— 22 — Jahre 15 vor Chr. in einem kurzen planmäßigen Feldzug einen vollständigen Sieg über die Räter. Von da au wurde Rätieu eine römische Provinz. Viele Räter wurden von den Eroberern in die Sklaverei verkauft, die waffenfähige Jungmannschaft als Soldaten in andere römische Provinzen versetzt. An ihre Stelle traten römische Soldaten und Kolonisten. Die römische Provinz Rätien, die nach der Eroberung gebildet wurde, war vou dem alteu Rätieu nach Umsang und Bevölkerung verschieden. „Sie grenzte gegen Osten an iXoriKum. von dem sie der Jnn von seinem Austritt aus dem Gebirge an bis zu seiner Einmündung in die Donau schied. Im Norden bildete die Donau die Grenze, später wurde dieselbe über den Strom vorgeschoben nnd dnrch den rütischen Grenzwall bezeichnet. Die Westgrenze bildete nach Ptolemäns eine Linie von den Quellen der Donau zu denen des Rheins. — Ueber die innere Organisation der Provinz Rätien erfahren wir wenig. Es ist anzunehmen, daß man einstweilen jeden Stamm in altgewohnter 
Weise sich fortregieren ließ, 
soweit sich das mit dem römischen Regiment vertrug. Ihrer Rechtsstellung nach waren die rätischen Proviuzialen .-.^ersKrini". tributpflichtige „Ausläuder", d. h. Reichsangehörige mindesten Rechtes und scheinen es länger geblieben zu seiu, als ihre Nachbaren, die Helvetier und Noriker. Während iu Gallien und Noriknm das römische Städtewesen rasch durchdrang, entfaltete es sich in Rätien nur langsam und unvoll- kommen. 'Selbst das vermutlich vou Drusus gegründete >V'i->'ustc>, Vinclslioornm (Augsburg) blieb über ein Jahrhundert eiu bloßer Marktflecken, bis Hadrian ihm endlich Stadtrecht erteilte. Im 3. Jahrhundert erscheinen auch V^npttcwinim (Kempten) und LriAÄnrwm als Städte." ') Chur scheint erst später den Charakter einer Stadt erhalten zu habeu. Der praktische Sinn der Römer zeitigte als eine der ersten und wohltätigsten Folgen der Eroberung die Verbesserung alter und die Eröffnung neuer Straßen über die Alpen. Augustus, so berichtet Strabo, habe mit der Vertilgung der Räuber im Gebirge die Gangbarmachung der Wege verbunden; früher seien deren nur wenige 
und höchst beschwerliche gewesen, jetzt gebe es solche an vielen Orten. Und Kaiser Claudius rühmt von seinem Vater Drusus, er habe die Alpen eröffnet und eine Straße vom -) Oechsli l. c. S. 69 f.
        

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