zur Beibringung eines Ersatzmannes herbeylassen mussten".148 Als weiterer Grund der Ablehnung wird angeführt, dass Franz Wolfinger nicht wirkli- cher Beamter sei, oder „falls er es wäre, darum nicht um Erlaubnis eingeschritten" sei.149 Eine Mil- derung des Entscheids wurde Wolfinger aber da- durch gewährt, dass er „nach erhaltener Abrich- tung mit Urlaub zu begünstigen" sei.150 Wolfinger wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, einen Er- satzmann zu kaufen, was aber „baldthunlichst zu bewerkstelligen" sei.151 Eine allgemeine Folge des Gesuches von Wolfinger war die Anordnung von Fürst Alois, dass in Zukunft „einzige Söhne eines Vaters über 50 Jahren von 
nun an von der Conscription als befreit anzusehen" seien.152 Wenn Gesuche um Befreiung sich aufklare gesetzli- che Vorschriften berufen konnten, wurden sie pro- blemlos gebilligt, vorausgesetzt ihre Angaben ent- sprachen den Tatsachen. So gab Josef Büchel aus Ruggell, Reservemann des Kontingents, an, sein Vater stehe im Alter von 78 Jahren und es sei „kein männliches Individuum mehr im Hause".153 Es leb- ten zwar noch zwei Schwestern im gleichen Haus- halt, diese zählten aber nicht „als Stützen des Hau- ses".154 Büchel, der als weiteren Grund anführte, dass er durch Erbschaft Besitzer eines Hauses ge- worden sei, berief sich bei seinem Gesuch auf das „Conskriptionsgesetz von 1832, Abs. 2, litt, e",155 welches ledigen Hausbesitzern zeitliche Befreiung gewährte. Das Oberamt gab dem Gesuch statt und wies den Ortsrichter von Ruggell an, für Büchel einen anderen Reservemann zu stellen. Lehrer Franz Josef Öhri aus Mauren erhob im April 1849 Einspruch dagegen, dass er zur „Einreihung in das Bundescontingent" bestimmt worden sei.156 Er protestierte gegen den § 7 der „Grundrechte des deutschen Volkes", der die Wehrpflicht für alle ent- hielt157 und die Stellvertretung nicht mehr erlaubte. Nach Öhris Auffassung galt weiterhin das liechten- steinische Konskriptionsgesetz, welches „weder ausdrücklich noch stillschweigend derogirt" wor- den sei.158 Gemäss diesem Gesetz sprach Öhri als Schullehrer Befreiung vom Militärdienst an. Er führte als Beweis für die Berechtigung dieser Be- stimmung das staatspolitische Argument an, dass „in constitutionellen Staaten, wo ohne Unterricht keine Volksbildung und ohne Volksbildung keine konstitutionelle Freiheit möglich" sei,159 der Volks- unterricht alle Aufmerksamkeit der Regierung er- fordere; insbesondere müsse dies in „jung-constitu- tionellen Staaten"160 wie es Liechtenstein sei, be- achtet werden. Der mehrfache Hinweis Öhris dürfte sich wohl auf die konstitutionellen Übergangsbe- stimmungen beziehen, die Fürst Alois im März 1849 erlassen hatte.161 Ob dem Gesuch des Lehrers Franz Josef Öhri Erfolg beschieden war, lässt sich aus den Akten nicht nachweisen. 114
        

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