einfache wie unkonventionelle Art. Er verkaufte Hab und Gut an seinen langjährigen Freund, den Apotheker Franz Anton Kirchthaler in Vaduz.505 Der Kaufvertrag wurde am 22. September 1857, also genau einen Monat nach dem Schenkungsver- trag an das Land abgeschlossen.506 Mit diesem Vertrag verkauft Dr. Grass an Franz Anton Kirch- thaler für eine Pauschalsumme von 42 000 fl a) seine Kapitalien und Guthaben. b) seine «Haus- und Zimmereinrichtungsstücke, Betten, Wäsche, Kleidungsstücke, Prätiosen, Uhren, Bücher, Silberwaren, die ganze Apotheke, alle ärztlichen und chirurgischen Instrumente, über- haupt alles was vorhanden ist.» d) ein Grundstück von 816 Klaftern im Bartlegrosch und einen Acker von 352 Klaftern in der Pradafant. Franz Anton Kirchthaler, ein enger Freund von Dr. Ludwig Grass 
Die Kaufsumme von 42 000 fl muss vom Käufer, solange sie nicht bezahlt ist, mit jährlich 5 % verzinst werden. Die unter a) angesprochenen Kapitalien bestanden zur Hauptsache in 174 grundbücherlich gesicherten Schuldbriefen im Gesamtwert von 28 238 fl.507 Damit war also Kirchthaler dem Verkäufer Dr. Grass 42 000 fl schuldig. Sein Gewinn bestand in dem, was er über 42 000 fl hinaus aus dem gesam- ten Kaufgut löste. Es ist schwer zu sagen, was ihm die einzelnen Realitäten, wie z. B. chirurgische Instrumente oder «Prätiosen» einbrachten. Die «Medizinalforderungen» dürften ziemlich gross ge- wesen sein, und Kirchthaler selbst hatte sich wohl einen beträchtlichen Gesamtgewinn ausgerechnet. In Wirklichkeit scheint dann aber der Gewinn doch nicht so gross gewesen zu sein, wie es Kirchthaler und auch Grass selbst erwartet hatten. Grass war nach Abschluss dieses Kaufvertrages «zu Herrn Kirchthaler auf dessen Rechnung in Kost und Pflege getreten». Kirchthaler führte mit seiner Frau damals das neuerbaute Gasthaus «Kirchthaler», den heutigen «Vaduzer Hof». Aber schon bald nach der Übersiedlung von seiner alten Wohnung ins Gasthaus Kirchthaler scheint Grass kränklich und pflegebedürftig geworden zu sein. Wie schon erwähnt, hatte Kirchthaler aus dem Kaufvertrag vom 22. September 1857 nicht den erwarteten Gewinn erzielen können. Grass machte ihm daher am 13. November 1860, kurz vor seinem Tod eine Schenkung von 12000 fl. In der Schen- kungsurkunde508 heisst es: «In Berücksichtigung, dass dem Herrn Kirchthaler und seiner Familie durch den berührten Kaufver- trag (v. 22. September 1857), wie ich mich später gründlich überzeugte, nicht jene Wohltat zu Theil geworden, die ihm zu Theil werden zu lassen, ich die Absicht hatte, und in weiterer Berücksichti- gung, dass ich vom Tage obiger Kaufserrichtung (22. September 1857) zu Herrn Kirchthaler auf dessen Rechnung in Kost und Pflege getreten und in endlicher Berücksichtigung, dass mir von dem Herrn Kirchthaler und seiner Familie sowohl in meinen gesunden, als kranken Tagen die grösste 96
        

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