zur Spezialausbildung zum Bataillon nach Sigma- ringen versetzt. Ein erhöhter Präsenzstand wurde nur in Krisenzei- ten vorgeschrieben. Dies war etwa im Frühjahr 1845 der Fall, als eine fürstliche Resolution wegen des „jetzigen Zustandes in der Schweiz"121 anord- nete, dass immer ein Präsenzstand von 'A des Kon- tingents unter Waffen gehalten werden müsse. Mit dem besonderen Zustand der Schweiz waren die allgemeinen Bewegungen und Unruhen im Vorfeld des Sonderbundskrieges gemeint, welche Freischa- renzüge im Luzernischen in der ganzen Schweiz ausgelöst hatten.122 In Wien herrschte die Ansicht vor, dass man es in der Schweiz „mit keiner gere- gelten Regierung zu thun [habe], die hinreichende Garantien .. . gegen Grenzverletzungen bieten" könne.123 Für die Militärpflichtigen wurden Aus- landsaufenthalte gesperrt und verordnet, dass „auch mit Pässen in die Schweiz sehr behutsam zu verfahren [sei] und nur verlässligen Leuthen" aus- gestellt werden dürften.124 Oberamt und Kontin- gentskommando standen einer solchen ausseror- dentlichen Einberufung allerdings skeptisch gegen- über, weil durch die Lage in den angrenzenden Kantonen der Schweiz eine solche Entscheidung nicht geboten sei und dem Lande dadurch nur un- nötige Unkosten verursacht würden.125 Ausserdem, so versicherte der Kommandant, könne „nötigen- falls die gesamte Mannschaft binnen acht Stunden disponibel gemacht werden".126 Die fürstliche An- ordnung blieb jedoch bestehen, weil die bestehen- den Umstände es als kaum möglich erscheinen Hes- sen, „dem wiederholten Ansinnen der Bundesver- sammlung entgegen einen so geringen Locostand als den bisherigen zu erhalten".127 Sobald jedoch der aussenpolitische Druck nicht mehr gegeben war, wurde auch der Präsenzstand wieder gesenkt. Im November 1846 wurde sogar angeordnet, dass nur noch ein Unteroffizier, ein Trompeter und drei Scharfschützen „präsent zu halten" seien.128 Dieser Entscheid war durch die infolge der Rheinüber- schwemmung in diesem Jahr entstandene katastro- phale wirtschaftliche Lage des Landes mitbedingt. Am 17. August 1847 bestimmte Fürst Alois wäh- rend seines Aufenthaltes im Landes, dass bis auf 
weiteres acht Mann, nämlich zwei Unteroffiziere, ein Trompeter, vier Schützen und ein Diener für den Kommandanten den Präsenzstand des Kontin- gentes zu bilden hatten.129 DAS PROBLEM DER MILITÄRTAUGLICHKEIT In einer Übersicht über „losungspflichtige Jünglin- ge"180 der Jahre 1836 bis 1841 stellt das Oberamt fest, dass aus zwei Jahrgängen im Durchschnitt auf ein Jahr 108 „Köpfe" kamen.131 Aus verschiedenen Ursachen mussten 
2/s wieder aus der Dienst- pflicht entlassen werden, so dass zur Einreihung im Durchschnitt pro Jahr noch 36 Mann übrig blieben. Die Ursachen für die hohe Ausfallquote lagen in den sogenannten Befreiungsgründen und in körperli- cher oder geistiger Untauglichkeit.132 Die Konskriptionslisten der 1840er Jahre geben Untauglichkeits- und Befreiungsgründe an, enthal- ten Grössenangaben, nennen die Abwesenden u.a.m. und ermöglichen dadurch recht aufschluss- reiche Erkenntnisse zu diesen Fragen. Als Beispiel seien einige Konskriptionsergebnisse ausgewählt:133 1842 waren die vom 16. April 1817 bis 16. April 1824 Geborenen, d.h. die 18- bis 25jährigen, kon- skriptionspflichtig. Auf die einzelnen Gemeinden verteilt, ergibt sich folgendes Zahlenbild: Gemeinde K-pflichtig 
Tauglich % (Taugliche) Ausgeloste Balzers 63 . 40 63 
2 Triesen 37 18 48 1 Triesenberg 56 29 
51 7 Vaduz 36 19 
52 3 Schaan . 55 23 41 3 Planken ' 15 ' 
keine Angaben Eschen 51 
31 60 
4 Mauren 55 29 
52 4 Gamprin 20 12* . 60 1 Schellenber g 23 
15 65 Ruggell 40 
26 65 
'2 Total 
451 242 53 27 Die 47% vom Dienst Befreiten setzten sich aus Un- tauglichen, zeitlich Befreiten, Abwesenden und sol- 110
        

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