QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS KONTINGENT IM ALLTAG 1838 waren Bestrebungen des Oberamtes und der Hofkanzlei vorhanden, die Reserve ihrer eigentli- chen Bestimmung zuzuführen, sie also in die Aus- bildung einzubeziehen. Das Oberamt hatte die Vor- stellung, die Reservetruppe nach abgeschlossenem Militärdienst, was etwa binnen 10 Wochen erreicht werden sollte, zur Ergänzung des Kontingents zu verwenden.80 Als Dienstzeit für die Reserve stellte sich das Oberamt eine Dauer von zwei Jahren vor.sl Die Hofkanzlei nahm diesen Vorschlag auf, da auch sie der Ansicht war, dass die Reserve nicht aus „rohen Rekruten"82 bestehen sollte. Über fürstli- chen Beschluss wurde angeordnet, dass das Kon- tingent neben dem aktiven Korps aus 18 Mann Re- serve und neun Ersatzmännern zu bestehen habe. Die jährliche Ergänzung sollte so geschehen, dass die Ersatzmannschaft durch die eigentliche Aushe- bung neuer Rekruten, die Reserve durch den Über- tritt der ältesten Männer nach vier Jahren Dienst im aktiven Korps gebildet werden sollte.83 Dies hatte den Vorteil, dass die Reserve aus bereits ausgebil- deten Soldaten, die noch zwei Jahre Dienst zu ab- solvieren hatten, bestand und nur noch zu Gesamt- übungen des Korps einzuberufen war. Dies bedeutete, dass ab 1840, d.h. vier Jahre nach der Konskription von 1836, die neue Regelung ein- treten konnte, die infolge organisatorisch notwen- diger Übergangslösungen bis 1846 abgeschlossen sein würde. Das Oberamt betrachtete diese Lösung als eine „wesentliche Wohlthat",84 da das aktive Korps da- durch nur noch vier Jahre Dienstpflicht zu erfüllen hatte. Die Reservezeit wurde als wesentlich gerin- gere Belastung angesehen, da - ausserordentliche Fälle ausgenommen - dieser Truppenteil nur noch wenig Präsenzzeit aufwies. Aus diesem Grund er- wartete das Oberamt zu Recht keine Anstände bei der Durchführung der fürstlichen Anordnungen.8r' Diese Regelung fand durch die Aufnahme in den Entwurf des Konskriptionsgesetzes von 1841 noch- mals eine Bestätigung und Absicherung.86 1837 mussten 56 Soldaten ergänzt werden.87 Diese relativ hohe Zahl ergab sich aus dem Umstand, dass von 1831 bis 1836 keine Aushebungen mehr 
stattgefunden hatten und infolgedessen nun eine grössere Anzahl auf einmal ausschied. Die Tatsa- che, dass 1837 ungewohnt viele Aushebungen be- vorstanden, bewirkte, dass sich die losungspflichti- gen Männer untereinander eifersüchtig beobachte- ten und manchmal härtere Haltungen einnahmen als die Obrigkeit. So entliess 1837 das Oberamt zwei Konskriptionspflichtige wegen besonderer fa- miliärer Umstände, die sich durch den Tod, bezie- hungsweise die Arbeitsunfähigkeit der Väter erge- ben hatte.88 Dagegen erhob die „spielpflichtige Bur- schenschaft"89 Einspruch und verlangte, die zwei Betroffenen müssten entweder einen Ersatzmann stellen oder auf die Freistellung verzichten. Das Oberamt argumentierte, dass das Gesetz „nicht das Verderben der Familien und des Dienstmannes ver- lange"90 und dieser nicht „unter allen Verhältnissen 68) Ebenda. 69) Siehe oben S. 60. 70) Siehe oben Anm. 53. 71) LIj\ 
RC 27, A. o. N„ 20. Okt. 1836. 72) Ebenda. 73) LLA RC 27. A, o. N., OA an Pfarrämter und Gerichte, 7. März 1837. 74) Ebenda, B, ad 144, OA an Fürst, 31. März 1837. 75) Ebenda, A, Nr. 118, OA an Fürst, 2. März 1837. 76) Ebenda. 77) Siehe oben Anm. 74. 78) I LA RC 27. El, Kekrutieriingslisten 1841-1848. 79) LLA HC 27, A, ad 378. OA an Fürst. 17. Okt. 1838. 80) Ebenda. 81) Ebenda. 82) Ebenda, Nr. 2239, HKW an Leonhardi, 23. Febr. 1839. 83) Ebenda, HKW an OA, 23. Febr. 1839. 84) Ebenda, ad 90, OA an Fürst, 28. August 1839. 85) Ebenda. 86) Siehe oben S. 89. 87) Siehe oben Anm. 74. 88) Ebenda. 89) Ebenda. 90) Ebenda. 107
        

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