schon bald beträchtliche Reserven aufwies. Man muss feststellen, dass in jener Zeit die Kranken und die Armen fast immer in einem Atemzug genannt werden, was wahrscheinlich von der bedrückenden Tatsache herrührt, dass der Kranke in der Öffent- lichkeit erst Beachtung fand, wenn er durch seine Krankheit erwerbsunfähig und damit zum Armen geworden war, der dann der öffentlichen Hand zur Last fiel. So ist es auch zu erklären, dass Armen- haus und Krankenhaus fast immer in Verbindung miteinander gesehen wurden. Allerdings bot diese Verbindung von Armenhaus und Pflegestation den Vorteil, dass für die Pflegebedürftigen immer Räumlichkeiten zur Verfügung standen und die Betreuung durch das vorhandene Personal wahrge- nommen werden konnte.379 Durch den katastrophalen Rheineinbruch von 1846 fielen dann aber die Baupläne buchstäblich ins Wasser, und Landesverweser Menzinger nahm diese auch nicht mehr auf, solange er im Amt war. Karl von Hausen griff den Gedanken aber sofort nach seinem Amtsantritt im Jahre 1860 mit neuem Elan wieder auf. Unter dem Namen «Landeskranken- und Siechen- anstalt» sollte ein Haus für Kranke und Gebrechli- che gebaut werden und zwar in Vaduz. Von Hausen trieb die Sache rasch voran. Für die Finanzierung sollte der Landesarmenfonds herbeigezogen wer- den. Für die Baukommission waren schon die entsprechenden Leute in Aussicht genommen. Der Fürst war bereit, einen Bauplatz schenkungsweise zur Verfügung zu stellen. Der Standort wurde in der «unteren Spania», genau vis-ä-vis dem heutigen Vaduzer Krankenhaus unterhalb der Landstrasse gewählt.380 Doch der Fürst stellte für seine Schen- kung eine wesentliche Bedingung, nämlich «diese Sache der Beratung des zu constituierenden Landta- ges zu überlassen, zu beurtheilen, in wie weit das Land die Kosten des Unternehmens zu tragen im Stande und auch gewillt sei.»381 Dies bedeutete aber eine Verschiebung des Projektes auf unbestimmte Zeit, denn auf den neugewählten Landtag, der im Dezember 1862 zu seiner ersten Sitzung zusam- mentrat, warteten zunächst weit wichtiger einge- stufte Aufgaben als der Bau eines Krankenhauses. 
Das Projekt in der von v. Flausen konzipierten Form wurde denn auch gar nicht mehr weiter verfolgt. Erst einige Jahre später wurde der Gedanke eines Krankenhausbaues von neuem aufgegriffen und zwar diesmal von Landtagspräsident Dr. Karl Schädler. Seine Idee war es, neben einem land- schäftlichen Armenhaus zugleich auch ein Kranken- haus zu bauen. Zur Verwirklichung dieses Planes war in grosszügiger Weise das ganze Meierhofareal in Triesen vorgesehen.382 Doch es kam anders. Im Landtag vom 8. Mai 1867 hatte das Landeskrankenhaus keine Gnade gefun- den, nur fünf der fünfzehn Abgeordneten stimmten dafür.383 Karl Schädler hatte den Partikularismus in den Gemeinden unterschätzt. Dort setzte man näm- lich die Schwerpunkte anders: Der Bau von Armen- häusern schien weit wichtiger als jener eines Spitals und dies schon aus wirtschaftlichen Gründen. Schliesslich stellte sich ein Armenhaus mit angeglie- derter Landwirtschaft und billigen eigenen Ar- beitskräften auch finanziell nicht schlecht und versprach, sogar noch etwas abzuwerfen. Dazu kamen als Einnahmen noch die Taxen für Pfleglin- ge, deren Betreuung keine zu grossen Anforderun- gen stellte. Für die Unterbringung eines Armen gab es dann im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder man gab ihn zu einer bestimmten Pflegetaxe in ein Armenhaus, oder er wurde in der Gemeinde an denjenigen verdingt, der für seine Verpflegung am wenigsten verlangte! So entschieden sich in der Landtagssession vom Herbst 1869 die Abgeordneten fast einhellig für die Errichtung von Gemeindearmenhäusern und ver- warfen eine zentrale Lösung. Nur der Präsident Dr. Karl Schädler stimmte gegen das Gesetz, «weil es nicht auf die Idee und Grundlage einer allgemei- nen landschäftlichen Kranken- und Armenanstalt gebaut sei».384 Diese Niederlage im Parlament war für den altern- den Schädler gewiss eine bittere Erfahrung. - Es sollte noch über 110 Jahre dauern, bis seine Vision eines zentralen Krankenhauses in Erfüllung ging. Einen wichtigen Entscheid fällte der Landtag in der ausserordentlichen Sitzung vom 13. Jänner 1870, indem er die Konzession für den Bahnbau Feld- 76
        

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