erstere bestimmte, dass die Reserven für das Jahr 1836 vor der Musterung nicht mehr einzuziehen seien.6S Dieser Beschluss, der im Musterungsbe- richt von 1836 harsche Kritik hervorrief,69 war si- cher als Sparmassnabme gedacht. Der zweite Ent- scheid bestimmte, dass ausserhalb der Exerzier- zeiten - ruhiges Verhalten vorausgesetzt - die Mannschaft zu beurlauben sei.70 Dies sollte es vor allem auch den Militärpflichtigen ermöglichen, ei- nem Verdienst nachzugehen. Die Instruktionen von 1836 brachten wichtige Re- gelungen von organisatorischen Fragen, die sich als Folge der nun wirklich bevorstehenden Einbe- rufung des Kontingents ergaben. Dies war sowohl durch die Truppenzusammenlegung mit Hechingen und Sigmaringen als auch durch die Forderungen des Deutschen Bundes unerlässlich geworden. Am 20. Oktober 1836 präsentierten Landvogt Men- zinger und Kommandant Schaffer gemeinsam eine „Nominalliste des Fürstlich Liechtensteinischen Bundeskontingents".71 Dieses Verzeichnis weist ei- nen Bestand von 56 Mann aus, und zwar Leutnant Schaffer als Offizier und Kontingentskommandant, den Sergeanten Joseph Anton Hilty sowie die drei Korporale Jakob Hensler, Franz Joseph Goldner und Jakob Nägele als Unteroffiziere. Ferner waren zwei Trompeter, nämlich Fidel Frick und Michael Kaiser aufgeboten; dazu kamen drei Gefreite, ein Zimmermann und 45 Gemeine.72 DIE KONSKRIPTIONEN VON 1836 BIS 1848 Die Konskriptionsgesetze und Instruktionen hatten ein Instrumentarium geschaffen, nach dem die nun folgenden jährlichen Aushebungen vorgenommen wurden. Regelmässig wurden im Frühjahr die Pfarrämter und Gerichte aufgefordert, „alle ledigen Burschen"'3 im gesetzlich vorgeschriebenen Alter in die Listen einzutragen und nach den gültigen Vorschriften insgesamt vorzugehen. Die Konskrip- tionen fanden im Normalfall jeweils im März auf Schloss Vaduz statt. „Obwohl es manchen Disput absetzte (und) kleine Excesse, welche bei solchen 
Anlässen gewöhnlich zu sein pflegen",74 vorkamen, gab es im allgemeinen keine besonderen Schwie- rigkeiten mehr. Am ehesten zu reden gaben etwa Entscheidungen über beanspruchte Befreiungen vom Militärdienst oder Abklärungen über Entschul- digungsgründe Abwesender oder zu spät Zurückge- kehrter. So erklärte etwa Johann Falk aus Vaduz, der anstatt im Frühjahr erst im November aus La Chaux de Fonds nach Hause gekommen war, dass ihm von der Einberufung nichts bekannt gewesen sei.'5 Solche Entschuldigungen lehnte das Oberamt zumeist ab, da sie seiner Ansicht nach unglaubwür- dig waren. Der Pass sei bereits im Februar abgelau- fen, bemerkte das Oberamt gegenüber Falk, und er wäre verpflichtet gewesen, entweder um Verlänge- rung nachzusuchen oder sich zur Zeit persönlich zu stellen.76 Solche unerlaubten Absenzen wurden ge- wöhnlich mit der Einreihung ausserhalb der Lo- sung geahndet. Ein besonderer Streit fand 1837 zwischen einzel- nen Gemeinden statt. Da die Aushebungen nach der Bevölkerungszahl der Gemeinden vorgenommen wurden, hatte es sich 1831 ergeben, dass manche Gemeinden zusammen einen Mann gestellt hatten. So stritten sich Triesenberg und Triesen, Vaduz und Schaan sowie Eschen und Mauren um die Fra- ge, wem der 1831 gemeinsam gestellte Mann zuzu- rechnen sei und wer nun diesmal an der Reihe sei, einen Mann mehr zu stellen. Das Oberamt schob die definitive Entscheidung auf einen späteren Zeit- punkt hinaus. Für die momentane Situation wurde „nach Massgab des Abgangs in der betreffenden Gemeinde" entschieden.77 Die Zahl der zu ergänzenden Soldaten war nicht jedes Jahr gleich. Je nach der Anzahl der Abgänge durch Abschied, Untauglichkeit, durch Krankheit oder Unfall, durch Tod oder andere Ursachen wa- ren mehr oder weniger pro Jahr zu ersetzen. Nach einer ersten Übergangszeit pendelte sich die Zahl der jährlichen Aushebungen in der Zeit von 1841 bis 1848 bei etwa 15 Mann ein.78 Ein ungelöstes Problem stellte die Reserve dar. Sie wurde zwar seit 1836 immer vollzählig gehalten und vereidigt, aber ohne Ausbildung wieder entlas- sen, d.h. sie leistete keinerlei Militärdienst.79 Seit 106
        

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