LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER Die Berichterstattung über die Landtagssitzungen wie über das Vereinsgeschehen erforderten die Herausgabe einer Zeitung, die dann auch durch Reallehrer Fischer erfolgte. Die erste Nummer der «Liechtensteinischen Landeszeitung» erschien am 12. April 186 3.354 Natürlich kannte auch Karl Schädler die Wichtigkeit einer Zeitung und man darf annehmen, dass er von Anfang an als treiben- de Kraft hinter dem Herausgeber stand. Er be- stimmte denn auch als verantwortlicher Redaktor neben Fischer das «politische Gesicht»355 der Zei- tung. In den acht Jahren, in denen Karl Schädler den Landtag als Präsident mit grosser Umsicht und mit parlamentarischem Geschick leitete, wurden eine grosse Zahl wichtiger Gesetze verabschiedet und bedeutungsvolle Entscheidungen getroffen. Aus der regen Tätigkeit des Landtages vom Dezem- ber 1862 bis zu dem durch Krankheit bedingten Ausscheiden Dr. Karl Schädlers nach Ende der Sitzungsperiode des Jahres 1870 kann hier nur das Wesentliche kurz gestreift werden. Die schon in den Jahren 1848/49 postulierte und dann von Fürst Alois II. als zurecht erkannte und unterstützte Forderung 
nach Ablösung des Zehent wurde durch gesetzliche Regelung im Jahre 1864 verwirklicht.356 Die Frage war schon im Jahr zuvor im Landtag wiederholt beraten worden. Der Zehent war eine Steuer vom Rohertrag und nicht vom Reinertrag.357 Die Ablösungssumme betrug das Zwanzigfache der jährlichen Zehentrenten und soll- te in 20 jährlichen Raten abgegolten werden. Die Ablösungssumme sämtlicher Zehentgerechtigkei- ten im Lande betrug über 100000.- Gulden öster- reichischer Währung. Ebenfalls auf eine alte Forderung ging das neue Gemeindegesetz zurück, das am 14. 3. 1864 vom Landtag verabschiedet wurde.358 Schon im Sommer 1349359 hatte der Geschäftsausschuss des Über- gangs-Landrates unter dem Präsidium Karl Schäd- lers einen Entwurf für eine neue Gemeindeordnung ausgearbeitet, der dann auch vom Plenum des Landrates angenommen worden war. Diesem Ent- wurf hatte jedoch der Fürst die Sanktion versagt. Jetzt endlich, 15 Jahre später wurde den Gemein-den 
die politische Selbstbestimmung zugestanden. Die freie Wahl der Ortsvorsteher und des Gemein- derates, die selbständige Verwaltung des Gemein- devermögens, das Recht zur Bürgeraufnahme waren hervorstechende Errungenschaften im neuen Gemeindegesetz. Für Karl Schädler, dem ja schon in seiner Frankfurter Zeit eine föderalistische Verfassung für den künftigen deutschen Bundes- staat vorschwebte,360 war die Stärkung der Ge- meindeautonomie zugleich eine Stärkung des föde- ralistischen Elements im Lande. Am 6. Dezember 1862 hatte Österreich 
den Zollver- trag mit Liechtenstein gekündigt. Dieser Vertrag war bei einem Teil der Bevölkerung recht unpopu- lär gewesen.361 Es bildete sich daher eine starke Opposition gegen die Erneuerung des Zollvertrages mit Österreich. Sechs Gemeinden reichten Petitio- nen für einen Zollanschluss mit der Schweiz ein. Welches die Hauptpunkte waren, die den alten Vertrag mit Österreich so unbeliebt gemacht hatten, zeigen die Änderungsvorschläge der Regierung für den künftigen Vertrag, welche der Landtag in der Sitzung vom 30. Juni 1863 angenommen hatte362: 1. Einhebung der Verzehrungssteuer durch Organe der Liechtensteinischen Regierung, 2. Ablehnung von Steuerzuschlägen für kriegsbedingte Bedürfnis- se Österreichs, 3. Anmeldungen von Hausdurchsu- chungen beim Landgericht, 4. Errichtung von Zoll- stätten in Vaduz und Schaan und 5. Kostenüber- nahme für sämtliche Finanzhütten durch Öster- reich. Da Landtag und Regierung die Vorteile einer 352) A. Schädler, Landtag, JbL 1. S. 92. 353) Landwirtsch. Verein, Lehrerverein, Leseverein etc. 354) Geiger, S. 310. 355) Geiger, S. 310. 356) A. Schädler, Landtag, JbL 1, S. 95/96. 357) ebda. 358) ebda. S. 104, Geiger, S. 318. 359) siehe oben, S. 63/64. 360) siehe auch oben. S. 58. 361) Geiger. S. 336. 362) Alois Ospelt, S. 374, A. Schädler, Landtag, S. 100. 73
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.