LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER Aufmerksamkeit, die wärmste, liebevollste und uneigennützigste Pflege zu Theil geworden, finde ich mich bei voller Überlegung und aus freiem Antrieb bewogen, zu Gunsten des Herrn Kirchthaler . . . zu erklären: 1. ) verzichte ich . . . auf die weitere Verzinsung bis zu meinem Ableben ... 2. ) Ich sehe dem Herrn Franz Anton Kirchthaler und seiner Ehegattin .. . an den mir.. . schuldigen 42000fl RWdie Summe von 12000fl schenkungs- weise nach, wornach sich die mir restliche Schuld auf30000fl, sage: dreissigtausend Gulden Reichs- währung herabreduziert. . . Gegen die für Herrn Kirchthaler . . . ausgedrückte Begünstigung respektive Schenkung lade ich 3. ) dem Beschenkten und dessen Erben die Ver- bindlichkeit auf, mich ohne allen Ersatzanspruch bis an mein Lebensende zu verpflegen und spreche die Hoffnung aus, dass mir jene liebevolle Sorgsam- keit und Pflege, und jene Theilnahme an den Leiden meines Alters, . . . wie ich mich deren bis anher zu erfreuen hatte, bis ans Grab nicht versagt werde.» So geschehen, Vaduz am 13. November 1860. Dr. Grass m.p. Andreas Falk, Actuar, Franz Anton Kirchthaler Zeuge Theresia Kirchthaler Dr. Schlegel, Zeuge. Aus dieser Schenkungsurkunde geht hervor, wie gut sich Grass vom Ehepaar Kirchthaler gepflegt und versorgt fühlte, und wie dankbar er dafür war. Dass jedoch Kirchthaler und seine Frau nicht allein aus purem Altruismus handelten, darf man bei der Höhe des geschenkten Betrages auch annehmen. Die nach der Schenkung verbleibende Summe in der Höhe von 30000 Gulden sollte dann nach seinem Tode als Erbe an die zahlreichen Verwand- ten von Grass in Vorarlberg gehen. Grass hat selbst gespürt, dass ihn die Kräfte zusehends verliessen. Eine Prostataerkrankung509 führte am 29. November 1860 schliesslich zu sei- nem Tod. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Vaduzer Friedhof. Mit Dr. Ludwig Grass wurde eine Persönlichkeit zu Grabe getragen, der das Land Liechtenstein und die 
Gemeinde Vaduz viel zu verdanken haben. Sein Ruf als charismatischer Arzt und Menschenfreund lebt heute noch nach. Durch die Erneuerung der Grass'schen Schulstiftung durch die Gemeinde Vaduz wird sein Andenken auch in der Zukunft weiterleben. Das Grab von Ludwig Grass ist längst aufgelassen, doch sind davon vier Marmortafeln erhalten, die sein Wirken in Versen verkünden, die in ihrer Naivität als Zeichen jener Zeit hier nicht fehlen dürfen: Steh stille Freund bei diesem Steine! Er deckt das Grab des edeln Grass Gestatte dass noch Liebe weine, Wenn ihn ein danklos Herz vergass. Den Meister sah ein Halbjahrhundert Im Wirken gross, im Helfen reich Und selten ward so hoch bewundert Der Ärzte Einer, diesem gleich. Sieh, Er erschloss die neue Quelle Realer Volks- und Landkultur, Schon schlägt des Wissens Well' an Welle In jungen Forschern der Natur. Strahl weitumher, du Glaubenszeichen, Du Heil auch Dessen, Der da ruht! Im Tod beginnend zu erbleichen, Trank er von dir noch Siegesmuth. 505) Franz Anton Kirchthaler 1811-1889. Sohn des Amtsschreibers Joh. Ludwig Kirchthaler. Apotheker. 1852 Bürgerrecht in Vaduz. 1849 in den Landrat gewählt, dessen Vizepräsident er war. 1861 gehörte er dem «Ausschuss für Verfassungsfragen» an. 1862 Mitglied des neuen Landtags. 1863 Mitbegründer der Baum Wollweberei Kirchthaler und Dürst in Triesen. Vielseitige Aktivitäten, z.B. Seiden- raupenzucht. Die Fabrik in Triesen brannte 1866 z.T. ab. 1869 Versteigerung des Komplexes. 506) Kaufvertrag vom 22. September 1857, Grundbuchamt Vaduz. 507) Verzeichnis über die versicherten Capitalien vom 22. Septem- ber 1857, Grundbuchamt Vaduz. 508) Schenkungsurkunde vom 13. November 1860, LLA GA 91/17. 509) Die Eintragung im Totenbuch Vaduz gibt als Todesursache «Strangurie» an. 97
        

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